03.06.2015

Seehunde im Stress: Die Wurfzeit beginnt

Ein junger Seehund auf einer Sandbank

Ein junger Seehund auf einer Sandbank | © Stock / LKN-SH

TÖNNING. Im Nationalpark Wattenmeer beginnt in diesen Tagen die Hauptgeburtszeit der Seehunde. Die Nationalparkverwaltung rechnet in den nächsten Wochen mit der Geburt von über 3000 Jungtieren auf den Sänden vor der schleswig-holsteinischen Westküste. Die Seehunde sind in dieser Zeit besonders störempfindlich. Um sie zu schützen, dürfen die Seehundbänke im Nationalpark nicht betreten werden. Ausflugsschiffe und Sportboote müssen genügend Abstand halten.

„Wer einen Heuler am Strand sieht, sollte unbedingt großen Abstand halten, die Tiere auf keinen Fall anfassen, Hunde unbedingt fernhalten und die Seehundstation in Friedrichskoog (Telefon 04854 1372), die Polizei oder einen der 40 zuständigen Seehundjäger benachrichtigen“, erklärt der Robbenexperte Armin Jeß aus der Nationalparkverwaltung, der ehrenamtlich selbst Seehundjäger ist. Nur die vom Land bestellten Seehundjäger seien berechtigt, Seehunde an sich nehmen.

Junge Seehunde werden vier Wochen gesäugt und nehmen in dieser Zeit von 10 auf 25 Kilogramm zu. Dann werden sie von der Mutter verlassen und sind auf sich selbst gestellt. Die Bindung zwischen Mutter und Jungtier ist zunächst sehr eng, die Mutter bleibt immer in der Nähe des Nachwuchses. Doch es kann passieren, dass ein Jungtier seine Mutter verliert und alleine am Strand liegt und versucht, seine Mutter mit klagenden Rufen auf sich aufmerksam zu machen.

Die gut ausgebildeten und erfahrenen Seehundjäger sorgen dafür, dass überlebensfähige Heuler wenn nötig in die Aufzuchtstation nach Friedrichskoog gebracht, dort tierärztlich untersucht und aufgezogen werden. Diese Seehundstation ist die einzige vom Land autorisierte Aufnahmestelle für verlassen oder erkrankt aufgefundene Robben in Schleswig-Holstein.

Seehundjäger jagen schon seit über 40 Jahren keine Seehunde mehr. Heutzutage kümmern sie sich um den Schutz der Meeressäuger. Sie beobachten sie, bergen verletzte und tote Meeressäuger, unterstützen Forschungsvorhaben und informieren die Öffentlichkeit. Seehundjäger entscheiden kompetent, was mit aufgefundenen Robben geschieht. Dabei handeln sie nach speziellen Richtlinien, die sich auch daran orientieren, dass Nationalparke keine Zoos sind, sondern Gebiete in denen eine natürliche Selektion erfolgt.

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Bestand der Seehunde an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gut entwickelt, trotz zweier Staupeepidemien in den Jahren 1988 und 2002. Anfang der siebziger Jahre wurden knapp 1.500 Seehunde in Schleswig-Holstein gezählt. Im letzten Jahr waren es etwa 13.500 Tiere, davon 3.850 Jungtiere. Im gesamten Wattenmeer vor der deutschen, dänischen und niederländischen Küste leben rund 40.000 Seehunde. Damit hat der Bestand vermutlich wieder die Größe erreicht, die er vor etwa 100 Jahren hatte, bevor die intensive Jagd auf die Tiere begann.

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