Strandmüllboxen auf Erfolgskurs

Strandmüllbox im Nationalpark. Foto: Jan Weinbecker

Strandmüllboxen auf Erfolgskurs

Begonnen hat alles im Jahre 2013 mit einer Initiative auf den Inseln Langeoog und Juist zur Eindämmung des Meeresmülls. Vielen Strandspaziergänger*innen waren Dosen, Flaschen, Kanister, Netzreste und vieles andere an Müll, der regelmäßig am Strand zu finden ist, schon immer ein Dorn im Auge. Der Müll wurde eingesammelt und mitgenommen. Doch wohin damit? Manche Müllteile sind ganz schön schwer oder sperrig. So wurde der Meeresmüll meist bis zum nächsten Dünenübergang, bis zum nächsten Schild mitgeschleppt, in der Hoffnung, dass er dort von Mitarbeiter*innen der Gemeinde entdeckt und entsorgt wird. Mit der Folge, dass der Müll häufig wieder verwehte, weggeschwemmt wurde oder einsandete.

Um diesen Missstand zu beseitigen und das Engagement der fleißigen Müllsammler zu unterstützen, wurden in einer Gemeinschaftsaktion der beiden Inselgemeinden und der Nationalparkverwaltung an den Dünenübergängen einfache Gitterboxen aufgestellt, in denen Strandwanderer den Müll gesichert und sichtbar loswerden konnten. Das Konzept war so einfach und überzeugend, dass schon innerhalb der nächsten zwei Jahre auch die anderen fünf ostfriesischen Inseln die Strandmüllboxen einführten. Anfragen der Gemeinde Butjadingen und sogar aus Schleswig-Holstein schlossen sich an.

Im Juni 2017 wurden nun, pünktlich zum Ferienbeginn, vier weitere Küstenbadeorte Projektpartner und mit Strandmüllboxen versorgt: Dangast, das Wangerland mit Horumersiel und Schillig, Harlesiel und Bensersiel.

Die Finanzierung der Strandmüllboxen übernimmt seit dem Projektstart die Nationalparkverwaltung, die Entsorgung der Boxen wurde und wird dankenswerterweise durch die Kommunen und Landkreise sichergestellt. Die Frage nach der Zuständigkeit – wem gehört der Müll? wer muss die Entsorgung bezahlen? – trat in den Hintergrund zugunsten einer gemeinsamen, solidarisch finanzierten und organisierten Lösung.

Damit sind neben allen ostfriesischen Inseln nun auch an immer mehr Stränden entlang der niedersächsischen Küste die wertvollen Helfer beim Kampf für die Entmüllung der Strände und Küsten im Einsatz. Wichtig ist, dass die Boxen tatsächlich für die Entsorgung von angeschwemmtem Meeresmüll genutzt werden und nicht als normaler Mülleimer. Die Nationalparkverwaltung hofft, dass dies auch an der Küste funktioniert, wo die Strandmüllboxen überwiegend im Nahbereich der Hauptstrände stehen. Erste Erfahrungen zeigen, dass an einigen Strandabschnitten noch viel Müll aus dem normalen Strand- und Badebetrieb in den Strandmüllboxen landet. Hier wird geprüft, ob dort die Boxen besser nur in den Frühjahrs- und Herbstmonaten aufgestellt werden, wenn ohnehin mehr Müll aus dem Meer am Strand ankommt und weniger normaler Strandbetrieb herrscht. Aber trotz einiger offenen Fragen - einen Versuch auch an der Küste ist es allemal wert.

Strandmüll ist nur eine kleine Fraktion der riesigen Müllmengen, die weltweit in verschiedenen Meerestiefen herumschwimmen und dann zum Teil wieder an den Küsten auftauchen. Das beste Mittel gegen die Vermüllung der Meere ist immer noch, den Müll gar nicht erst entstehen zu lassen und soweit wie möglich auf unnötige Verpackungen und Einwegprodukte zu verzichten.

Auf dem Weg dorthin sind die Strandmüllboxen und auch organisierte Müllsammelaktionen ein kleiner, aber wichtiger Schritt: Das Problem Meeresmüll rückt stärker in die Wahrnehmung der Menschen. Die Beteiligung an Müllsammelprojekten und die Berichterstattung darüber sensibilisiert und stärkt das Verantwortungsbewusstsein. Und nicht zuletzt kann jedes Müllteil, das dem Lebensraum Meer entzogen und ordnungsgemäß entsorgt wird, keinen Schaden mehr anrichten, keinen Vogel mehr erdrosseln oder den Verdauungstrakt von Meeressäugern verstopfen.

Jürn Bunje / Imke Zwoch