Bei perfektem Insektenwetter (sehr warm und nahezu windstill) erkundeten Insektenfans, die mit Trinkflaschen ausgestattet der Hitzewelle trotzten, gemeinsam mit dem Experten Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer verschiedene Lebensräume in St. Peter-Ording.
Was für tolle Einblicke in eine andere Welt waren das! Ist der Blick erstmal geschärft, summt, krabbelt und fliegt es überall! Rainer Borcherding ist seit Jahrzehnten Insekten in den unterschiedlichsten Lebensräumen auf der Spur und beförderte mit großem Kescher und Klopfschirm so mache Schönheit ans Licht. Auch wir anwesenden Mitarbeitenden der Nationalparkverwaltung konnten hier viel Neues erfahren, haben wir es doch sonst eher mit Wattwurm, Austernfischer & Co. zu tun.
Fünf Insekten-Exkursionen in verschiedenen Küstenlebensräumen
Egal ob am Vormittag in der binnendeichs gelegenen Dünenlandschaft, am Strandsee oder nachmittags in den Sand-Salzwiesen und Wäldchen, es gab viele kleine Wunder zu entdecken. Ein besonderes Erlebnis war auch die Abendexkursion um 22.00 Uhr, bei der zwischen den immer drohenden Gewitterschauern zahlreiche Nachtfalter beobachtet werden konnten.
Auch ohne systematische Erkundung konnten wir an diesem Tag mehr als 120 verschiedene Insektenarten beobachten, darunter viele Käferarten, aber auch u.a. Wildbienen, Ameisen, Heuschrecken, Wanzen und Schmetterlinge. Besondere Höhepunkte der Exkursionen waren die Sichtungen seltener Tierarten:
Am Vormittag in den Dünen eine sehr seltene Wildbiene, genauer die “Kleine Harzbiene” (Anthidium strigatum), Rote Liste 1 in SH, also vom Aussterben bedroht. Klein heißt übrigens wirklich klein: Diese Harzbiene ist nur 7 Millimeter groß! Sie ist von Juni bis Ende August unterwegs.
Am Nachmittag begeisterte zudem ein wunderschöner kleiner Schmetterling in der Salzwiese, von Rainer als “Sumpfhornklee-Widderchen” (Zygaena trifolii) bestimmt. Widderchen werden wegen ihrer roten Flecken auf blauschwarzen Untergrund auch “Blutströpfchen” genannt. Dieser zu den Nachtfaltern gehörende Schmetterling steht ebenfalls auf der Roten Liste 1 in Schleswig-Holstein, ist also wie die Harzbiene vom Aussterben bedroht: Solche Funde machen Mut und zeigen, wie wichtig und sinnvoll der Schutz der Lebensräume an einem Ort wie St. Peter-Ording ist.
Eingerahmt wurden die fünf Exkursionen von Informationen, Literatur und Spielen zum Thema Insekten, die am Nationalpark-Infomobil angeboten wurden.
Wir danken Rainer Borcherding für diese spannenden Einblicke in die Insektenwelt und freuen uns darauf, auch in Zukunft noch viel über die sechsbeinigen Bewohner im und am Nationalpark Wattenmeer zu erfahren und zu teilen!
Ein paar Tipps zum Weiterlesen:
Umfangreiche Informationen zum Insektenleben in Schleswig-Holstein gibt es hier: https://www.insektenreich-sh.de/
Mehr zum Schutz von Bienen ist hier zu finden: https://www.deutschland-summt.de
Alles über das Projekt „Biosphärenreservate als Modelllandschaften für den Insektenschutz“ gibt es hier: https://www.brommi.org/