21.08.2006

Der Gänse neue Kleider

Mit ihrem auffallend schönen und kontrastreichen Gefieder ist sie schwerlich zu übersehen: Die Brandgans. Oder Brandente? Hier streiten sich die Gelehrten.
Brandgans oder Brandente

 Während das bunte Federkleid mehr für eine Ente spricht, zeichnet ihr langer Hals sie eher als Gans aus, ebenso wie die Tatsache, dass Ente und Erpel nahezu gleich gefärbt sind und lebenslang "verheiratet" bleiben. Das Männchen ist übrigens an einem kleinen Höcker auf dem roten Schnabel zu erkennen. Den "Vornamen" Brand- hat ihr der kräftig braunrote Bruststreifen eingebracht.

Entdecken könnenSie die unverwechselbaren Vögel im Schlickwatt. Hier im weichen Boden sind sie meistens paarweise auf der Suche nach ihrer Nahrung, die aus Kleintieren wie Wattschnecken und Schlickkrebsen besteht.

Besucht man im Frühjahr die Inseln, sieht man die Brandgans häufig auch einzeln oder paarweise oben auf den Dünen sitzen. Ihr besonderes Brutverhalten führt die Brandente hierher: Sie legt ihre Nester gerne in Höhlen und Kaninchenbauten an, wo sie relativ gut geschützt ihre bis zu 10 Eier ausbrütet. Sind die Jungen geschlüpft, werden sie bis zu mehrere Kilometer weit hinaus in die Salzwiesenpriele und Watten des Nationalparks geführt. Häufig tun sich die Küken verschiedener Paare dort zu "Kindergärten" zusammen, die dann von einzelnen Altvögeln bewacht werden

Im August zeigen die Brandgänse ein besonderes Verhalten, das sie von anderen Vogelarten unterscheidet: die Massenmauser. Alljährlich zu dieser Zeit trifft sich nahezu der gesamte Bestand des ostatlantischen Vogelzuges - und das können bis zu 200.000 Tiere sein - in einem Gebiet, um das Federkleid zu wechseln. Bei der so genannten Stoßmauser verliert die Brandente dabei auf einmal all ihre Schwungfedern. Während die neuen Federn wachsen, sind die Vögel vier Wochen flugunfähig und damit auch besonders störanfällig. Entsprechend ungestört müssen die Gebiete sein, die die Tiere für ihre Gemeinschaftsmauser aussuchen. Vor Jahren war der Knechtsand in der Wesermündung aus Gänsesicht der geeignete Mauserplatz, aktuell ist dies das Dithmarscher Watt in Schleswig- Holstein.

Außerhalb der Mauserzeit ist die Brandgans aber ein ständiger Bewohner des Nationalparks, der zu allen Jahreszeiten beobachtet werden kann.