Zum 40-jährigen Bestehen des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer feiern wir, was in vier Jahrzehnten mithilfe aller in der Nationalparkregion Aktiven erreicht wurde! Wir schauen aber auch auf die Themen und Arbeitsfelder, die uns gerade beschäftigen und in Zukunft beschäftigen werden.
Das haben wir erreicht seit 1985:
Bedeutung vor Ort und in der Welt- Natur Natur sein lassen
- Erbe der Menschheit
- Trilateraler Wattenmeerschutz
- Internationaler Schutz und Austausch
- Mensch im Mittelpunkt
- Wirtschaftsfaktor Nationalpark
- Sein – sonst nichts
- Wall of Fame
- Ranger*innen: Gesicht des Nationalparks
- Der Nationalpark-TÜV
- Monitoring: Basis für Vieles
- Natur-Daten für alle
- Biodiversität: Hotspot der Spezialisten
- Natürliche Salzwiesen
- Zuwachs bei Robbe, Hummer, Löffler und Co.
- Auf zu neuen Ufern, Riffen und Seegraswiesen
- Weniger ist Meer
- Unser Nationalpark
- Verwalten und Gestalten
- Meisterwerk des Interessensausgleichs
- Ruhe in der Natur
- Gemeinsam Fischerei nachhaltig gestalten
- Wasserverkehr und Naturschutz – ein Interessenausgleich
- Miesmuscheleinigung
- Engagierte Naturschutzverbände
- Forschungsnetzwerk
- Drei Schwestern im Watt
- Starke Partner
- Naturschutzförderung
- Watt Gutes Tun
- Erlebnisreiche Führungen
- Große Events, große Wirkung
- Naturschauspiel Vogelzug
- Schaufenster des Nationalparks
- Multimedial vor Ort
- Lernerlebnis Watt
- Watt für Kinder
- Themenjahre setzen Schwerpunkte
- Wissen weitergeben
- Erzählen und Informieren
Diesen Herausforderungen stellen wir uns:
- Natur Natur sein lassen – gemeinsam Lösungen finden
- Klimakrise – Klimachance
- Den permanenten Wandel beobachten – auf Gefährdungen reagieren
- Im Fokus des Energiebedarfs
- Drehscheibe des afro-arktischen Vogelzuges erhalten
- Gefährdete Brutvogelarten schützen
- Tourismus: Klasse statt Masse
- Nationalpark-Erlebnis für alle
- Naturerleben digital
- Naturschutz in Krisenzeiten
Nie vollständig
Auch wenn viele Gedanken und Diskussionen in diese Zusammenstellung eingeflossen sind, konnten sicher nicht alle Themen und Aufgaben im Nationalpark berücksichtigt werden. Die Zusammenstellung erhebt daher keine Anspruch auf Vollständigkeit, bildet aber dennoch die zurückliegende Arbeit ab und zeichnet zukünftige Aufgaben vor.
40 Erfolge
Bedeutung vor Ort und in der Welt
01. Natur Natur sein lassen
Dank eines starken Nationalpark-Gesetzes ist das wertvolle und einzigartige Ökosystem Wattenmeer höchstmöglich geschützt. Hier kann Natur Natur sein.
Nationalparke sind großräumige, weitgehend unzerschnittene und unberührte Schutzgebiete von besonderer landschaftlicher Eigenart. Die Ausweisung als Nationalpark ist der rechtlich höchste Naturschutzstatus in Deutschland.
Das Ziel aller Nationalparke lautet: Natur Natur sein lassen. Die einzigartige Natur soll erhalten bleiben und sich möglichst ungestört entwickeln können – nicht nur die Tiere und Pflanzen, sondern das gesamte Mosaik des Ökosystems, also auch Meeres- und Wattflächen, Priele, Dünen und Salzwiesen – damit Menschen heute und in Zukunft darüber staunen, darin forschen und sich erholen können.
© Martin Stock / LKN.SH
01. Natur Natur sein lassen
Dank eines starken Nationalpark-Gesetzes ist das wertvolle und einzigartige Ökosystem Wattenmeer höchstmöglich geschützt. Hier kann Natur Natur sein.
Nationalparke sind großräumige, weitgehend unzerschnittene und unberührte Schutzgebiete von besonderer landschaftlicher Eigenart. Die Ausweisung als Nationalpark ist der rechtlich höchste Naturschutzstatus in Deutschland.
Das Ziel aller Nationalparke lautet: Natur Natur sein lassen. Die einzigartige Natur soll erhalten bleiben und sich möglichst ungestört entwickeln können – nicht nur die Tiere und Pflanzen, sondern das gesamte Mosaik des Ökosystems, also auch Meeres- und Wattflächen, Priele, Dünen und Salzwiesen – damit Menschen heute und in Zukunft darüber staunen, darin forschen und sich erholen können.
02. Erbe der Menschheit
Die Krönung der bisherigen Schutzanstrengungen ist die internationale Anerkennung des gesamten Wattenmeeres vor den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande als Weltnaturerbe durch die UNESCO.
Ein herausragender Erfolg ist die Auszeichnung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe der UNESCO. 2009 erhielten unter anderem der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und bis 2014 alle trilateralen Wattenmeerschutzgebiete gemeinsam diese Auszeichnung, die als „Nobelpreis für die Natur“ gilt.
Verbunden mit der Anerkennung als Weltnaturerbe ist das Bekenntnis, das Wattenmeer für die Menschheit und ihre kommenden Generationen zu bewahren und seinen Schutz aufrecht zu erhalten. Das Wattenmeer zählt damit zu den Kronjuwelen der Meere unter den Weltnaturerbestätten weltweit und steht beispielsweise mit dem australischen Great Barrier Reef auf einer Stufe.
Die Anerkennung führte in der gesamten Wattenmeerregion zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit Partnern aus anderen Sektoren, wie dem nachhaltigen Tourismus, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Naturschutzverbänden und nationalen Partnerinitiativen.
© Isabell Draxler
03. Trilateraler Wattenmeerschutz
Da die Natur keine Grenzen kennt, arbeiten die drei Nordseeanrainerstaaten Dänemark, Deutschland und die Niederlande seit 1978 intensiv für den Schutz des Wattenmeeres zusammen.
Nicht nur auf nationaler, auch auf europäischer Ebene arbeiten die Wattenmeerländer erfolgreich und sehr eng zusammen, um das Wattenmeer als ökologische Einheit gemeinsam zu schützen. Dänemark, Deutschland und die Niederlande tun dies seit fast 50 Jahren, schon bevor es die Nationalparke gab.
Sie haben ihre Umweltbeobachtungsprogramme einander angeglichen („TMAP“), entwickeln zusammen Managementpläne (Wadden Sea Plan, „SIMP“) und Tourismusstrategien, erstellen Qualitätszustandsberichte und veranstalten regelmäßig trilaterale Symposien und Regierungskonferenzen. Die Zusammenarbeit wird durch ein gemeinsames Wattenmeersekretariat, das Common Wadden Sea Secretariat (CWSS) in Wilhelmshaven, sehr effizient koordiniert und befördert.
© NPW
04. Internationaler Schutz und Austausch
Das Wattenmeer genießt auch international bedeutsame Schutzstatus und pflegt globale Netzwerke.
Das Wattenmeer ist eines der bedeutsamsten Naturgebiete Europas.
Die drei deutschen Nationalparke im Wattenmeer sind ein wichtiges Argument im internationalen Nordseeschutz. Dass das Einbringen von Dünnsäure, Klärschlamm, Schadstoffen, Öl und Müll ins Meer gestoppt oder reduziert wurde, ist auch ihnen zu verdanken.
Das Wattenmeer hat auch international herausragende Bedeutung: Der Nationalpark und seine Umgebung sind Feuchtgebiet internationaler Bedeutung nach dem Ramsar-Abkommen, Vogelschutz- und FFH-Gebiete der EU, Besonders Empfindliches Meeresgebiet der Internationalen Schifffahrtsorganisation und Biosphärenreservat der UNESCO. Vermutlich kein anderes Naturgebiet in Europa ist so vielfältig ausgezeichnet und geschützt. Auf diesen Ebenen bestehen internationale fachliche Netzwerke.
Jüngst unterstützten auch die Wattenmeer-Nationalparke Schutzbestrebungen für das südkoreanische Wattenmeer. Ebenfalls gemeinsam mit den trilateralen Wattenmeerpartnern wurden mehrere „Memorandum of Understanding“ mit anderen Schutzgebieten unterzeichnet, zum Beispiel entlang der Zugvogelrouten im Rahmen der „Flyway Initiative“.
© NPW
05. Mensch im Mittelpunkt
Nachhaltiges Leben und Wirtschaften mitten im einzigartigen Wattenmeer – als UNESCO-Biosphärenreservat sind der Nationalpark, die Halligen und die Insel Pellworm Modellregion für nachhaltige Entwicklung.
Seit die UNESCO den Nationalpark 1990 als Biosphärenreservat anerkannte, gehört das Wattenmeer zu einem internationalen Netzwerk von Modellregionen für nachhaltige Entwicklung.
Seit 2004 kooperiert die Nationalparkverwaltung hierbei mit den Menschen, die mitten im Wattenmeer leben und arbeiten: Damals wurden die Halligen Gröde, Hooge, Langeneß, Nordstrandischmoor und Oland auf eigenen Wunsch Teil der Biosphäre. Im Jahr 2023 stimmte die UNESCO wiederum einer Erweiterung zu: Nach einem engagierten Beteiligungsprozess entschied sich auch die Insel Pellworm dazu, zur Biosphäre Wattenmeer zu gehören.
Die Halligen und Pellworm haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Heimat so zu entwickeln, dass auch zukünftige Generationen hier eine lebenswerte Zukunft haben. Und zwar indem sie modellhaft erproben, wie sie diesen einzigartigen Natur- und Kulturraum nachhaltig gestalten. Dabei werden ökologische und ökonomische Entwicklungsziele miteinander verknüpft.
Die internationale Anerkennung ist Auszeichnung und Ansporn zugleich!
© Alina Claußen / LKN.Sh
06. Wirtschaftsfaktor Nationalpark
Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist ein gutes Beispiel dafür, dass Ökologie und Ökonomie sich nicht ausschließen müssen. Naturschutz und Wirtschaft gehen Hand in Hand.
Die touristische Wertschöpfung an der schleswig-holsteinischen Westküste ist enorm. Jährlich besuchen etwa 20 Millionen Übernachtungs- und Tagesgäste die Region und halten sich insgesamt über 21 Millionen Tage dort auf. Rund 2 Millionen Gäste besuchen Führungen und Einrichtungen des Nationalparks.
Für jeden Fünften ist der Schutzstatus als Nationalpark bei der Wahl des Urlaubsortes ausschlaggebend. Durch die Gäste, die sich wegen des Nationalparks an der Küste aufhalten, entsteht eine regionale touristische Wertschöpfung von jährlich über 150 Millionen Euro. Rechnerisch können dadurch mehr als 5400 Menschen durch die Nationalparktourist*innen leben.
Um den Tourismus nachhaltig zu gestalten, arbeitet die Nationalparkverwaltung eng mit touristischen Akteur*innen zusammen. Der Schutz der Natur stärkt die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
© Christian Fischer / LKN.SH
07. Sein – sonst nichts
Weit geht der Blick über das Watt, auf das Meer. Alles, was wir sehen und hören, ist Natur und gehört hier hin. Hier ist tiefes und vollumfängliches Durchatmen möglich.
Wer schon einmal bar jeder Ablenkung auf die Nordsee geblickt hat, hat es vielleicht gefühlt: Ein innerer Frieden kehrt ein, der Lärm der Welt wird vom Watt verschluckt, und wir können einfach sein. Sein – sonst nichts. Das ist nicht mehr an vielen Orten auf der Welt möglich. Das schleswig-holsteinische Wattenmeer ist jedoch genau so ein Ort.
Denn der Nationalpark schützt nicht nur Natur, sondern gilt auch als „Seelenschutzgebiet“: Intakte Natur zu erleben ist, gerade in unserer digitalisierten Welt, Balsam für jede Menschenseele. Die Wildnis erfüllt uns mit Glück und mit Demut, mit einem Gefühl von „alles ist gut“. Zumindest in diesem Moment und an diesem Ort.
Und das hat viele Gründe:
- die salzhaltige, immer frische Luft, in der wir uns bewegen,
- der unverbaute Blick bis zum Horizont,
- die Weite der Watten und des Himmels,
- die Abwesenheit von Technik, Hektik und Perfektion.
Watt gibt es schöneres?
© Martin Stock / LKN.SH
08. Wall of Fame
Vermutlich kein anderes Naturgebiet in Europa ist so vielfältig ausgezeichnet und geschützt wie unser Nationalpark. Neben den offiziellen Anerkennungen schmückt ihn eine Reihe von weitere Auszeichnungen, Awards und Preisen.
Vermutlich kein anderes Naturgebiet in Europa ist so vielfältig ausgezeichnet und geschützt wie der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Neben den gesetzlich verankerten Anerkennungen und dem Schutzstatus (s. Erfolg Nr. 5) schmückt den Nationalpark eine Reihe von weitere Auszeichnungen, Awards und Preisen.
2016 wurde das schleswig-holsteinische Wattenmeer bei der „Naturwunderwahl“ von der Heinz Sielmann Stiftung als „Deutschlands schönste Wildnis“ ausgezeichnet. Die Nationalparkverwaltung mit ihrem Nationalpark-Zentrum ist seit 2016 als „Bildungszentrum für Nachhaltigkeit“ und seit 2017 das Multimar Wattforum zusätzlich als „Bildungszentrum für Klimaschutz“ anerkannt. Jüngster Preis: Unser Nationalpark erhielt 2024 den touristischen „Travelbook Award“ als bester Nationalpark im deutschsprachigen Raum.
Sämtliche Urkunden sind an der „Wall of Fame“ im Sitzungssaal der Nationalparkverwaltung zu finden.
© Nationalparkverwaltung / LKN.SH
Kompetenz und Engagement
09. Ranger*innen: Gesicht des Nationalparks
Ihr Ansprechpartner vor Ort: der Nationalpark-Dienst mit seinen aktuell 17 Ranger*innen. Diese wachen über das Wattenmeer, sammeln Umweltdaten für das Monitoring und informieren Gäste wie Einheimische.
Wer erklärt Spazierenden, warum es so wichtig ist, Hunde anzuleinen? Wer informiert über die Besonderheiten im Watt und die Faszination der Gezeiten? Wer zählt Vögel zur Springtide und ist bestens vernetzt mit den Naturschutzverbänden sowie anderen Akteur*innen vor Ort? Und wer erfasst und dokumentiert Müll und Kadaver im Spülsaum? Es sind die aktuell 17 Ranger*innen des Nationalpark-Diensts, die diese und weitere Aufgaben bei ihrer täglichen Arbeit entlang der Nordseeküste, auf Inseln und Halligen ausfüllen.
Sie überwachen ihre jeweiligen Gebiete, informieren im Gelände und sammeln Umweltdaten über Tiere und Pflanzen. Dadurch geben sie der Nationalparkverwaltung bereits vor Ort ein kompetentes, sympathisches Gesicht – mit zwei wachsamen Augen für die Regeln zum Schutz des Ökosystems.
© Oliver Franke / LKN.SH
10. Der Nationalpark-TÜV
Der Nationalpark unterzieht sich als Teil der Nationalen Naturlandschaften Deutschlands regelmäßig einer unabhängigen Evaluierung, welche die Erfüllung nationaler Standards bescheinigt.
Zur Familie der Großschutzgebiete in Deutschland gehören aktuell neben den 16 Nationalparken auch 18 Biosphärenreservate, 104 Naturparke und drei Wildnisgebiete. Der Dachverband Nationale Naturlandschaften e.V. (NNL) bildet ein Bündnis dieser Schutzgebiete, das ihnen bundesweit eine gemeinsame Stimme und einheitliches Auftreten (zum Beispiel ein Logo) verleiht und den Austausch zwischen Naturschutz, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik unterstützt.
Und: Er prüft die Nationalparke. Alle zehn Jahre wird die Qualität des Schutzgebietsmanagements anhand vorab definierter Kriterien und Standards bewertet. Dank dieser unabhängigen Evaluierung können die Nationalparke ihre Verbesserungspotentiale reflektieren. Auf Basis einer Bereisung und einer Bewertung durch ein unabhängiges Gremium wird aktuell ein Bericht für unseren Nationalpark erstellt, der Handlungsempfehlungen für die zukünftige Arbeit der Nationalparkverwaltung enthält.
© NNL
11. Monitoring: Basis für Vieles
Die Vielfalt des Wattenmeeres ist überwältigend – und gerade das macht eine genaue „Inventur der Natur“ unabdingbar. Sie macht langfristige Veränderungen sichtbar. Bereits seit 1994 gibt es ein wattenmeerweites Umweltbeobachtungsprogramm.
Dänemark, Deutschland und die Niederlande arbeiten bei der Umweltbeobachtung, dem Monitoring, eng zusammen. Seit 1994 erheben sie gemeinsam und standardisiert regelmäßig etwa 30 Parameter im „Trilateral Monitoring and Assessment Programme“ (TMAP).
Sie zählen Seehunde und Vögel, kartieren Seegräser und Salzwiesen, ermitteln Schadstoffe, Algen und Wirtschaftsdaten. Dadurch ist es möglich, langfristige Veränderungen zu erkennen und den Zustand des gesamten Weltnaturerbes Wattenmeer zu beurteilen. So fungiert das Monitoring auch als Frühwarnsystem, um auf negative Entwicklungen reagieren zu können. Aus den Berichten leiten sich konkrete Aufgaben ab, um das Ökosystem zu schützen.
Die Nationalparkverwaltung koordiniert zum Beispiel für die deutsche Nordsee das „Eissturmvogel-Müll-Monitoring“. Da der Hochseevogel bei der Nahrungssuche auch Plastikmüll frisst, zeigt sein Mageninhalt gut, wieviel Plastikmüll an der Meeresoberfläche schwimmt. Die Tendenz ist positiv: Der Anteil von Plastik am Mageninhalt geht langsam zurück.
© Alexandra Schnurr / LKN.SH
12. Natur-Daten für alle
Naturschutz braucht gute Argumente – und die müssen auf Fakten basieren. Damit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft bis ins Detail informiert werden können, sind die wissenschaftlich erhobenen Daten der Nationalparkverwaltung öffentlich.
„Nur wer die Natur kennt, wird sie auch schützen.“ (Heinz Sielmann) In diesem Sinne stellt die Nationalparkverwaltung alle Langzeitdaten aus ihrer wissenschaftlichen Beobachtung des Nationalparks, dem Monitoring, zur Verfügung. Sie ist bewährte Ansprechpartnerin für Fragen aus Politik, Institutionen, Verbänden oder der Presse.
Gemeinsam mit den übrigen Küstenbundesländer wurde ein Portal entwickelt, dass es ermöglicht, Daten, Karten und Fakten zu recherchieren, anzuzeigen und herunterzuladen: das MDI-DE-Portal am Beispiel der Schweinswale.
© CWSS
13. Biodiversität: Hotspot der Spezialisten
Wer hier überleben will, muss sich anpassen! Die Biodiversität des Wattenmeeres mit seinen extremen Lebensräumen wird durch zahlreiche Projekte untersucht und daraus resultierende Maßnahmen geschützt.
Das Ökosystem Wattenmeer beherbergt eine enorme Vielfalt an extremen Lebensräumen: Verschiedene Watttypen, Salzwiesen- und Dünenzonen sowie differenzierte Unterwasserbereiche. Hier herrschen Lebensbedingungen, die nur diejenigen überleben, die angepasst sind. Das Wattenmeer ist daher reich an hoch spezialisierten Arten.
Diese Biodiversität, also die biologische Vielfalt aller Arten, der Lebensräume samt ihren Funktionen und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, ist im Nationalpark besonders geschützt.
Zum Beispiel erarbeitet die Nationalparkverwaltung mithilfe der Nationalen Biodiversitätsstrategie und der Landes-Strategie „Kurs Natur 2023“ aktuell einen Zensus der Insekten. Auch Erkenntnisse zum Europäischen Hummer und der Sandkoralle in ihrem Lebensraum werden für einen effektiven Biotopschutz gesammelt (Projekt HUSAWA), Bildungskonzepte zur biologischen Vielfalt erweitert und die Informationsweitergabe zur Biodiversität im Wattenmeer auf diversen Kanälen verbessert.
© Martin Stock / LKN.SH
14. Natürliche Salzwiesen
Etwa die Hälfte der Salzwiesen an der schleswig-holsteinischen Westküste werden nicht oder extensiv beweidet, so dass sich Flora und Fauna natürlich entwickeln können.
Die Salzwiesen des Wattenmeeres können sich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln: Rund 50 Prozent von ihnen werden nicht mehr oder nur extensiv beweidet. Auch die künstliche Entwässerung wird dort nicht mehr aufrechterhalten. So konnten sich an vielen Orten wieder die salzwiesen- und standorttypischen Kräuter und Gräser und ein Mosaik unterschiedlichster Ausprägungen entwickeln.
Nicht nur die Artenzahlen der Pflanzen, auch die vieler Enten, Singvögel und Insekten sind angestiegen.
Der Küstenschutz profitiert vom Sicherheitspuffer durch die anwachsenden Salzwiesen: Vor allem großflächige und unbeweidete Salzwiesen bremsen die Wucht der auflaufenden Wellen bei einem Sturm.
Für das Management der Salzwiesen wurde bereits 1995 ein Konzept erstellt, in dem Marschenverband, Küsten- und Naturschutzbehörden einen Kompromiss aus Naturschutz und Küstenschutz vereinbart haben, der regelmäßig fortgeschrieben wird.
© Martin Stock / LKN.SH
15. Zuwachs bei Robbe, Hummer, Löffler und Co.
Kopf hoch: Trotz allgemeinem Artenschwund sind einige Tiere wie Kegelrobben, Europäische Hummer oder Löffler im Aufwind.
Bruterfolgs- oder auch Fisch- und Benthos-Monitoring des Nationalparks sowie das trilaterale Robben-Monitoring machen es möglich: Sie belegen, dass einige Arten im Nationalpark dem Artenschwund trotzen.
So haben Überfischung, Meeresverschmutzung und Zerstörung des natürlichen Lebensraumes zu drastischen Einbrüchen des Bestandes der Europäischen Hummer geführt. Im Nationalpark ist dieser stark gefährdete größte heimische Krebs der Nordsee jedoch wieder häufiger zu sehen. Auch der Löffler, der Anfang der 1990er Jahre ein nur sehr seltener Gast war, nistet inzwischen mit mehr als 400 Brutpaaren im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer, zum Beispiel auf der streng geschützten Insel Trischen. Und die Wachstumsrate bei den Kegelrobben, dem größten Raubtier Deutschlands, lag in den vergangenen fünf Jahren wattenmeerweit im Schnitt bei 9 Prozent.
© Martin Stock / LKN.SH
16. Auf zu neuen Ufern, Riffen und Seegraswiesen
In der unglaublichen Weite des Nationalparks sind moderne Entdecker*innen gefragt. Sie entwickeln beispielsweise künstliche neuronale Netze, die bei der Kartierung ausgedehnter Seegraswiesen oder versteckter Riffe unterstützen.
Weite Seegraswiesen, Unterwasser-Riffe, unübersichtliche Habitate einzelner Arten: Auf den 4.380 Quadratkilometern des Nationalparks ist jede Hilfe für eine gute Übersicht, eine fundierte Datenaufnahme und deren Analyse willkommen. So werden die Nationalpark-Mitarbeitenden unter anderem mithilfe von Künstlicher Intelligenz und neuen Techniken zu Entdecker*innen.
Sie entwickeln mit ihren Partnern aus Forschung und Wissenschaft neue, moderne Methoden, um die Analysen zu verbessern. Auf diese Weise wissen wir künftig genauer, schneller und einfacher, wo sich unsere artenreichen Riffe befinden, wie sich die Bestandzahlen der Robben entwickeln und ob die für das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer so charakteristischen, ausgedehnten Seegraswiesen zurückgehen. Auch können so inzwischen die Nahrungsnetze des Wattenmeeres beurteilt werden.
© Mike Schröder / LKN.SH
17. Weniger ist Meer
Die Nordsee gehört niemandem und darf auch niemandes Mülleimer sein. Auch wenn sie noch lange nicht so sauber ist, wie sie sein müsste, geht ihre Verschmutzung in den vergangenen Jahren langsam zurück.
Jahrzehntelang wurden die Meere als Mülldeponien genutzt. Abfall und Verschmutzung stellen dabei eine gravierende ökologische, gesundheitliche und wirtschaftliche Belastung dar. In den 1970er und 1980er Jahren wurden weltweit Regelungen eingeführt, um den Eintrag von Müll und anderen Schadstoffen in die Meeresumwelt zu verringern.
Auch im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde das Problem frühzeitig erkannt. Gemeinsame Aktionen mit Partnern an der Westküste, zum Beispiel aus dem Tourismus, erhöhten die Aufmerksamkeit für die Bedeutung sauberer Meere. In den vergangenen Jahrzehnten konnte beispielsweise das Einbringen von Dünnsäure, Klärschlamm, Schadstoffen und Öl ins Meer reduziert werden.
Allerdings kommen jedes Jahr neue Schadstoffe hinzu. Zur Erfassung des Mülls an der deutschen Nordseeküste arbeitet die Nationalparkverwaltung mit vielen Akteur*innen zusammen: Verschiedene Meeresmüll-Monitoringprogramme untersuchen beispielsweise die Mageninhalte von Eissturmvögel-Totfunden auf verschiedene Müllbestandteile oder die Menge und Zusammensetzung von an den Strand angespülten Abfällen. Erfreulicherweise geht sowohl die Müllmenge in den Mägen der Vögel, als auch an den Stränden langsam zurück.
© Martin Stock / LKN.SH
Kooperativer Naturschutz
18. Unser Nationalpark
Wurde der Nationalpark vor 40 Jahren noch skeptisch beobachtet, erfreut er sich heute einer hohen Akzeptanz und gewachsenen Beliebtheit.
Mitte der 80er Jahre herrschte überwiegend Skepsis vor, als der Nationalpark errichtet werden sollte. Zahlreiche und umfangreiche Verbote wurden befürchtet. Über die Jahrzehnte hat sich aber in der Breite ein positives Gefühl gegenüber dem Schutzgebiet entwickelt, was regelmäßige Einwohnerbefragungen bestätigen, zuletzt von 2024.
Fast alle Einwohner*innen der Nationalparkregion würden für den Fortbestand stimmen. Die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen innerhalb des Gebietes ist gestiegen.
Um diese Entwicklung genauer zu untersuchen und im Blick zu behalten, gibt es für das Gebiet ein sozioökonomisches Monitoring. Im Rahmen dieses Monitorings werden Gäste und Einheimische regelmäßig zu ihren Ansichten zum Nationalpark befragt. So können Rückschlüsse auf die Akzeptanz und die Wahrnehmung des Schutzgebietsmanagements und auf die Kommunikation der Nationalparkverwaltung gezogen werden.
© Christiane Gätje / LKN.SH
19. Verwalten und Gestalten
Die Nationalparkverwaltung mit ihrem engagierten Team und fundierter Expertise ist die starke und sympathische Anwältin des Nationalparks. Sie bringt Nutzungsinteressen in Einklang mit den Schutzzielen. Aus dem Gegeneinander der Anfangsjahre ist heute in weiten Teilen ein Miteinander geworden.
Die Nationalparkverwaltung in Tönning sorgt seit 40 Jahren erfolgreich dafür, dass das Nationalparkgesetz eingehalten und umgesetzt wird. Sie bringt den Naturschutz in Einklang mit den Nutzungsinteressen aus den Bereichen Landwirtschaft, Wassersport, Fischerei, Naturerlebnis, Tourismus und Wissenschaft. Aus einem Gegeneinander in den Anfangsjahren ist ein Miteinander geworden.
Als Untere und Obere Naturschutzbehörde prüft sie Nutzungen und Bauvorhaben, erteilt Genehmigungen und entwickelt Schutzkonzepte, stellt aber auch eine umfangreiche Umweltbeobachtung sicher und organisiert eine umfassende Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Die Verwaltungszusammenarbeit funktioniert heutzutage vorbildlich. Das Kollegium aus rund 90 Personen zeichnet eine hohe Fachkompetenz, viel Herzblut für die Sache und ein phänomenaler Teamspirit aus. Hier wird mehr als nur verwaltet!
© Christian Fischer / LKN.SH
20. Meisterwerk des Interessensausgleichs
Die heute hohe Akzeptanz des Nationalparks in der Region ist der Einbindung regionaler Nutzungsgruppen zuzuschreiben. Im Laufe der Zeit ist der Nationalpark zu einem Meisterwerk des Interessensausgleichs geworden.
Ein Erfolgsfaktor für die heute hohe Akzeptanz des Nationalparks in der Region ist die Einbindung regionaler Nutzungsgruppen. Im Laufe der Zeit ist der Nationalpark zu einem Meisterwerk des Interessensausgleichs geworden. Die seit 1997 öffentlich tagenden Nationalpark-Kuratorien in Dithmarschen und Nordfriesland repräsentieren die am Nationalpark interessierte Öffentlichkeit und ermöglichen, dass diese aktiv in den Nationalpark betreffende Entscheidungen einbezogen wird.
Zu kontroversen Themen wurden Arbeitskreise gebildet, in denen in vertrauensvoller Zusammenarbeit freiwillige Vereinbarungen ausgehandelt wurden. Beispielsweise verpflichteten sich Krabbenfischer, die Mausergebiete der störempfindlichen Brandgänse im Dithmarscher Wattenmeer zu meiden. Mit vielen Gemeinden existieren Vereinbarungen zum Betreten des küstennahen Watts in der Schutzzone 1 des Nationalparks bis zu einem Abstand von etwa einem Kilometer zur Küstenlinie („1000-Meter-Vereinbarungen“). Diese betreffen unter anderem die genehmigten Wattwanderrouten, Regelungen zur Hobbyfischerei, dem Reiten und dem Mitführen von Hunden. Konflikte mit dem Küstenschutz wurden durch das Vorlandmanagementkonzept und die „Strategie Wattenmeer 2100“ erfolgreich befriedet. Gleichwohl ist Interessensausgleich ein dauerhafter Prozess für den ein langer Atem und Kompromissbereitschaft von allen Seiten vorhanden sein muss.
© LKN.SH
21. Ruhe in der Natur
Wer auf das weite Watt blickt, kann eine friedvolle Stimmung auf sich wirken lassen. Damit dieser Frieden bewahrt wird, gelten auch für Jagd, Militär und Offshore-Windenergieanlagen besondere Regeln.
Auf dem Gebiet des schleswig-holsteinischen Nationalparks ruht die Jagd, früher hauptsächlich auf Wasservögel oder Seehunde, seit 1989 weitestgehend. Seit 1999 ist sie durch das Nationalparkgesetz grundsätzlich im ganzen Nationalpark verboten. Seehundjäger*innen sind heutzutage mit Naturschutzaufgaben beauftragt und zuständig für aufgefundenen Seehunde. Das Jagdverbot wirkt sich positiv auf die Bestände der Arten aus, sodass viele von ihnen im Nationalpark in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden können.
Das Militär hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten aus dem Küstengebiet deutlich zurückgezogen. Seit den 1990er Jahren wurden viele Schieß- und Flugplätze sowie Aktivitäten im Wattenmeer aufgegeben. Mit der Bundeswehr bestehen Absprachen, Waffenerprobungen im letzten verbliebenen militärischen Sperrgebiet im Nationalpark in der südlichen Meldorfer Bucht auf wenige Tage im Jahr zu begrenzen. Die dabei eingebrachte Munition und Munitionsreste müssen geborgen werden. Durch bundeswehreigene Vorgaben für Flughöhen über dem Küstenbereich konnten Störungen des Lebensraums durch militärischen Flugverkehr ebenfalls verringert werden.
Das Verbot von Windenergieanlagen im Nationalpark trägt einen wichtigen Teil dazu bei, schwerwiegende Störungen im Naturraum Wattenmeer zu vermeiden und Tierarten wie dem Schweinswal und vielen Vogelarten hier Rückzugs- und Ruheräume zu erhalten.
© Martin Stock / LKN.SH
22. Gemeinsam Fischerei nachhaltig gestalten
Zwischen den Akteur*innen des Naturschutzes und der Krabbenfischerei ist ein intensiver Austausch zustande gekommen. In kleinen aber steten Schritten werden Fortschritte in Richtung nachhaltiger Fischerei im Nationalpark erzielt.
Fischerei an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gibt es seit Generationen. Um das Nationalparkziel “Natur Natur sein lassen” zu erreichen und die Fischerei wirtschaftlich und ökologisch zukunftsfähig zu gestalten, sind Gespräche zwischen allen Beteiligten notwendig. Neue Ideen zur Fischerei müssen erprobt und dazu wissenschaftliche Daten erhoben werden. Die dafür leitende Frage ist, ob und wie Fangtechniken ökologisch verbessert werden können, ohne deutliche Fangeinbußen in Kauf nehmen zu müssen.
Denn eines ist klar: Eine möglichst ungestörte natürliche Entwicklung auf einem überwiegenden Anteil der Nationalparkfläche ist unabdingbar auch für einen Krabbenbestand, von dem die Fischer*innen leben können. Dafür sind weitere nutzungsfreie Gebiete ein geeignetes Instrument. Bisher ist die Krabbenfischerei lediglich im nutzungsfreien Gebiet südlich des Syltdammes ausgeschlossen. Auf einer Fläche von etwa 3 % des Nationalparks ist auch jegliche weitere Ressourcennutzung unzulässig. In den vergangenen Jahren gab es viele zielführende Gespräche zwischen der Krabbenfischerei und dem Naturschutz. Der konstruktive Dialog für eine zukunftsfähige Ausgestaltung der Krabbenfischerei wird fortgesetzt.
© Martin Stock / LKN.SH
23. Wasserverkehr und Naturschutz – ein Interessenausgleich
Überarbeitete Regeln für das Befahren der Wattenmeer-Nationalparke: Auf Initiative der deutschen Wattenmeerländer hat das Bundesverkehrsministerium die Nordsee-Befahrensverordnung novelliert und so den Schutz für Robben und Vögel verbessert.
Von der Berufsschifffahrt bis zum Kitesurfen – für alle Nutzer*innen der Bundeswasserstraßen in den Wattenmeer-Nationalparken gilt seit Ende April 2023 die novellierte Nordsee-Befahrensverordnung. Mit der neuen Verordnung ist nun besser geregelt, wie schnell und wo im Wattenmeer Schiffe fahren dürfen, wo Kiter*innen surfen und Segler*innen sich trockenfallen lassen dürfen und so ihren Sport im Nationalpark genießen können. Weiterhin wurden die vorhandenen Ruhezonen für Robben und Vögel an geomorphologische Veränderungen angepasst. Somit ist die novellierte Verordnung ein Gewinn für die Natur im Wattenmeer. Um sie leichter in den Alltag der verschiedenen Nutzer*innengruppen zu integrieren, stellen die Nationalparkverwaltungen die Regeln online in Form einer interaktiven Karte zur Verfügung.
© Martin Stock / LKN.SH
24. Miesmuscheleinigung
Es lohnt sich, im Gespräch zu bleiben und Kompromisse zu finden. Das beweist der Miesmuscheldialog, durch den eine Nationalpark-verträglichere Miesmuschelwirtschaft möglich wurde.
Die Zusammenarbeit der Akteur*innen rund um die Miesmuschelwirtschaft ist mittlerweile sehr konstruktiv. Die vorausgegangenen Verhandlungen waren teils konfliktgeladen und zogen sich über viele Jahre. Doch es lohnt sich, im Gespräch zu bleiben: Seit 2017 gelten an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste neue Rahmenbedingungen, die nicht nur als Erfolg für die Natur, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit der Miesmuschelwirtschaft bewertet werden können.
Zur Miesmuschelwirtschaft gehören die Besatzmuschelfischerei, die Bewirtschaftung von Muschelkulturen sowie der Betrieb von Saatmuschelgewinnungsanlagen. Nach den neuen Vereinbarungen sind 87 % des Nationalparks frei von jeglicher Miesmuschelwirtschaft. Die ökologisch folgenschwere Herzmuschelfischerei wurde bereits 1990 im Nationalpark beendet. Das Muschelfischereiprogramm regelt die Bewirtschaftung im Nationalpark.
© Martin Stock / LKN.SH
Partnerschaftliches Netzwerk
25. Engagierte Naturschutzverbände
Für viele engagierte Menschen, zum Beispiel junge Freiwillige, ist Naturschutz Ehrensache. Sie setzen sich in Vereinen und Verbänden organisiert für ihren Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ein.
Im Nationalpark sind zahlreiche Naturschutzvereine und –verbände im Naturschutz und der Informations- und Bildungsarbeit aktiv. Viele junge Freiwillige und hauptamtliche Mitarbeiter*innen engagieren sich ehrenamtlich für diesen wertvollen Naturraum und unterstützen die Nationalparkverwaltung maßgeblich und seit der ersten Stunde. Einige Vereine sind seit über 100 Jahren in der Gebietsbetreuung im Einsatz. Sie erkannten lange vor der Nationalpark-Idee, wie wertvoll dieser Naturraum ist.
Heute hat die Nationalparkverwaltung mit sechs Vereinen Betreuungsverträge abgeschlossen. Neben der praktischen Naturschutz- und Bildungsarbeit zählen die Betreuung der Infozentren und Nationalparkhäuser zu ihren Aufgaben. Durch diese Arbeit ist es möglich, sich an über 40 Info-Einrichtungen auf dem gesamten Gebiet zum Nationalpark zu informieren und über ihn ins Gespräch zu kommen.
26. Forschungsnetzwerk
Egal ob lokal oder international: Forschende finden im Wattenmeer ein Eldorado. Langjährige Kooperationen mit verschiedensten Instituten liefern spannende Ergebnisse und eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Nationalparkverwaltung.
Nach Gründung des Nationalparks wurde das Wattenmeer-Ökosystem mit seinen Pflanzen und Tieren, Stofftransporten und Bodenverhältnissen, aber auch seiner wirtschaftlichen Struktur erstmals systematisch untersucht. Die umfassende, bundesweit und international beachtete Ökosystemforschung mündete 1996 in einem grundlegenden Synthesebericht. Seither unterhält die Nationalparkverwaltung ein internationales Forschungsnetzwerk rund um die Themen des Wattenmeers. Langjährige Kooperationen mit diversen Instituten liefern spannende und wichtige Ergebnisse für die Arbeit zum Schutz des Wattenmeeres, die sich mit dem Nationalpark-Monitoring allein nicht erzielen lassen.
Derzeit untersucht die Nationalparkverwaltung mit sechs Partnern im Forschungsvorhaben iSeal, wie sich menschengemachte Einflüsse auf die Küstenökosysteme auswirken. Im Fokus steht dabei, wie der Klimawandel und die Fischerei sowie nicht-heimische Arten die Nahrungsnetze beeinflussen.
© Pedro Martinez / Senckenberg
27. Drei Schwestern im Watt
Die drei Schwester-Nationalparke im niedersächsischen, hamburgischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeer arbeiten auf vielen Ebenen intensiv und gewinnbringend zusammen.
„1 Wattenmeer, 3 Nationalparke, 3 Biosphärenreservate“ steht prominent auf der Startseite der Nationalpark-Website. Diese Aufzählung zeigt plakativ, dass die drei Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein jeweils ihre eigenen Schutzgebiete verwalten, schließlich ist der Naturschutz Ländersache. Die Natur jedoch kennt keine Grenzen. Wir teilen das gemeinsame Wattenmeer und die Verantwortung, es zu schützen.
Die drei Nationalparkverwaltungen sind unterschiedlich organisiert; naturschutzfachlich gesehen sind ihre Aufgaben, Ziele und Herausforderungen jedoch identisch. Seit jeher arbeiten die Teams der drei Nationalparke auf verschiedenen Ebenen sehr eng und vertrauensvoll zusammen, sei es im Monitoring, im Naturschutz oder in der Öffentlichkeitarbeit. Das ist effizient und gewinnbringend. Gemeinsam sind wir stark!
© nationalpark-wattenmeer.de
28. Starke Partner
Touristische Akteur*innen, denen der Nationalpark am Herzen liegt, können Teil des Partnernetzwerks und dadurch Botschafter*innen für den Nationalpark und sein Motto “Natur Natur sein lassen” werden.
Seit 2003 werden Partnerbetriebe im und am Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ausgezeichnet. Mittlerweile engagieren sich um die 200 Nationalpark-Partner aktiv für das Schutzgebiet. Darunter sind Nationalparkführer*innen, Reedereien, Beherbergungsbetriebe, Gemeinden, Tourismusorganisationen und Naturschutzverbände, Eisenbahngesellschaften und andere Einrichtungen. Die Nationalparkverwaltung koordiniert das Partnernetzwerk.
Gemeinsam setzen die Nationalpark-Partner sich für einen naturverträglichen Tourismus ein: nachhaltig – regional – authentisch. Als Partner informieren sie ihre Gäste über den Nationalpark und seine vielfältigen Angebote und wirtschaften selbst nachhaltig in der Wattenmeerregion. Die Nationalpark-Partner werden auf einer gemeinsamen Website dargestellt.
© Anneliese Smuda / LKN.SH
29. Naturschutzförderung
Naturschutz kostet Geld. Eine Reihe von Institutionen und Instrumenten hilft dabei, vielfältige Projekte, die dem Nationalpark zugutekommen, zu verwirklichen.
Naturschutz kostet Geld. In Deutschland ist Naturschutz Ländersache, daher leistet das Land Schleswig-Holstein die Grundfinanzierung für den Nationalpark Wattenmeer und seine Verwaltung innerhalb des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Eine Reihe von Institutionen und Instrumenten hilft dabei, vielfältige Projekte, die dem Nationalpark zugutekommen, zu verwirklichen.
Herausragend ist das Wirken der Nationalparkstiftung Schleswig-Holstein. 2015 gegründet, fördert sie Projekte, die den Schutz des Nationalparks verbessern oder der Bildung und Information über den Nationalpark dienen. Das Stiftungsvermögen stammt aus Zahlungen Hamburgs an Schleswig-Holstein für die Verbringung von Baggergut aus den Zufahrten zum Hamburger Hafen zur Tonne E3 in der Nordsee.
In kleinerem Umfang, aber nicht minder engagiert unterstützt der Förderverein Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Forschungsanliegen, praktischen Naturschutz, Naturerleben und Bildungsprojekte.
Die Arbeit der Nationalparkverwaltung erfährt durch die „proWIN pro nature Stiftung“ sowie durch die VR Bank Westküste finanzielle Unterstützung über einen längeren Zeitraum. Dank der gemeinnützigen Nationalpark-Service gGmbH, die aus zehn regionalen Gesellschaftern besteht, werden Förderprojekte in den Bereichen Naturschutz, Bildung, Kommunikation und Kooperation realisiert. Und nicht zuletzt profitiert der Nationalpark von zahlreichen Förderprogrammen des Bundes, zum Beispiel im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz oder der Forschungsförderung.
Wissenstransfer und Information
30. Watt Gutes Tun
Jedes Jahr setzen sich viele junge Erwachsene für das Wattenmeer ein. Ihr Einsatz ist von herausragender Bedeutung für die Öffentlichkeits- und Naturschutzarbeit im Nationalpark.
Viele junge Menschen nutzen nach ihrem Schulabschluss die Chance, sich als Bundesfreiwillige oder FÖJler*innen (Freiwilliges Ökologisches Jahr) zu engagieren. Auch viele Studierende kommen als Praktikant*innen in den Nationalpark, um Arbeitserfahrungen zu sammeln. Unentgeltlich oder gegen ein Taschengeld arbeiten sie in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel Öffentlichkeits- oder Bildungsarbeit.
Ein großer Schwerpunkt dabei ist die Durchführung von Watt- und Gästeführungen. Ohne sie gäbe es einen Großteil des Führungsprogrammes im Nationalpark nicht. Auch Angebote für Schulklassen oder Medienarbeit gehören zum festen Aufgabenkanon. Ebenso gehört ganz praktische Naturschutzarbeit zu ihren Tätigkeiten, wie Dauerbeobachtungsaufgaben oder Brut- und Rastgebiete ausweisen.
Während ihres mehrmonatigen Dienstes werden die Freiwilligen und Praktikant*innen zu Profis in der Gebietsbetreuung. Durch ein umfangreiches Seminarangebot bilden sie sich fundiert und fachspezifisch fort. Einsatzorte für Freiwillige gibt es im gesamten Nationalpark von Sylt bis Friedrichkoog. Ohne sie wäre vieles nicht möglich. Daher ist es wichtig, dass ihre Stellen auch in Zukunft erhalten und von Bund und Land finanziert bleiben. Das Engagement der Freiwilligen ist von herausragender Bedeutung für den Schutz des Nationalparks.
© Martin Stock / LKN.SH
31. Erlebnisreiche Führungen
Für eine gute Vermittlung von Wattenmeer-Wissen braucht es engagierte Menschen mit tiefgehendem Hintergrundwissen. Begeistert und fundiert vermitteln qualifizierte naturkundliche Führer*innen Naturwissen und -genuss.
Eine Säule für hochwertige Führungsangebote bilden die etwa 50 Nationalparkführer*innen, die Veranstaltungen zu Watt, Küste und Vogelbeobachtung anbieten.
Die Nationalpark-Wattführer*innen werden seit 1999 zertifiziert. Sie bieten Naturerleben am und im Watt und in Salzwiesen. Nationalpark-Gästeführer*innen, die an der Waterkant ihr kulturelles und historisches Wissen weitergeben, gibt es seit 2008 und die Nationalpark-Vogelführer*innen seit 2021. Jedes Jahr führen sie etwa 1.400 Veranstaltungen mit ca. 36.000 Gästen durch (1999-2024). Das Führungsprogramm ist fester und wichtiger Bestandteil im Kanon der touristischen Angebote an der Westküste.
Ebenso bereichern es die Nationalpark-Ranger*innen und Freiwillige bei den Naturschutzverbänden durch ihre Führungsangebote immens. Urlaubsgäste können so aus einem facettenreichen Spektrum die für sie passende Veranstaltung auswählen. Die Führungen sind methodisch abwechslungsreich und vermitteln neben umfangreichen Fachkenntnissen vor allem eines: Den Genuss in der Natur, im Watt unterwegs zu sein.
© Adam Schnabler / LKN.SH
32. Große Events, große Wirkung
Gemeinsam mit ihren regionalen und (inter)nationalen Netzwerken organisiert die Nationalparkverwaltung eindrucksvolle Events mit großer öffentlicher Strahlkraft.
Dass es ein Kaleidoskop aus kleineren Veranstaltungen mit Nationalpark-Bezug, wie Führungen, Vorträgen und Exkursionen gibt, ist schon ein Erfolg für sich, der vor allem den Naturschutzverbänden und den Nationalpark-Wattführer*innen zu verdanken ist. Eine besondere Strahlkraft in der breiten Öffentlichkeit erlangen auch die großen Events, welche die Nationalparkverwaltung mit ihren regionalen, deutschen oder internationalen Netzwerken regelmäßig organisiert.
Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: die trilaterale Radtour zum 10. Geburtstag des Weltnaturerbes, das 15. Internationale Wissenschaftssymposium zum Wattenmeer, die bundesweite Imagekampagne für Biosphärenreservate „Verrückt auf Morgen“, die erste trilaterale Jugendkonferenz zum Weltnaturerbe sowie diverse Jubiläen des Nationalparks und des Nationalpark-Zentrums Multimar Wattforum.
© Alina Claußen / LKN.SH
33. Naturschauspiel Vogelzug
Jedes Jahr bestaunen Einheimische, Gäste und Fachleute die riesigen Vogelschwärme, die rastend oder brütend im Nationalpark landen. Mit den Ringelganstagen und dem Westküsten-Vogelkiek wird dieses Naturschauspiel gefeiert.
Es sind Millionen gefiederte Gäste, die das Wattenmeer jedes Jahr besuchen. Ihr Schnattern ist die Hintergrundmusik der Gezeiten, ihr Anblick für viele imposant und faszinierend.
Bis zu 50.000 Ringelgänse halten sich beispielsweise im Frühjahr auf den nordfriesischen Halligen und den umliegenden Wattflächen auf. Die Ringelganstage, die seit über 25 Jahren Ende April, Anfang Mai dort stattfinden, würdigen dieses Naturschauspiel. Das mehrtägige Event ist als naturkundliche und naturtouristische Veranstaltung fest im Jahreskalender etabliert.
Auch der Westküsten-Vogelkiek im Herbst ist als ornithologische Veranstaltung nicht mehr wegzudenken. Über mehrere Tage bieten Ranger*innen des Nationalparks vogelkundliche Touren zu den besten Beobachtungsplätzen. Mit Spektiven, Ferngläsern und Fotoapparaten ausgestattet, erfahren die Vogelliebhaber*innen viele Fakten zur Vogelwelt am Wattenmeer.
© Martin Stock / LKN.SH
34. Schaufenster des Nationalparks
Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum begeistert Jung und Alt für den Nationalpark Wattenmeer. Mit seiner herausragenden Bildungsarbeit und seinen modernen, interaktiven Ausstellungen ist es Publikumsmagnet und touristischer Leuchtturm.
Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum in Tönning ist die größte Informations- und Bildungseinrichtung für den Nationalpark und das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer in Schleswig-Holstein. Die Mitmach-Ausstellungen zeigen auf über 4.000 Quadratmetern anschaulich und erlebnisreich die Lebensräume zwischen Flüssen, Salzwiesen, Wattflächen und der Nordsee. Höhepunkte sind die 2023 neu eröffnete Fischotteranlage, das Pottwalskelett im Walhaus, das Großaquarium mit der Tauchfütterung und die zahlreichen weiteren Aquarien mit insgesamt über 280 Unterwasserarten. Draußen bieten ein Abenteuerspielplatz und ein weitläufiges Außengelände viel Bewegungsraum für Groß und Klein.
Als außerschulischer Lernort begeistert das Nationalpark-Zentrum jährlich Tausende von Schulklassen für das Wattenmeer. Der nachhaltige Bildungsansatz ist NUN-zertifiziert (= norddeutsch & nachhaltig) und die Bildungsangebote orientieren sich an den Leitlinien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Das Multimar Wattforum ist die bestbesuchte öffentliche Einrichtung des Landes und ein touristisches Highlight der Westküste. Seit seiner Eröffnung 1999 haben es über vier Millionen Menschen besucht.
Mithilfe der Nationalpark-Service gGmbH (NPS), die Eigentümerin und Verwalterin des Nationalpark-Zentrums ist, werden u.a. Förderprojekte zur fortlaufenden Reattraktivierung realisiert.
© Mike Schröder / LKN.SH
35. Multimedial vor Ort
Immer gut informiert: Fast eine Million Interessierte besuchen jährlich die rund 30 attraktiven Nationalpark-Häuser und -Stationen sowie das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum in Tönning. Hinzu kommen hunderte Info-Elemente an der Küste.
Wie wertvolle Perlen einer Kette reihen sich die rund 30 Nationalpark-Häuser und -Stationen entlang der Nordseeküste Schleswig-Holsteins auf. Getragen durch die Naturschutzverbände und die Nationalparkverwaltung lassen sie keine Fragen zum Nationalpark und Weltnaturerbe offen und gehen dabei auch auf lokale Aspekte des Wattenmeers vor ihrer Haustür ein. Die Nationalparkstiftung Schleswig-Holstein unterstützt immer wieder Projekte, um die Ausstellungen zum Beispiel multimedial zu gestalten und so attraktiv zu erhalten.
Zusätzlich informieren entlang der Küste hunderte von Tafeln und Pavillons die Nationalparkgäste. Dieses Besucher*innen-Informationssystem macht die Menschen vor Ort nicht nur auf Natur-Highlights und Erlebnispfade aufmerksam, sondern lenkt vor allem ihre Wege im Sinne des Nationalparks und seinen Schutzzielen.
© Martin Stock / LKN.SH
36. Lernerlebnis Watt
Global denken und lokal handeln, die eigene Zukunft aktiv gestalten. Die Umweltbildungsangebote der Nationalparkverwaltung orientieren sich an den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und helfen, genau das zu ermöglichen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein Prinzip, das Kindern und Erwachsenen zukunftsfähiges Denken und Handeln ermöglichen soll. Es geht darum, zu verstehen, welche Auswirkungen das eigene Handeln lokal und global hat. Bei der Nationalparkverwaltung als Anlaufstelle erhalten Lehrkräfte Unterstützung bei der Planung von Unterrichtseinheiten, praktische methodische Tipps und Fortbildungsangebote.
Im BNE-Sinne bringen Leihwerkstätten die Themen in die Schulen und ermöglichen forschendes, interaktives Lernen. Im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum gibt es weitere Bildungsangebote zu Themen wie Klimawandel und Schutz des Wattenmeers. In hauseigenen Laboren kann zu diesen Themen geforscht werden.
Bei den Junior Ranger Gruppen basiert die Begegnung mit der Natur der Wattenmeer-Region auf praktischen Tätigkeiten und emotionalem Erleben in der Natur. Die Junior Ranger*innen lernen ihre eigenen Zukunftsperspektiven zu entwickeln und sich für sie einzusetzen.
© Oliver Franke / LKN.SH
37. Watt für Kinder
Ein Nationalpark auch für Kinder und Jugendliche! Nationalpark-Kitas und -Schulen identifizieren sich besonders mit dem Nationalpark und verweben ihn in ihren pädagogischen Alltag.
Vier Kitas und über 20 Schulen sind mittlerweile Kooperationspartner des Nationalparks. Nationalpark-Kitas beschäftigen sich in ihrer pädagogischen Arbeit ganzheitlich und kreativ mit dem Nationalpark. Sie sind oft im Gebiet unterwegs und lernen die Natur vor ihrer Haustür mit allen Sinnen, viel Neugierde und Freude kennen. In den Schulen werden nationalparkbezogene Themen auf vielfältige Weise im Fachunterricht und Projekten aufgegriffen. Lehrkräfte nehmen an Netzwerktreffen teil und bekommen von der Nationalparkverwaltung attraktive Unterrichtsmaterialen.
Mit der neuen Wattkiste können Schüler*innen das Watt auf Exkursionen erleben und erforschen. Frei nach Erich Kästner wird der Unterricht so zum Lokaltermin. Anschließend präsentieren sie ihre Erlebnisse in der Nationalpark-Ecke. Das sind kleine, selbstgestaltete Lernausstellungen in der jeweiligen Schule. Kindertagesstätten und Schulen sind besondere Lernorte einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Die Nationalpark-Verwaltung unterstützt sie in dieser Funktion.
© Martin Stock / LKN.SH
38. Themenjahre setzen Schwerpunkte
Das Konzept der Nationalpark-Themenjahre hat sich als Gemeinschaftswerk der Öffentlichkeitsarbeit etabliert und ist zum medialen Erfolg geworden.
Seit 2017 wählt die Nationalparkverwaltung jährlich ein Nationalparkthema aus, das in den Fokus der Öffentlichkeitsarbeit gestellt wird. Nicht nur die Verwaltung und das Nationalpark-Zentrum, sondern auch zahlreiche Nationalpark-Partner und -Infoeinrichtungen organisieren ein Jahr lang vielfältige Veranstaltungen und Informations- und Bildungsangebote zum Themenjahr. Die Idee der Nationalpark-Themenjahre hat sich als Gemeinschaftswerk etabliert und ist zum medialen Erfolg geworden.
Die Auswahl des jeweiligen Themas wird in der Nationalparkverwaltung diskutiert und fundiert entschieden. Teilweise gibt es aktuelle Anlässe, wie Jubiläen (10 Jahre Weltnaturerbe, 40 Jahre Nationalpark) oder die Erweiterung der Biosphäre (2023). Zum Teil werden eher unbekannte Lebensräume oder Artengruppen des Nationalparks beleuchtet, wie die Unterwasserwelt (2024), Salzwiesen (2017) oder Muscheln und Schnecken (2018). Die Nationalparkverwaltung bündelt auf ihrer Website stets alle Angebote und Veranstaltungen zum aktuellen Themenjahr und versorgt viele Medien und Magazine mit Pressematerial.
Spätestens zur Jahresmitte kommen stets die ersten Nachfragen in Tönning an: „Wie lautet das nächste Nationalpark-Themenjahr?“. Seien Sie gespannt!
© Martin Stock / LKN.SH
39. Wissen weitergeben
Wer in seiner beruflichen oder ehrenamtlichen Funktion für den Nationalpark steht, weiß Bescheid über ihn und das Wattenmeer. Ein sehr umfangreiches Schulungsangebot steht allen Nationalpark-Akteur*innen zur Verfügung.
Für eine gute Vermittlung von Wattenmeer-Wissen braucht es engagierte Menschen, die über ein fundiertes Fachwissen verfügen. Die Besucher*innen der Region wissen es zu schätzen, wenn ihre Fragen kompetent beantwortet werden. Die Nationalparkverwaltung bietet spezielle Schulungen für den Naturschutz-Nachwuchs an. Wer sich als Bundesfreiwillige*r oder FÖJler*in (Freiwilliges Ökologisches Jahr) einsetzt, wird gut versorgt mit zahlreichen Seminaren zu den facettenreichen Themen rund um das Wattenmeer und den Nationalpark.
Besonders dicht dran an den Gästen der Region sind außerdem die Nationalparkführer*innen mit Ihren vielfältigen Veranstaltungen. Und auch die Nationalpark-Partner haben mit ihren Mitarbeiter*innen viele Gästekontakte. Bei dieser Aufgabe als Botschafter*innen des Nationalparks unterstützt sie die Nationalparkverwaltung ebenfalls mit passgenauen Schulungsveranstaltungen für Einsteiger*innen im Nationalpark-Zentrum Multimar-Wattforum und an wechselnden Orten für langjährige Partner*innen.
© Martin Stock / LKN.SH
40. Erzählen und Informieren
Was ist eigentlich ein Nationalpark? Was machen „die“ da überhaupt? Um die interessierte Öffentlichkeit mit Informationen rund um das Schutzgebiet zu versorgen, findet auf vielen Kanälen Öffentlichkeitsarbeit statt.
Wer in Schleswig-Holstein den Nationalpark Wattenmeer besucht, hat vielleicht viele Fragen: Welche Tiere gibt es hier? Was ist das für eine Pflanze? Warum darf ich nicht in die Düne und wieso darf meine Drohne hier nicht fliegen? Braucht die Robbe am Strand Hilfe und welche Veranstaltung kann ich als nächstes besuchen?
All diese Fragen zu klären und alle Interessierten mit Informationen zu versorgen, ist Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark: Die Homepage ist prall gefüllt mit tiefgehendem Hintergrundwissen und aktuellen Auskünften. Mehrmals im Jahr erscheinen die Nationalpark Nachrichten, die als Newsletter die Abonnenten mit Berichten zum Tagesgeschäft im Nationalpark versorgen. Auch über Instagram und Facebook erhalten die Nutzer*innen Einblicke in das wunderschöne Schutzgebiet. Ein wichtiger Baustein ist außerdem die kontinuierliche Pressearbeit zu aktuellen und allgemeinen Informationen zum Nationalpark und die regelmäßige Präsenz in vielen touristischen Magazinen.
Nicht zuletzt leisten die Ranger*innen und Freiwilligen, die täglich im Nationalpark unterwegs sind, wertvolle Öffentlichkeitsarbeit im täglichen Kontakt mit den Menschen vor Ort.
© Screenshot Instagram-Kanal
10 Herausforderungen
Diesen drängenden Themen stellen wir uns:
01. Natur Natur sein lassen - gemeinsam Lösungen finden
Der Nationalpark ist eines der größten Schutzgebiete Mitteleuropas, dessen wesentliches Schutzziel – Natur Natur sein lassen – dem Wildnisgedanken entspricht. Dazu gehört auch der Schutz vor gebietsfremden Arten. Gleichzeitig ist die Wattenmeer-Region vielen Menschen Heimat und Arbeitsplatz – zum Beispiel in der Fischerei oder Aquakultur. Naturschutz und Nutzer*innen müssen mögliche Nutzungskonflikte benennen und gemeinsam Lösungen finden.
Der Nationalpark weist, auch im bundes- und weltweiten Vergleich, seltene bis einzigartige Ökosysteme mit spezifischer biologischer Vielfalt auf und trägt dadurch eine besondere Verantwortung für deren Schutz. Zugleich gibt es in der Wattenmeer-Region aber auch Interessensgruppen, die das Gebiet unterschiedlich nutzen. Viele Menschen haben an der Küste ihr Zuhause, leben und wirtschaften hier. Traditionelle und moderne Nutzungsformen haben sich gehalten oder etabliert.
Eine besondere Herausforderung ist der Schutz der Unterwasserwelt, zum Beispiel der Bestände von Schweinswalen und Hummern. Der Meeresboden, so zum Beispiel auch Riffe als natürliche Lebensräume für Lebewesen unter Wasser, muss erhalten und entwickelt werden. Das gemeinschaftliche Herangehen an diese Nutzungskonflikte, insbesondere mit der Fischerei, birgt eine große Chance. Denn nur durch gegenseitiges Zuhören und kontinuierliche Gespräche können Lösungen gefunden werden, die für alle zufriedenstellend sind. Das ist die Grundlage, um die Zukunft im Nationalpark konstruktiv und nachhaltig zu gestalten.
© Martin Stock / LKN.SH
02. Klimakrise – Klimachance
Für das hochempfindliche Ökosystem Wattenmeer sind die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels zum Teil dramatisch. Gleichzeitig birgt dieses System Mechanismen zur Bekämpfung des Klimawandels.
Weltweit hat die rapide Änderung des Klimas dramatische Folgen. In einem empfindlichen Ökosystem wie dem Wattenmeer sind die Auswirkungen nicht minder folgenreich. Der Meeresspiegelanstieg bedroht langfristig das Wattenmeer in seiner Substanz. Das Watt und natürlich auch die Salzwiesen und Halligen müssen in die Höhe wachsen – und zwar schneller als der Meeresspiegel steigt. Die erhöhte Wassertemperatur hat Einfluss auf das Artenspektrum. Etablierte Arten müssen sich an die veränderten Gegebenheiten anpassen. Neue wärmetolerante Arten werden hinzukommen, andere Arten werden evtl. verschwinden.
Die Nationalparkverwaltung unterstützt Projekte zu Anpassungsstrategien an den Klimawandel im Wattenmeer und an den Küsten. Hier gilt es, gute Daten zu erheben, aus denen sich kluge Klimaschutz-Maßnahmen ableiten lassen. Gleichzeitig muss untersucht werden, welche Kapazitäten beispielsweise Salzwiesen haben, um CO2 aufzunehmen (Projekt EKOWA, gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz). Ausgedehnte Flächen im Nationalpark verfügen über diese Senkenfunktion. Sie helfen, das klimawirksame Gas zu binden und müssen daher geschützt werden. Dies birgt eine große Chance für den natürlichen Klimaschutz.
© Martin Stock / LKN.SH
03. Den permanenten Wandel beobachten - auf Gefährdungen reagieren
Das Ökosystem Wattenmeer ist geprägt von großer Dynamik und ständigem Wandel. Doch auch der Mensch trägt durch sein Verhalten zum Biodiversitätswandel bei. Es gilt, durch Monitoring frühzeitig Folgen zu erkennen und der Natur Rückzugs- und Ruheräume zu verschaffen.
Voller Enthusiasmus verfolgten Naturschützer*innen Anfang dieses Jahrhunderts, wie die Nordspitze von Norderoogsand in kurzer Zeit aus dem Meer aufstieg, sich Dünen und Salzwiesen bildeten und etliche Arten ansiedelten. So spannend kann natürliche Dynamik sein.
Doch genau diese große Dynamik, die das im Verhältnis zum Erdalter junge Ökosystem Wattenmeer prägt, kann auch zerstörerisch wirken. Besonders naturschutzfachlich zu begleiten ist der Wandel von Lebensräumen, Arten und ihrem Zusammenspiel, wenn menschengemachte Einflüsse zugrunde liegen. So führt der Anstieg der Meerwassertemperaturen dazu, dass zum Beispiel Fluss- und Küstenseeschwalben nicht mehr genug Nahrung für ihre Küken finden: Das passende Futter, kleine Heringe, ist wegen nördlicherer Laichgründe zur falschen Zeit am falschen Ort (ein sogenannter Mismatch).
Die Folgen des menschlichen Handelns und der Veränderungen müssen durch Monitoring frühzeitig erkannt und bewertet werden, um der Natur Rückzugs- und Ruheräume zu verschaffen. Auf diese Weise ist eine Anpassung an neue Gegebenheiten möglich und ein Artensterben zu verhindern.
© Christian Wiedemann / LKN.SH
04. Im Fokus des Energiebedarfs
Die Transformation hin zu erneuerbaren Energien ist notwendig für den Klimaschutz, muss aber so naturverträglich wie möglich gestaltet werden – zum Beispiel, indem bei der Anbindung von Offshore-Windparks ans schleswig-holsteinische Festland die Stromkabel auf nur einer Trasse gebündelt werden.
Der erforderliche Offshore-Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung geht auch am Wattenmeer nicht spurlos vorbei, auch wenn im Nationalpark die Errichtung von Windkraftanlagen gesetzlich verboten ist. Windparks jenseits der Schutzgebietsgrenze des Nationalparks Wattenmeer, sowohl an Land als auch im Meer, beeinträchtigen die Lebensgemeinschaften unter und über Wasser und gefährden zum Beispiel ziehende und rastende Vögel. Es gilt, die Beeinträchtigungen für die Natur auch weiterhin so gering wie möglich zu halten. Beispielsweise ist es in Schleswig-Holstein gelungen, die Stromleitungen für die Windenergieanlagen an das Festland auf einer Kabeltrasse zu bündeln, um so die Auswirkungen zu minimieren. Politische Bemühungen zahlen sich aus: So ist es trotz der vielfältigen Interessen gelungen, den Rückbau der im Wattenmeer liegenden Ölbohrplattform Mittelplate A bis 2041 festzusetzen. Wenn in bestimmten Meeresgebieten der Nutzungsdruck steigt, muss die Natur an anderer Stelle Rückzugs- und Ruheräume erhalten. Wenn nicht im Nationalpark und Weltnaturerbe – wo dann?
© Martin Stock / LKN.SH
05. Drehscheibe des afro-arktischen Vogelzuges erhalten
Die Vögel an der Nordseeküste prägen dieses Gebiet seit Jahrtausenden. Das Wattenmeer als Drehscheibe des Vogelzugs zwischen Arktis und Afrika ist ihre Lebensgrundlage und dadurch von globaler Bedeutung für den Schutz der Vogelarten. Durch Krankheitserreger und Lebensraumveränderungen geraten die Küstenvögel zunehmend in Bedrängnis.
Das schleswig-holsteinische Wattenmeer ist von größter Bedeutung für die Vogelwelt. Für Zugvögel auf dem Ostatlantischen Zugweg ist es überlebenswichtig. Ohne Auffüllung der Energievorräte sind die notwendigen Strecken zwischen arktischen Brut- und südlichen Überwinterungsgebieten nicht zu bewältigen. Brandgänse aus ganz Europa versammeln sich weit draußen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Sie benötigen störungsarme Bereiche beim Mausern. Und auch die Wattenmeer-Brutvögel finden hier riesige Nahrungsflächen, Brut- und Ruheplätze. Es ist Lebensraum und Lebensgrundlage für Millionen von Küstenvögeln.
Mittlerweile sind fast alle Arten von verschiedenen Veränderungen in diesem Lebensraum betroffen: Durch den Meeresspiegelanstieg verkleinern sich die trockenfallenden Flächen, die zur Nahrungssuche wichtig sind. In Zukunft wird es immer wichtiger, diese Lebensraumveränderungen auch im Zusammenwirken mit Krankheitserregern wie der Vogelgrippe auf die Populationen zu verstehen, um wirksame Maßnahmen zum Schutz der Küstenvögel daraus abzuleiten. Diese Maßnahmen müssen für die Arten und die jeweiligen Regionen passgenau entwickelt und durch Forschungserkenntnisse untermauert werden.
© Martin Stock / LKN.SH
06. Gefährdete Brutvogelarten schützen
Auch im Nationalpark sind die charakteristischen bodenbrütenden Vogelarten bedroht. In Einzelfällen werden daher gefährdete Brutvogelarten vor Prädatoren wie Wanderraten geschützt – besonders in Bereichen, die natürlicherweise nicht von (Land-)Säugetieren besiedelt sind.
Die Natur im Nationalpark soll sich ungestört entwickeln können. In besonders gelagerten Einzelfällen kann es zum Schutz besonders gefährdeter, ökosystemtypischer Arten Regelungen geben, wenn es gilt, die Natur im Sinne des Artenschutzes verantwortungsvoll zu unterstützen.
Werden Brutvögel durch ein massives Auftreten, beispielsweise von gebietsfremden Prädatoren wie Wanderratten oder Marderhunden bedroht, sind Maßnahmen zu ergreifen, um die Brutvogelbestände zu schützen. Der Prädationsdruck auf die Brutvögel wird durch ein gezieltes, effektives Management verringert. Als Grundsatz im Nationalpark gilt: Die Maßnahmen sind minimalinvasiv und situativ angepasst durchzuführen, sie sollen effizient sein und Störungseffekte vermeiden. Über ein Monitoring der Prädatoren und einem Set erprobter Methoden können dann spezifische Konzepte für ein Prädationsmanagement erstellt werden.
© Martin Stock / LKN.SH
07. Tourismus: Klasse statt Masse
Dass touristische Angebote auch nachhaltig sein sollen, wird zunehmend erwartet. Neben der Wirtschaftlichkeit berücksichtigen sie vermehrt ökologische und soziale Aspekte. Und das ist gut so – für die Natur und die touristische Wertschöpfung.
Viele Menschen besuchen täglich den Nationalpark und genießen Wind, Wellen, Watt und wilde Natur. Es ist schön, dass sich so viele für das Gebiet begeistern! Ob sportliche Aktivitäten, Naturbeobachtungen oder Entspannung – das Wattenmeer bietet vielfältige Möglichkeiten der Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Dabei ist es wichtig, dass Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen geschützt bleiben. Die Störung im Ökosystem Wattenmeer muss so gering wie möglich sein, damit es in gutem Zustand auch für nachfolgende Generationen erhalten bleibt.
Die Regelung von Natursportaktivitäten ist dabei ebenso wichtig wie die Förderung längerfristig angelegter Projekte, die sich damit befassen, wie touristische Angebote attraktiv und nachhaltig gestaltet werden können. Denn von nachhaltigem Naturtourismus profitieren Natur und Wirtschaft.
Im Biosphärenreservat stehen nachhaltiges Leben und Arbeiten besonders im Fokus. Viele richtungsweisende Ideen können hier entwickelt und erprobt werden.
© Nationalpark Vadehavet
08. Nationalpark-Erlebnis für alle
Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sollen sich alle Menschen wohl und willkommen fühlen. Denn Natur und Wildnis sind für alle da, die sie genießen und erleben möchten, ohne dabei die Schutzziele zu gefährden und zu verletzen.
Jedes Jahr besuchen Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen den Nationalpark an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Eine komplette Barrierefreiheit ist durch die Gegebenheiten vor Ort nicht immer möglich. Die Nationalparkverwaltung achtet jedoch darauf, das Besucher*innen-Informations-System und Führungen barrierearm zu gestalten.
Dieser Inklusionsansatz beinhaltet, dass viele Informationen schwellenfrei zugänglich sind. Auch auf die Gestaltung von Schrift und Sprache wird geachtet. Texte und Bilder auf der Website werden zunehmend so gestaltet, dass sie für alle Menschen les- und hörbar sind. Alle Menschen, die Interesse haben, sollen auch die Möglichkeit erhalten, sich über den Nationalpark zu informieren, ihn zu besuchen und seine Natur zu erleben.
© Martin Stock / LKN.SH
09. Naturerleben digital
Naturerlebnis und Umweltbildung via Monitor – wollen wir das wirklich? Digitalisierung im Bereich der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark Wattenmeer ist herausfordernd und wird kontrovers diskutiert, bietet aber ein enormes Potenzial in Ergänzung zu Naturerlebnissen draußen.
Digitalisierung ist im Bereich der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark Wattenmeer vordergründig ein Spannungsfeld, da es doch in diesem Lebensraum vor allem um die direkte Begegnung mit dem Ökosystem Wattenmeer geht. Natur sollte nicht via Monitor erlebt werden. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung für die Nationalparkverwaltung und ihre Angebote auf der einen und die vielen technischen Zugänge der Besucher*innen und Schüler*innen auf der anderen Seite eine enorme Chance, das Naturerleben zu ergänzen und zu vertiefen – sofern diese Möglichkeiten bewusst und durchdacht erstellt und eingesetzt werden.
Durch die digitale Erweiterung des Besucher*innen-Informations-Systems können zusätzliche, aktuelle und differenzierte Informationen integriert werden. Auch Bildungsangebote können interaktiver, spezifischer und inklusiver gestaltet werden. Über verschiedene Plattformen im Netz können bestimmte Zielgruppen erstmals auf den Nationalpark aufmerksam gemacht werden – zukunftsweisende Entwicklungsmöglichkeiten mit enormem Potenzial, die das Naturerlebnis im Watt nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.
© LKN.SH
10. Naturschutz in Krisenzeiten
Krisen prägen zunehmend das Weltgeschehen, trotzdem und gerade deshalb hat der Naturschutz hohe Bedeutung, denn eine artenreiche, leistungsstarke und widerstandsfähige Natur ist die Grundlage menschlichen Lebens auf der Erde.
Egal, ob der Blick in andere Länder oder in das eigene Land geht – manchmal ist es schwierig, ob der vielen Krisen klar in den Gedanken zu bleiben. Pandemie, Kriege, Populismus, Extremwetterereignisse – die Vielfalt der Krisen ist herausfordernd, oft verlaufen Eskalationen zeitgleich und bedürfen schneller Lösungen. Dem Naturschutz kommt bei dieser extremen Häufung von Krisen eine besondere gesellschaftliche Bedeutung zu. Denn eine intakte Umwelt ist Basis allen Lebens. Ohne die natürlichen Prozesse, die das Leben prägen, kann die Menschheit langfristig nicht überleben.
Daher bleibt die Arbeit der Nationalparkverwaltung von großer Relevanz. Eine möglichst intakte Umwelt ist die Grundlage für die Zukunft. Unabhängig davon, welche humanitären, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern sind, gilt es, etablierten Naturschutz zu bewahren und weiterzuentwickeln und einem möglicherweise sich veränderten Verständnis von Natur-und Klimaschutz entgegen zu wirken. Schließlich gelingt ein lebenswertes Leben nachkommender Generationen nur in einer intakten Umwelt.
© Archigymnasium Soest
