14.02.2013

„Mister Seehund“ geht in den Ruhestand

Seehunde waren eines seiner Hauptthemen seit 1988.

Fast 25 Jahre hat Dr. Thomas Borchardt in der Nationalparkverwaltung gearbeitet. Jetzt wurde „Mister Seehund“ in den Vorruhestand verabschiedet. „Du warst immer ein fachlich versierter Mitarbeiter mit großem persönlichem Engagement, hilfsbereit und mit deiner Gelassenheit der ruhende Pol in manch hektischen Zeiten“, bedankte sich Dr. Detlef Hansen, der Leiter der Nationalparkverwaltung. „So haben wir viele Erfolge gemeinsam für den Nationalpark Wattenmeer erreicht und viel gestaltet.“

Seehunde haben Thomas Borchardt von Anfang an begleitet. 1988 kam er in die Nationalparkverwaltung, um die Ursachen für das erste verheerende Seehundsterben aufzuhellen. Seit 1993 war er zuständig für Meeressäuger, Fischerei und Schifffahrtsregelungen. Jedes Thema ist für sich eines der großen Themen im Nationalpark Wattenmeer, sei es aus ökologischer, ökonomischer oder rechtlicher Sicht.

Trotz zweier großer Epidemien haben sich die Bestände von Seehunden und Kegelrobben gut entwickelt. Bei der Seehundzählung im letzten Jahr wurden mit 9268 Seehunden im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer so viele Tiere gezählt wie nie zuvor. Das Verbot der Seehundjagd und die Einrichtung von Robbenschutzgebieten haben daran wesentlichen Anteil. „Jetzt ist vermutlich der Bestand erreicht, der um 1900 existierte und damals wie jetzt etwa 38.000 Tiere im gesamten Wattenmeer betrug“, erklärte Dr. Borchardt. Mit seinen Kollegen aus Dänemark, Niedersachsen und den Niederlanden entwickelte er gemeinsame Monitoringprogramme. Zählflüge, Fangaktionen oder die Untersuchung toter Meeressäuger erfolgen nun mit vergleichbarer Methodik.

Skeptisch sieht Borchardt die Regelungen zur Miesmuschelfischerei. Die Zahl der Miesmuschelbänke sei trotz guter Schutzmaßnahmen so stark zurückgegangen, dass die Vereinbarungen heute nachgebessert werden müssten. Langwierig seien die Bemühungen um verständlichere Befahrensregelungen im Wattenmeer: Bereits 2005 hatten sich Wassersport- und Naturschutzverbände verständigt, die Umsetzung blieb bisher jedoch aus, auch weil die zuständige Wasser- und Schifffahrtsbehörde bei einigen Punkten noch Klärungsbedarf sah. Nachdem die Fäden kürzlich wieder aufgenommen wurden, sieht er allerdings einen deutlichen Hoffnungsschimmer am Horizont.

Highlights für Thomas Borchardt waren Seehundfangaktionen, Zählflüge und die Zusammenarbeit mit Seehundjägern und Forschern, wenn es um die Lösung praktischer Probleme oder um wissenschaftliche Ursachenforschung ging. Allerdings wurde aus dem Meeresbiologen im Laufe der Jahre ein Verwaltungsbiologe. Weil viele seiner Themen wirtschaftlich bedeutsam und dadurch oftmals umstritten sind, nahmen rechtliche Fragen und gerichtliche Auseinandersetzungen zu. Jetzt will er selbst wieder die Natur erkunden und längere Reisen an europäische Küsten machen, die auch schön, aber wärmer sind als unsere.

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