Seehundmanagement

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Jedes Jahr werden an der deutschen Nordseeküste hunderte kranke, verletzte oder hilflose Seehunde gefunden, insbesondere auf Sylt. Die im Winter 2013/2014 dort gefundenen Tiere sind meist in einem erbärmlichen Zustand. Sie sind abgemagert, häufig sind die Lungen stark mit Lungenwürmern befallen und unumkehrbar geschädigt. Um diesen Seehunden unnötige Leiden zu ersparen, mussten seit Jahresbeginn auf Sylt 130 Jungtiere von Seehundjägern getötet werden.
Seehund

Seehund | © M. Stock / LKN-SH

Dazu erklärt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert  Habeck: „Ich verstehe, dass einige Presseberichte der vergangenen Tage eine lebhafte Reaktion in der Öffentlichkeit finden. Es zeigt, dass viele Menschen sich um die Seehunde Sorgen machen, weil sie unsere Natur und unsere heimische Tierwelt schätzen. Aber wir müssen uns bewusst machen: Seehunde sind wilde Tiere, und der Nationalpark ist ein Raum, wo Natur Natur sein soll. Wir haben die Pflicht, den Seehunden  gute Lebensbedingungen zu schaffen. Aber genauso haben wir die Pflicht, todkranken Tieren unnötige Leiden zu ersparen. Keinem Seehundjäger fällt es dabei leicht, Seehunde zu töten, denn sie lieben diese Tiere und engagieren sich ehrenamtlich und mit großem Einsatz für sie. Aber es gehört auch zu ihrer Verantwortung, die kränksten Seehunde von ihren Leiden zu erlösen“

Seehunde sind geschützt und dürfen seit 1974  nicht mehr  bejagt werden. Sie unterliegen jedoch dem Jagdrecht. Deshalb kümmern sich speziell geschulte Seehundjäger – die aus traditionellen Gründen diesen Namen beibehalten haben – um die gestrandeten, verletzten oder todkranken Tiere. Sie entscheiden, ob ein Seehund am Ort zu belassen ist, in einer Seehundstation behandelt oder getötet wird, weil er höchstwahrscheinlich bald sterben wird. In Schleswig-Holstein sind rund 40 Seehundjäger für diese Aufgabe qualifiziert.

Einheitliche Regelungen zum Umgang mit Seehunden haben die zuständigen Natur-, Jagd- und Tierschutzbehörden Schleswig-Holsteins, Hamburgs und Niedersachsens bereits 1997 vereinbart.

Die Seehundjäger werden von Tierärzten, Wissenschaftlern und anderen Fachleuten der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Seehundstation Friedrichskoog, der Nationalparkverwaltung und des Umweltministeriums regelmäßig geschult. Die Tierärzte bescheinigen ihnen eine hohe Kompetenz. Untersuchungen der von den Seehundjägern getöteten Tiere bestätigen immer  wieder, dass die Seehundjäger in der jeweiligen Situation richtig entschieden haben.

„Einzelne Tiere können mitunter gerettet werden, wie die 157 Seehund-Heuler im vergangenen Jahr. Aber das sind Ausnahmen“, sagte Habeck. Für den Erhalt des Seehundbestandes ist die Pflege von jungen Seehunden nicht erforderlich. Im Gegenteil: Damit sind auch Gefahren verbunden, weil auf diesem Weg Krankheitskeime in die Wildpopulation eingeschleppt werden können und weil in die natürliche Selektion eingegriffen wird.

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste leben derzeit 12.000 Seehunde, rund 3.600 Jungtiere wurden im vergangenen Jahr gezählt. Wie bei anderen Tieren stirbt etwa ein Drittel der Jungtiere im ersten Lebensjahr. In den vergangenen Jahren mussten die Seehundjäger jährlich etwa 250 bis 300 Seehunde töten, die meisten auf Sylt. Dort wurden in den vergangenen Wochen zwar mehr todkranke Tiere beobachtet als in den vorausgegangenen Jahren, Experten sehen darin aber kein außergewöhnliches Ereignis. Ihre Einschätzung wird dadurch gestützt, dass aus anderen Gebieten keine vermehrten Beobachtungen geschwächter oder toter Seehunde bekannt sind.

Der Gesamtbestand der Seehunde ist gesund und stark und wächst weiter. Die Wasserqualität hat sich gegenüber früheren Zeiten verbessert. Das Land setzt sich durch verschiedene Maßnahmen für weitere Verbesserungen im Meeresschutz ein. Dies kommt auch den Seehunden zu Gute.

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