Trilaterale Regierungskonferenzen

Drei Staaten an einem Tisch

Drei Staaten an einem Tisch | © M. Stock/LKN-SH

In den 1970er Jahren setzte sich die Einsicht durch, dass man der Bedeutung und der Schutzwürdigkeit des Wattenmeeres nicht auf der Basis nationaler Grenzen gerecht werden kann. 1978 trafen sich Politiker der drei Wattenmeer-Anrainerstaaten erstmals, um die Zusammenarbeit im Bereich des Schutzes und Erhalts des Wattenmeeres zu intensivieren. Seitdem finden Trilaterale Regierungskonferenzen turnusgemäß statt. Ihre Ergebnisse sind politische Willenserklärungen:

1980 (Bonn) verständigten sich die Minister u. a. darauf, wissenschaftliche Forschung im Wattenmeer künftig stärker zu koordinieren.

1982 (Kopenhagen) verfassten die Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung (engl.: Joint Declaration), in der die Länder u. a. ihren Willen bekunden, die Bemühungen zur Umsetzung internationaler Abkommen (z. B. Ramsar-Konvention, EG-Vogelschutzrichtlinie) zu koordinieren, um einen umfassenden Schutz des Wattenmeeres als ökologische Einheit zu erreichen.

1985 (Den Haag) wurde u. a. die Einrichtung eines Gemeinsamen Wattenmeersekretariates (Common Wadden Sea Secretariat, CWSS) beschlossen, das die trilaterale Zusammenarbeit unterstützt, initiiert und koordiniert. Dieses Sekretariat befindet sich seit 1987 in Wilhelmshaven.

1988 (Bonn) wurde ein trilaterales Abkommen zum Schutz der Seehunde im Wattenmeer getroffen.

1991 (Esbjerg) einigten sich die Minister in ihrer Erklärung auf leitende Grundsätze, allgemein den Schutz des Wattenmeeres betreffend sowie speziell auf Management-Grundsätze und Ziele bezüglich der menschlichen Nutzung im Wattenmeer. U. a. beschlossen sie, ein gemeinsames Wattenmeer-Monitoringprogramm auszuarbeiten und umzusetzen (Trilateral Monitoring and Assessment Program = TMAP).

1994 (Leeuwarden) einigten sich die Teilnehmer u. a. auf ökologische Entwicklungsziele, die im Gebiet der trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit Gültigkeit haben sollen. Das Kooperationsgebiet umfasst seewärts die 3-Seemeilenzone und binnendeichs die Gebiete, die unter das Ramsar-Übereinkommen und die EG-Vogelschutzrichtlinie fallen. Ausdrücklich einbezogen werden außerdem die Ästuare (einschließlich Dollart), die Inseln und landwirtschaftliche Flächen.

1997 (Stade) wurde auf der Grundlage der vorangegangenen Beschlüsse ein trilateraler Wattenmeerplan vereinbart, der den Rahmen für das Gesamtmanagement des Wattenmeeres liefert und in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben werden soll.

2001 (Esbjerg) wurde entschieden, ein trilaterales Wattenmeerforum zu installieren mit der Aufgabe, für die fünf Schwerpunktbereiche Politik und Management, Industrie und Häfen, Energie, Landwirtschaft und Fischerei Szenarien für eine nachhaltige Nutzung zu entwerfen und Strategien für die Umsetzung zu erarbeiten.

2005 (Schiermonnikoog) wurde beschlossen, mit der Anmeldung des deutsch-niederländischen Wattenmeeres als Weltnatuerbe zu beginnen und den Wattenmeerplan unter Berücksichtigung einer harmonisierten Umsetzung relevanter EU-Richtlinien zu aktualisieren. Die UNESCO hat im Juni 2009 das deutsch-niederländische Wattenmeer in die Liste „Welterbe der Menschheit“ aufgenommen und bei ihrer Entscheidung auch die grenzüberschreitende Kooperation als vorbildlich gelobt. Außerdem wurde eine Evaluierung der Grundlagen der Trilateralen Kooperation beschlossen und nachfolgend unter deutscher Präsidentschaft umgesetzt.

2010 (Westerland) wurde ein deutliches Signal gegeben, dass auch in Dänemark der Diskussionsprozess hin zu einer Nominierung des dänischen Wattenmeers als Weltnaturerbe beginnen wird. Außerdem wurden der Wattenmeerplan, die gemeinsame Erklärung und das Verwaltungsabkommen novelliert und damit die Wattenmeerkooperation fit für die Zukunft gemacht. Zusätzlich wurden weitere Schritte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, zur Entwicklung der Wattenmeerregion bis 2030 zu einer CO2-neutralen Region und zum Umgang mit gebietsfremden Arten vereinbart.

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