16.11.2018

Fachtagung: Naturschutz und Tourismus im Austausch

Fachtagung: Naturschutz und Tourismus im Austausch

Die Veranstalter und Gastgeber der Fachtagung Natur und Tourismus (v.l.n.r.): Helge Haalck (Dithmarschen Tourismus), Anja Szczesinski (WWF), Christiane Gätje (Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer), Olaf Raffel (Tourismus Marketing Service Büsum), Frank Ketter (Nordsee-Tourismus-Service). Es fehlt: Anja Wollesen (Fachhochschule Westküste) | © Claußen/LKN.SH

Dass Touristiker und Naturschützer in der Nationalpark-Region erfolgreich und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, zeigte einmal mehr die Fachtagung „Natur und Tourismus“. Zum 16. Mal kamen gestern (15.11.) in Büsum rund 120 Vertreter beider Sektoren zusammen und tauschten sich in Vorträgen und persönlichen Gesprächen über aktuelle Themen aus.

Veranstalter des jährlichen Treffens ist die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit der Nordsee-Tourismus-Service GmbH, Dithmarschen Tourismus, dem WWF und der Fachhochschule Westküste. Regionaler Kooperationspartner war in diesem Jahr die Gemeinde Büsum, die seit 15 Jahren zum Kreis der Nationalpark-Partner zählt.

„Unsere Fachtagung hat sich als gelungenes Austauschforum für Touristiker und Naturschützer an der Westküste fest etabliert“, freuen sich Christiane Gätje (Nationalparkverwaltung) und Frank Ketter (Nordsee-Tourismus-Service) mit Blick auf die hohe Teilnehmerzahl. „Das Vortragsprogramm hält inspirierende Blicke über den Tellerrand bereit, zeigt aber auch, was in der Region in Sachen nachhaltiger Tourismus schon konkret passiert“, so Moderatorin Anja Szczesinski (WWF) zum Auftakt der Tagung.

Gastgeber Olaf Raffel begrüßte die Gäste im kürzlich neu eröffneten Freizeit- und  Informationszentrum „Watt´n Hus“, dessen Lage mit einem Panoramablick ins Weltnaturerbe Wattenmeer besticht und kaum besser zur Veranstaltung passen könnte. Im Eröffnungsvortrag beschrieb der Büsumer Chef-Touristiker den Wandel des Küsten-Kurortes hin zu einer nachhaltigen Urlaubsdestination. Seit diesem Jahr garantiert Büsum seinen Gästen eine klimaneutrale An- und Abreise, indem der CO2-Ausstoß berechnet und kompensiert wird. Dass der Ort außerdem die Arbeit der in Büsum mit vielen jungen Freiwilligen präsenten Schutzstation Wattenmeer unterstützt, bewies Olaf Raffel auf offener Bühne mit der Überreichung eines neuen Lastenfahrrads an den Naturschutzverein.

In zweiten Vortrag berichtete Helge Haalck, Geschäftsführer von Dithmarschen Tourismus, von einer geplanten Qualitäts- und Qualifizierungsoffensive, mit der die LTO Dithmarschen touristische Leistungsträger in den kommenden Jahren stärken will. Als Praktiker kam dann Andreas Tedsen auf die Bühne und erläuterte überzeugend und leidenschaftlich, was ihn dazu bewegte – und wie sehr es sich auszahlte -, sein Hotel und Restaurant „Lüttje Burg“ in Lütjenburg nachhaltig auszurichten.

Nach einer ausgiebigen Netzwerk-Mittagspause ging es am Nachmittag mit dem Thema Plastikmüll weiter. Kim Detloff vom NABU-Bundesverband erläuterte das gravierende Meeresmüllproblem aus globaler Sicht, während Angela Ottmann vom BUND Föhr das regionale Modellprojekt „Plastikfrei wird Trend“ vorstellte. Auf der Insel Föhr gibt es bereits über 200 geprüfte, plastikbewusste Ferienunterkünfte, die weitestgehend auf Plastik verzichten. Jennifer Timrott vom Verein „Küste gegen Plastik“ präsentierte zudem die App „Replace Plastic“, mit der Verbraucher Herstellern mitteilen können, für welche konkreten Produkte sie keine Plastikverpackungen mehr wünschen.

Was in Sachen nachhaltige Mobilität in der Nationalpark-Region passiert, davon berichtete Frank Ketter in seinem Vortrag. Als attraktives Angebot für Urlauber, die sich vor Ort umweltfreundlich fortbewegen wollen, stellte er das „Nordsee-Mobil“ vor. Die Elektroautos können jetzt schon in St. Peter-Ording und Büsum günstig gemietet werden. Weitere Fahrzeuge folgen in den nächsten Wochen. In den Startlöchern für die kommende Saison steht die „Nordsee-Card“, eine Mehrwertkarte, mit der Gäste kostenlos den ÖPVN an der gesamten Westküste nutzen können und freien Eintritt zu verschiedenen touristischen Attraktionen erhalten sollen.

Abgerundet wurde die Fachtagung mit Kurzvorträgen über Neuigkeiten aus der Nationalpark-Region. Zum Planungsstand der Fischotteranlage im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum berichtete Marén Bökamp, während Tanja Rosenberger die geplante Erweiterung der Seehundstation in Friedrichskoog vorstellte. Ein Team des dänisch-deutschen Interreg5A-Projekts NAKUWA (Nachhaltiger Natur-und Kulturtourismus im Weltnaturerbe Wattenmeer) präsentierte den Stand aus den Arbeitspaketen Wander-, Fahrrad-, Kultur- und Vogeltourismus sowie Onlineschulungen. Abschließend berichtete Silke Ahlborn von der Nationalparkverwaltung, welche Aktionen und Feierlichkeiten anlässlich des 10. Geburtstags des Weltnaturerbes Wattenmeer in 2019 geplant sind.

Zum Nachlesen: Die Präsentationen der Fachtagung können ab der kommenden Woche im Internet heruntergeladen werden, und zwar unter www.nationalpark-wattenmeer.de/sh/service/publikationen/diverses.

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