Schleswig-Holstein

Presse-Material: Wimmelwelt Wattenmeer – Insekten zwischen Ebbe und Flut

Das Nationalpark-Themenjahr 2026: Insekten im Wattenmeer

Hier finden Medienvertreter*innen Texte und Bilder für ihre Berichterstattung zum aktuellen Themenjahr des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Liebe Medienvertretende,

wir freuen uns über Ihr Interesse am Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Für Ihre Berichterstattung zum Themenjahr des Nationalparks stellt die Nationalparkverwaltung Ihnen an dieser Stelle Text- und Bildmaterial zur Verfügung.

Bei Veröffentlichung senden Sie uns bitte einen digitalen Hinweis mit Link auf die Publikation an . Bei Veröffentlichungen auf Instagram und Facebook würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Seiten @nationalpark_wattenmeer taggen – vielen Dank!

Bei Rückfragen oder weiteren Wünschen können Sie uns ebenfalls per E-Mail erreichen.

Insekten in der Welt und vor unserer Tür

Sie sind klein, sie krabbeln, fliegen, summen und brummen. Und das auf allen Kontinenten der Erde: Insekten. Nicht alle erzeugen bei uns Menschen gleichermaßen ein Wohlgefühl, dabei sind sie absolut unverzichtbar für das Leben auf unserem Planeten. Die kleinen Sechsbeiner sichern unter anderem die Bestäubung vieler Pflanzen. Ohne sie würde ein beträchtlicher Teil der weltweiten Ernährungssicherheit zusammenbrechen. In Nahrungsketten und zunehmend als Nahrungsmittel für uns Menschen sind Insekten unschätzbar wertvoll.

Sie machen den Großteil aller Tierarten aus und sind in fast allen Landlebensräumen zu finden. Nur auf offener, hoher See fehlt ihnen fester Untergrund als wortwörtliche Lebensgrundlage. Aber selbst hohe Gebirgslagen und polare Gebiete beheimaten Insekten. Dabei gilt: Je extremer der Lebensraum, desto spezialisierter die Insektenarten.

Und dort, wo sie vorkommen, sind Insekten von grundlegender Bedeutung für die Vitalität der Natur. Durch das Fressen von (abgestorbenen) Organismen halten sie Nährstoff- und Energieflüsse am Laufen. Insektenarten regulieren sich außerdem untereinander, so dass der Bestand an landwirtschaftlichen „Schädlingen“ verringert werden kann. Diese biologische Kontrolle stabilisiert Ökosysteme und macht sie widerstandsfähiger.

Kleine Wunder im Watt

Auch im Nationalpark und UNESCO-Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen gibt es zahlreiche Insekten. Sie stellen etwa 65 Prozent der hiesigen Tierarten. Das Besondere an der Wattenmeerküste: Hier kommen viele Arten vor, die hochspezialisiert sind und sich an das extreme Leben im Wechsel der Gezeiten, geprägt von Salzwasser und salzhaltiger Luft, angepasst haben.

Um zu überleben, nutzen die Insektenarten am Wattenmeer verschiedene Anpassungsstrategien. Einige leben im Inneren von Pflanzen oder im Boden und schützen sich so vor stark schwankenden Salzgehalten und Hochwasser. Andere bauen aus gleichem Grund Wohnhöhlen oder -röhren. Wieder andere verfügen über wasserabweisende Körperhaare, die helfen, kurzzeitige Überflutungen zu überstehen. Vollständig im salzigen Wattwasser lebt keine bekannte Insektenart, auch wenn viele zumindest salztolerant sind.

Wuselnde Ingenieure am Werk

Die krabbelnden, fliegenden und buddelnden Kleinlebewesen erfüllen zahlreiche ökologische Aufgaben und sind daher absolut unverzichtbar für das Funktionieren des gesamten Ökosystems Wattenmeer:

Viele Pflanzen an unserer Küste sind auf Insekten zur Bestäubung angewiesen. Ohne sie gäbe es kaum ein Fortbestehen von Wild- und Nutzpflanzen.

Als Zersetzer unterstützen Fliegen, Dung- und Aaskäfer die Stoffkreisläufe. Sie fressen abgestorbenes, organisches Material wie Tang, Aas oder Dung. Zerkleinert und wieder ausgeschieden, wird es weiter zersetzt und wertvolle Nährstoffe gehen in den Boden ein. Neue Pflanzen, zum Beispiel auf Salzwiesen, können gut wachsen.

Vor allem grabende Insekten verändern die Bodenstruktur. Sie sind die Tiefbauingenieure der nachhaltigen Entwicklung. Durch die Gänge wird der Boden lockerer, luftdurchlässiger und kann Wasser besser speichern.

Nicht zuletzt sind Insekten für viele Brutvogelarten eine wichtige Nahrungsquelle, da sie bei der Aufzucht der hungrigen Küken ganz oben auf dem Speiseplan stehen.

Verantwortung und Schutz

Der sechsbeinigen, hochspezialisierten Vielfalt und ihren Lebensräumen gebührt besondere Aufmerksamkeit und passgenauer Schutz. Der Nationalpark Wattenmeer trägt besondere Verantwortung für bestimmte Insektenarten. Es gilt, sie zu beobachten und zu schützen. Denn oft ist noch zu wenig über die sechsbeinigen Lebewesen bekannt.

Die Nationalparkverwaltung koordiniert die Untersuchung von Insekten, um das Verständnis über vorkommende Insektenarten, deren Lebensräume und Populationsgrößen im Nationalpark zu verbessern. Auf dieser Grundlage können zukünftig Entscheidungen getroffen werden, wie Insekten auf verschiedenen Flächen bestmöglich geschützt werden können.

Nationalpark-Themenjahr in der Biosphäre

Im Wattenmeer-Biosphärenreservat leben Insekten überwiegend auf Salzwiesen, in Dünen oder am Strand. Diese Bereiche werden gelegentlich überflutet, was für die angepassten Insektenarten kein Problem darstellt. Die Halligen mit ihren Prielen, Gräben und unterschiedlich stark beweideten Flächen sind besonders strukturreich. Diese durch Salzwasser und Überflutungen geprägten Lebensräume sind überlebenswichtig für einige Insektenarten, die zum Teil ausschließlich hier vorkommen. Nicht nur deshalb gebührt diesen Insekten und ihrem Lebensraum besondere Aufmerksamkeit und passgenauer Schutz. Es gilt, sie zu beobachten und zu schützen. Denn oft ist noch zu wenig über die sechsbeinigen Lebewesen bekannt.

Die Bewohner*innen von Gröde, Hooge, Langeneß, Oland und Nordstrandischmoor haben sich schon vor über 20 Jahren als Biosphäre Halligen vorgenommen, ihren einzigartigen Lebensraum so nachhaltig zu gestalten, dass er jetzt und auch für die kommende Generationen sicher und lebenswert ist. Der Schutz von Insekten wird dabei mitgedacht: Für das Zusammenwirken von Naturschutz und traditioneller Landwirtschaft wurde das langjährige Halligprogramm weiterentwickelt und gesichert. Die halligtypischen Landunter und eine extensive Beweidung haben auf den Halligen vielerorts sehr artenreiches Salzgrünland entstehen lassen. Ein Paradies für viele spezialisierte Insektenarten. Die Insel Pellworm ist ebenfalls Teil des Biosphärenreservates. Sie setzt als “Insektenfreundliche Insel” viele Maßnahmen um, zum Beispiel die Förderung von üppig blühenden Straßenrändern und heimische Staudenpflanzungen.

Wichtig für Ihren Besuch in der Biosphäre: Achten Sie auf die kleinsten Hallig- und Inselbewohner! Wer sich die Zeit nimmt, den Blick schärft und etwas geduldig ist, dem ist eine Begegnung der sechsbeinigen Art garantiert. Aber Achtung: Bleiben Sie auch bei Ihrer Suche nach den kleinen Salzwiesen-Krabblern auf den öffentlichen Wegen und stören Sie auf keinen Fall brütende oder rastende Vögel.

Zwei Menschen schauen an einer kleinen Abbruchkante in die Grasnarbe einer Salzwiese. Einer bedient einen Exhauster, um kleine Lebenwesen durch einen Schlauch in einen Behälter zu saugen.
Fachleute unterstützen die Nationalparkverwaltung bei der Erforschung der Insektenwelt des Wattenmeers.

© Alexandra Schnurr / LKN.SH

Themenjahre im Nationalpark

Seit 2017 stellt der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer jährlich ein Thema in den Mittelpunkt von Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Mit Veranstaltungen und Materialien werden Naturphänomene wie in diesem Jahr die Insekten anschaulich vermittelt und für alle erlebbar gemacht.

Ein Bündel braun-schwarz gestreifter Raupen, die einen Halm hochkrabbeln und unten einen Pilk bilden - in einer Wiese.
Die Raupen des Nachtfalters „Wolfsmilch-Ringelspinner“ beeindrucken als bunter Pulk.

© Moritz Padlat / LKN.SH

Steckbriefe: Sechsbeinige Superhelden

Braun-schwarzer Käfer mit sehr kurzen Flügelklappen und sehr langem Hinterteil auf Sand.
Friesische Salzkäfer überstehen die Flut in Wohnröhren.

© Rainer Borcherding / LKN.SH

Friesischer Salzkäfer

Sie leben in der Quellerzone, graben senkrechte Wohnröhren knapp unter der Flutlinie und ernähren sich von Mikroalgen. Durch verschlossene Eingänge bleiben seine Röhren auch bei Flut trocken; die Larven wachsen in den Tunneln auf.

Kleiner Käfer mit langem Rüssel auf einem Blatt - im Hintergrund lilafarbene Blüten.
Halligfliederspitzmausrüsselkäfer sind nach der Pflanze benannt, die sie brauchen.

© Rainer Borcherding / LKN.SH

Halligflieder­spitzmausrüsselkäfer

Hochspezialisierte Käfer, die ausschließlich am Halligflieder leben. In Deutschland kommen sie nur auf wenigen Halligen und Inseln vor. Für ihre Brut brauchen sie offene Bodenstellen und freigespülte Wurzelstöcke – ein Hinweis auf ihre Abhängigkeit von natürlichen, dynamischen Küstenprozessen.

Schmetterling mit großen augenartigen Kreisen auf den braun-roten Flügeln auf lilafarbenen Blüten.
Tagpfauenaugen sind überall bekannt - nicht nur in Salzwiesen.

© Martin Stock / LKN.SH

Tagpfauenauge

Die farbenprächtigen Schmetterlinge nutzen blütenreiche Bereiche der Küste, Gärten und Dünen zur Nektarsuche. Ihre Raupen fressen Brennnesseln. Die Art überwintert als Falter in geschützten Verstecken wie Kellern oder Dachböden.

Biene auf einer hell-lila-farbenen Blume in iner Wiese.
Die Küstenseidenbiene liebt die Strandaster.

© Rainer Borcherding / LKN.SH

Küstenseidenbiene

Diese Bienen bilden keine Staaten, sondern sind Einzelgängerinnen, sogenannte Solitärbienen. Sie nisten in sonnigen, sandigen Böden von Salzwiesen und Dünen und sammelen Pollen fast ausschließlich von Strandastern – eine enge Bindung, die sie empfindlich gegenüber Lebensraumveränderungen macht.

Wimmelwelt Wattenmeer – Insekten zwischen Ebbe und Flut