06.11.2006

Nomen est omen

Sie haben so ausgefallene "Vornamen" wie Krick-, Knäk-, Pfeif-, Löffel-, Reiher-, Spieß- oder Stock-: die Enten des Wattenmeeres. Zur Zugzeit lassen sie sich sehr schön beobachten: auf den kleinen Gewässern im Vorland, in den hinter dem Deich gelegenen Sieltiefen und sogar in den Hafenbecken.
Tafelenten-Paar, hinten Erpel

Die Namen der Enten sind keine Zufallsprodukte, sondern verraten Besonderheiten der jeweiligen Entenart bzw. weisen auf Merkmale hin, die sie von den anderen Entenarten mehr oder weniger gut unterscheiden.

Da ist z.B. die Krickente, die kleinste, aber gleichzeitig die rasanteste unter den heimischen Enten. Eigentlich müsste sie "Turboente" heißen, aber bei ihr waren die lauten "kri-kük" Rufe namensgebend. Ähnlich ist es bei der Knäkente ("Knä äk"- oder "Knäk"rufe) und der Pfeifente. Hier stößt der Erpel laute Pfiffe aus -gerade jetzt im Herbst ein charakteristisches Klangbild der Salzwiesen.

Bei der Löffelente verrät der Name etwas über die Schnabelform und die Art des Nahrungserwerbes. Denn wie mit einem Löffel durchsiebt sie mit dem abgeflachten Schnabel die Wasseroberfläche nach kleinen Wasserinsekten und Pflanzensamen.

Auch bei anderen Entenarten finden sich auffällige Körpermerkmale in der Namensgebung wieder. So fallen Reiherenten durch ihren hübschen Kopfschmuck in Form von verlängerten Federn, ähnlich wie z.B. beim Graureiher, auf. Und bei Spießenten wird der Schwanzspieß der Erpel bis zu zehn Zentimeter lang.

Die Eisente, die bei uns vereinzelt als Wintergast vorkommt, hat zwar auch einen langen Schwanzspieß. Bei ihrem Namen war allerdings ihre extreme Brutplatzwahl ausschlaggebend: Von allen Wasservögeln dringen sie am weitesten nach Norden vor, bis zum 83. nördlichen Breitengrad, das bedeutet Mitteltemperaturen im Sommer von ein bis zwei Grad Celsius!

Etwas komplizierter gestaltet sich die Herleitung des Namens der Eiderente. Wahrscheinlich stammt er vom isländischen Gott Agir und gibt Hinweis auf ihr Vorkommen. Die Eiderdaunennutzung hat auf Island schon eine sehr lange Tradition.

Fast schon einfallslos erscheint da die Namensgebung anhand der Farbe. Aber immerhin heißen die völlig schwarzen Meeresenten, die im Winterhalbjahr manchmal in großen Trupps vor den Inseln rasten, nicht einfach "Schwarzente", sondern Trauerente.

Die bekannteste Ente unserer Region, die Stockente, heißt übrigens so, weil sie früher häufig auf Weiden brütete, die regelmäßig zurück geschnitten, also "auf den Stock gesetzt" wurden. Die kleinen Küken springen nach dem Schlupf von hoch oben einfach ins Wasser. Diese Vorliebe für hohe Nistgelegenheiten wird der Stockente heute manchmal zum Verhängnis, wenn sie sich Balkonkästen oder Dachterrassen als Nistgelegenheit gesucht hat.

Zu guter Letzt noch etwas über den Namen einer Entenart, der Schlimmes über das Schicksal dieser Ente befürchten lässt: die Tafelente. Und in der Tat hat ihr allein die geschmackliche Eignung für die festliche Tafel diesen Namen eingebracht. Bei uns wird sie allerdings nicht bejagt.