16.07.2018

Kegelrobbenbestände im Wattenmeer in den letzten 10 Jahren stetig gewachsen

Die Richel in den Niederlanden beherbergt die weitaus größte Kinderstube der Kegelrobben in der Wattenmeerregion. Jungtiere sind als weiße Punkte zu erkennen. Ausgewachsene Kegelrobben und ältere Jungtiere sind dunkler. Das Foto steht zur kostenlosen Nutzung im Rahmen der Berichterstattung zu der Kegelrobbenzählung 2018 bereit. | Foto: © S. Brasseur

Die Zahl der Kegelrobben in der Wattenmeerregion wächst seit über einem Jahrzehnt stetig an – allein im letzten Jahr um 13%. Demnach haben sich die Bestände seit der Rückkehr der Kegelrobben ins Wattenmeer erfolgreich stabilisiert. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 6.144 Kegelrobben in dänischen, deutschen und niederländischen Gewässern des Welterbes erfasst. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Kegelrobbenzählung im Wattenmeer und Helgoland für die Zählperiode 2017-2018, veröffentlich von der Trilateralen Seehundexpertengruppe (Trilateral Seal Expert Group - TSEG) im Rahmen der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit.

„Die Rückkehr der Kegelrobbe seit Mitte des 20. Jahrhundert ist eine Erfolgsgeschichte des trilateralen Umweltschutzes“, sagt Sascha Klöpper, stellvertretender Exekutivsekretär des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (Common Wadden Sea Secretariat; CWSS): “In diesem Jahr feiern Dänemark, Deutschland und die Niederlande 40 Jahre Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeers und seiner Bewohner, darunter eben auch die Kegelrobbe und der Seehund. Auch dank dieser gemeinsamen Anstrengungen finden die Kegelrobben der Nordsee im Wattenmeer einen annähernd idealen Lebensraum vor. Die hier ansässigen Tiere bilden, zusammen mit regelmäßigen Gästen aus den britischen Gewässern, inzwischen einen stabilen regionalen Bestand.” 

Die TSEG führt zweimal im Jahr trilaterale Zählungen durch, um sowohl ausgewachsene Robben als auch deren Jungtiere zu erfassen. Ausgewachsene Kegelrobben werden während der Fellwechselperiode gezählt, wenn sie im Schnitt wesentlich mehr Zeit sichtbar an Land verbringen. 2018 wurden in Dänemark 228 Kegelrobben (+3% im Vergleich zu 2017) beobachtet, 188 (+33%) in Schleswig-Holstein und 4.565 (+13%) im niederländischen Wattenmeer. Auf Helgoland scheint sich der Bestand mit einem Anstieg auf 780 Tiere (+27%) zu 2017, nach dem Rückgang im Vorjahr (-17%) stabilisiert zu haben. Auch der Rückgang auf 383 Tiere (-9%) in Niedersachsen/ Hamburg könnte als Folge des großen Zuwachses in 2017 (+40%) gewertet werden. Insgesamt ist der Bestand um fast 13% auf 6.144 gezählte erwachsene Tiere gestiegen. 
Neugeborene Kegelrobben werden während der Wurfzeit in den Wintermonaten beobachtet. Im Winter 2017-2018 wurde mit 1.377 Jungtieren ein Anstieg von 8% im Wattenmeer und auf Helgoland erfasst. Im niederländischen Wattenmeer, dem zentralen Gebiet des Kegelrobbenvorkommens im Wattenmeer wurden mit 821 Jungtieren (+3%) die meisten Robben geboren. In Niedersachsen/ Hamburg wurden 15% mehr Welpen (228) als in der Vorsaison erfasst. Helgoland zählte 322 Jungtiere (+12%); sechs wurden in Schleswig-Holstein beobachtet. In Dänemark wurden keine Welpen gesichtet, lediglich eine spätere Sichtung ließ auf eine Kegelrobbengeburt schließen. Laut TSEG ist die Zahl der Welpen ein Indikator für den wachsenden Ortsbestand der Kegelrobben im Wattenmeer, mit einer langsamen Ausbreitung der Bestände nach Nordosten. 

Kegelrobben sind die größten Raubtiere an der Wattenmeerküste und zählen wie Seehunde zu den bekanntesten Arten der Region. Zu früheren Zeiten wurden im Wattenmeer Kegelrobben durchaus häufig beobachtet, bis sie vermutlich aufgrund exzessiver Bejagung verschwanden. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wanderten erste Tiere aus britischen Gewässern wieder ins Wattenmeer ein. Als Teil der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit koordiniert die trilaterale Seehundexpertengruppe die Zählungen und harmonisiert die Ergebnisse, welche aus allen Teilen des Wattenmeers zusammengeführt wurden. Der im Wattenmeer häufig anzutreffende Seehund steht unter besonderem Schutz des Wattenmeer-Seehundabkommens (Agreement on the Conservation of Seals in the Wadden Sea; WSSA) unter der Schirmherrschaft des UN-Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden Tierarten (CMS). Die Kegelrobbe fällt zwar nicht unter dieses Abkommen, profitiert aber aus den daraus resultierenden Schutzmaßnahmen. Das CWSS fungiert als Sekretariat des Wattenmeer-Seehundabkommens.

Der vollständige Bericht ist als Download in englischer Sprache verfügbar unter www.waddensea-secretariat.org/marine-mammals 
 

Pressekontakt
Annika Bostelmann, Communication and Outreach Officer
Common Wadden Sea Secretariat
Tel.: +49 (0)4421 9108 19
bostelmann(@)waddensea-secretariat.org

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