Muschelwirtschaft

Im Nationalpark werden zwei auf dem Meeresgrund lebende Muschelarten kultiviert und befischt: Miesmuscheln und Austern. Die Befischung anderer, im Wattboden lebender Arten ist aus aus Naturschutzgründen verboten.
Muschelwirtschaft

Miesmuscheln werden mit Dredgen vom Meeresboden abgeräumt. | © Rüdiger Kock

Miesmuscheln

Miesmuscheln sind, als einzige Muschelart im Wattenmeer,  in der Lage sich mit Hilfe von Eiweißfäden an andere Objekte anzuheften. So zusammengeheftet mit anderen Muscheln und Muschelschalen sind sie geschützt vor dem Verdriften durch die Strömung. Miesmuscheln können so unter Umständen sehr große Miesmuschelbänke bilden, die ihrerseits für viele Arten den Lebensraum bilden, weil sie strömungsgeschützte Bereiche und festen Untergrund bieten, beides sonst selten im Watt. Miesmuscheln sind sehr effektive Filtrierer, die große Wassermengen von Inhaltsstoffen reinigen und somit einen bedeutenden Einfluss auf die Stoffflüsse im Ökosystem Wattenmeer haben.

In Schleswig-Holstein wurden bereits vor Einrichtung des Nationalparks im Jahr 1985 Miesmuscheln befischt, danach wurden die Fischereiaktivitäten flächen- und mengenmäßig ausgedehnt Dabei gab es auch Besatzmuschelimporte aus anderen Nordseeregionen, die im Jahr 2011 gerichtlich gestoppt, da die Gefahr besteht, dass unbeabsichtigt gebietsfremde Arten eingeschleppt werden. Die Gewinnung von Saatmuscheln findet seit einigen Jahren vermehrt an künstlich ausgebrachten Substraten (Leinen und Netzen) (Saatmuschelgewinnungsanlagen) statt. In den vergangenen  10 Jahren bis 2017 wurden jährlich durchschnittlich etwa 7.000 Tonnen Miesmuscheln geerntet. Die ökologischen Auswirkungen der Miesmuschelwirtschaft bestehen unter anderem im Flächenverbrauch durch Muschelkulturen, durch deren intensive Stoffumsätze und durch das Einbringen künstlicher Strukturen, die Einfluss auf die Artzusammensetzung haben. Aber auch der eigentliche Fischereivorgang erzeugt nachhaltige Veränderungen, weil dabei Dredgen benutzt werden, die in das Sediment eindringen und die dortige Lebensgemeinschaft abräumen. Deswegen regelt ein Muschelfischereiprogramm (gültig seit April 2017) Folgendes:

  • Die Miesmuschelfischerei ist auf 8 Kutter begrenzt.
  • Das trockenfallende Watt und die Schutzzone 1 (inkl. Fahrwassern) sind komplett für die Miesmuschelwirtschaft gesperrt.
  • Die Miesmuschelfischerei beschränkt sich auf den inneren Bereichen der vier Wattstromeinzugsgebiete Hörnumtief, Norderaue, Eidermündung und Piep.
  • Zulässig ist nur die Fischerei auf Saatmuscheln, die zum Besatz von Kulturflächen dienen.
  • Speisereife Muscheln dürfen nur von den Kulturflächen geerntet werden.
  • Die Kulturflächen sind 1.700 Hektar groß. 
  • Von den 1.700 Hektar Kulturfläche dürfen bis zu 250 Hektar für Saatmuschelgewinnungsanlagen genutzt werden. Die Anlage von Saatmuschelgewinnungsanlagen ist auf zwei Wattstromeinzugsgebiete begrenzt (derzeit gibt es Anlagen im Hörnum Tief und vor Büsum/Piep).
  • Die Muschelfischer zahlen dem Land eine jährliche Abgabe von 280.000 €. Damit wird auch eine Bestandserfassung der Muschelbestände finanziert.
  • Die Fischerei wird durch ein satellitengestütztes Black-Box-System überwacht.
  • Die aktuellen Zulassungen wurden auf Basis einer FFH-Verträglichkeitsprüfung bis Ende 2031  erteilt.

Eine Übersicht über die aktuellen Regelungen zur Miesmuschelwirtschaft inkl. einer Karte finden Sie auch in unserem Faktenblatt.
 

Austern

Die Europäische Auster (Ostrea edulis) ist etwa um 1930 aufgrund der Überfischung im Wattenmeer ausgestorben. Vor List/Sylt wird jedoch seit Mitte der 1980er Jahre eine 30 Hektar große Kultur von Pazifischen Austern (Crassostrea gigas) betrieben. 1991 wurden erstmals wildlebende Pazifische Austern im Wattenmeer beobachtet. Sie haben sich seitdem stark ausgebreitet.

Die Gesamtbiomasse der Austern ist inzwischen um ein Vielfaches höher als die der Miesmuscheln. Austernsammeln ist seit 2005 beschränkt erlaubt. Auflagen stellen sicher, dass keine nachteiligen Effekte auftreten (Sammeln nur per Hand, nur auf 1% der Fläche und weitere).

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