02.04.2020

Die Sache mit dem eierlegenden Hasen

Ein junger Seehase im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum  |  © Schröder/LKN.SH

Ein junger Seehase im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum | © Schröder/LKN.SH

Ostern steht vor der Tür, und die Sache mit dem Hasen, der die Eier bringt, gehört traditionell zu den Ritualen, in denen sich in dieser Zeit christliche und vorchristliche Symbolik verbinden. Aber jeder weiß: Es ist nur Symbolik, denn Hasen legen keine Eier – oder? In der Tat gibt es Hasen, die eben das doch tun: Seehasen, in der Nordsee und der Unterwasserwelt des Wattenmeeres heimische Fische.

Der Seehase lebt in Tiefen von 50 bis 150 Metern. Cyclopterus lumpus lautet der biologische Name des Meerestieres, das auch Lump oder Lumpfisch genannt wird. Im Frühjahr wandern die vergleichsweise plump aussehenden Tiere in flache Küstengewässer, um hier für Nachwuchs zu sorgen. Bis zu 100.000 gelb-rot gefärbte Eier kann ein Seehasenweibchen in dieser Zeit produzieren, die sie in Laichballen auf steinigem Grund ablegt. Eine Besonderheit der Art ist, dass das Männchen die Brutpflege übernimmt; das Weibchen zieht nach der Eiablage in tiefere Gewässer. Er dagegen bewacht die Eier, befächelt sie mit frischem Wasser und beschützt sie gegen Fressfeinde, bis die Larven nach sechs bis sieben Wochen schlüpfen.

Besonderheit Nummer zwei: Anders als die Mehrzahl der Fische verfügt der Seehase nicht über eine Schwimmblase. Ohne diesen zusätzlichen Auftrieb kostet es Kraft, den ausgewachsenen, bis zu 50 Zentimeter langen und fünf Kilo schweren Körper zu bewegen – ein Grund dafür, dass der Seehase als bodenständige Art gilt, und das im ganz wörtlichen Sinn. Denn er bleibt nicht nur seinem Standort treu, sondern hat sich auch dem Bodenleben gut angepasst, indem seine Bauchflossen zu einer Saugscheibe umgeformt sind. Damit kann er sich am Untergrund festheften.

Neben Cyclopterus lumpus gibt es übrigens noch einen zweiten Seehasen in der Unterwasserwelt: Aplysia punctata, der Gemeine Seehase, ist eine Meeresschnecke. Der Name leitet sich hier vom Kopf und den Fühlern ab, die an Hasenohren erinnern.

Aber zurück zum Fisch: Der lebt auch den Aquarien des (derzeit geschlossenen) Nationalpark-Zentrums Multimar Wattforum. Und hier freut sich das Aquaristik-Team in diesem Jahr sogar über (in Aquarien eher seltenen) Seehasennachwuchs. Auch der Nachwuchs anderer Arten  wie Seestichling, Nagelrochen, Katzenhai und Seestern wird derzeit in der Einrichtung aufgezogen – ohnehin hinter den Kulissen in speziellen Aufzuchtbecken, bis die Kleinen kräftig genug sind, um in die Schauaquarien umgesetzt zu werden. Und dort werden dann, sobald das wieder möglich ist, auch Besucher die kleinen Seehasen und Kollegen beobachten können…

Zum Schluss noch der Hinweis auf eine Oster-Onlineaktion des Multimar Wattforum: Als Countdown bis zum Osterfest wird seit dem 1.4. täglich ein neues Puzzlestück zum Herunterladen unter www.multimar-wattforum.de/osterpuzzle angeboten. Große und kleine Bastelfans können daraus zu Hause ein schönes Gesamtbild kreieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Junger Seehund im Sand | Casper Tybjerg, TTF, Fisheries and Maritime Museum Esbjerg

09.11.2020 Trilaterale Zählungen von Seehunden im Wattenmeer und auf Helgoland im Jahr 2020 mehr »

Der Leiter der Nationalparkverwaltung Michael Kruse (links) und Bürgermeister Rainer Balsmeier | Jeß / LKN.SH

29.10.2020 Gemeinsame Medieninformation der Nationalparkverwaltung und der Gemeinde St. Peter-Ording mehr »
Die Otter kommen! Ministerpräsident Daniel Günther gemeinsam mit Projektleiterin Marén Bökamp-Hamkens (links), Multimar-Chef Gerd Meurs-Scher (rechts) und Michael Kruse, Leiter der Nationalparkverwaltung (2.v.l.) auf der Baustelle am Multimar Wattforum.  |  © Claußen/LKN.SH

Die Otter kommen! Ministerpräsident Daniel Günther gemeinsam mit Projektleiterin Marén Bökamp-Hamkens (links), Multimar-Chef Gerd Meurs-Scher (rechts) und Michael Kruse, Leiter der Nationalparkverwaltung (2.v.l.) auf der Baustelle am Multimar Wattforum. | © Claußen/LKN.SH

21.10.2020 Fischotter, Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum Die Bauarbeiten für die Erweiterung des Nationalpark-Zentrums Multimar Wattforum um eine Fischotter-Anlage sind gestartet. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther überreichte für das Vorhaben einen Förderbescheid über 5 Millionen Euro. mehr »
Peter Südbeck und Nadine Knipping präsentierten die Sieger des Aviathlons. Foto: Nationalparkverwaltung

Peter Südbeck und Nadine Knipping präsentierten die Sieger des Aviathlons. Foto: Nationalparkverwaltung

18.10.2020 Zugvogeltage Zum Abschluss der 12. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zog die Nationalparkverwaltung ein positives Fazit. Mehr als 8500 Einheimische und Gäste besuchten die gut 230 einzelnen Veranstaltungen. Wangerooge und das Wangerland sind Sieger beim diesjährigen Aviathlon. Corona-bedingt wurden Veranstalter*innen wie Besucher*innen diesmal vor besondere Herausforderungen gestellt. mehr »
Peter Südbeck (links) nimmt den Spendenscheck über 3500 Euro von Kai Rückstein entgegen. Foto: Zwoch

Nationalpark-Leiter Peter Südbeck (links) und Kai Rückstein (Vertriebsleiter GEW) bei der Spendenübergabe. Foto: Zwoch

08.10.2020 Sponsoren, Biosphärenschule Eine Spende des Wilhelmshavener Stromversorgers GEW an die Nationalparkverwaltung soll den Biosphärenschulen zugutekommen. mehr »