16.12.2020

Geburtstag im Biosphärengebiet

Langeneß und andere bewohnte Halligen gehören seit 2004 ebenfalls zum Biosphärengebiet.
Foto: Stock/LKN.SH

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer war gerade mal fünf Jahre alt, da erhielt er eine erste internationale Anerkennung: die als Biosphärenreservat im Rahmen des MAB-Programmes der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die entsprechende Urkunde datiert auf den 17. Dezember 1990, das heißt: Das „Biosphärenreservat Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ feiert morgen, am 17. Dezember, seinen 30. Geburtstag.

MAB, das steht für „Man and Biosphere“ (Der Mensch und die Biosphäre), und genau das ist die Philosophie des UNESCO-Programmes: Anders als in Nationalparken, wo es primär um den Schutz natürlicher Prozesse auf großer Fläche geht, steht in Biosphärenreservaten der nachhaltig wirtschaftende Mensch im Vordergrund. Heute gibt es weltweit 714 Schutzgebiete dieser Art, von Ägypten bis zur Zentralafrikanischen Republik; in Deutschland sind es 16, darunter alle drei Wattenmeer-Nationalparke.

„Ein Biosphärenreservat ist eine Modellregion für eine ökologisch, ökonomisch und sozio-kulturell nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise“, erläutert Kirsten Boley-Fleet aus der vor Ort für die Biosphäre zuständigen Nationalparkverwaltung im nordfriesischen Tönning. Eingerichtet wurde das MAB-Programm im Jahr 1970 mit dem Ziel, „auf natur- und gesellschaftswissenschaftlicher Grundlage die nachhaltige Nutzung und den Erhalt biologischer Vielfalt zu fördern“, heißt es dazu beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), in dem die Geschäftsstelle des MAB-Nationalkomitees angesiedelt ist.

Und diese Idee ist vor Ort angekommen. Das zeigt die Tatsache, dass die bewohnten nordfriesischen Halligen (die nicht Bestandteil des Nationalparks sind) auf eigenen Wunsch Teil dieses Biosphärengebietes – ein in der Region gegenüber der genauen Übersetzung des englischen „reserve“ = Reservat bevorzugter Begriff – geworden sind: Seit Dezember 2004 gehören Gröde, Hooge, Langeness, Nordstrandischmoor und Oland als Entwicklungszone dazu. Das gesamte „Biosphärenreservat Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“ umfasst seitdem 4.431 Quadratkilometer.

Auf den Halligen hat der Beitritt zum Biosphärengebiet einiges an Entwicklungen in Gang gesetzt. „Biosphäre, das spricht alle unsere Lebensbereiche an und hat uns als ‚Halliglüüd‘ enger zusammengebracht“, sagt Ruth Hartwig-Kruse, Bürgermeisterin der zur Gemeinde Nordstrand gehörenden Hallig Nordstrandischmoor und gemeinsam mit der Langenesser Bürgermeisterin Heike Hinrichsen Vorsitzende der Halliggemeinschaft Biosphäre. Gemeinsame Vorhaben in den Bereichen Bildung, Telemedizin, Tourismus und Anpassung des landwirtschaftlichen Halligprogramms nennt Hinrichsen als nur einige Beispiele.

Und bald könnte im Biosphärengebiet vor der Westküste Schleswig-Holsteins eine erneute Erweiterung anstehen, denn auch die Insel Pellworm hat sich auf den Weg Richtung Biosphäre gemacht: Nach umfangreichen Vorbereitungen steht, sobald coronabedingt möglich, Anfang 2021 eine Bürgerversammlung an, anschließend die Entscheidung der Gemeindevertretung, ob die offizielle Antragstellung bei der UNESCO über das Land Schleswig-Holstein erfolgen soll.

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