Schleswig-Holstein

Informationsfahrt ins Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue

Biosphärenfahrt 2025

Eine Gruppe interessierter Akteur*innen aus der Biosphäre Wattenmeer nahm sich Ende Juni 2025 ein Wochenende Zeit, um über den Tellerrand hinaus zu schauen: Zwei Menschen von der Hallig Oland, acht von Pellworm und zwei von der Verwaltung in Tönning besuchten das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.

Ziel war es, mit Akteur*innen eines anderen Biosphärenreservats ins Gespräch zu kommen und dabei die Vorstellung zu schärfen, wie die “Biosphäre Wattenmeer” in Zukunft gestaltet werden kann. Es wurde deutlich: Gemeinden, Bildungseinrichtungen, Gastronomie, touristische Anbieter, landwirtschaftliche Betriebe und Privatpersonen können alle auf ihre Weise dazu beitragen, eine Kulturlandschaft zu bewahren und Biosphäre mit Leben zu füllen.

Ein Bericht von Silke Wissel –

Biosphärenratsverwaltung
Entwicklungszone Pellworm

Gemeinsam mit Kolleg*innen von der dortigen Biosphärenreservatsverwaltung wurde ein vielfältiges Programm ausgearbeitet. Tobias Keienburg, der dort für nachhaltige Regionalentwicklung zuständig ist, begleitete die Wattenmeer-Delegation bei ihren Exkursionen, so dass die Gruppe viele Hintergrundinformationen aus erster Hand bekam. Besucht wurden Partnerbetriebe des Biosphärenreservats (analog zu den Nationalpark-Partnern bei uns im Wattenmeer) und ein landwirtschaftlicher Betrieb.

Umweltbildung & Ortsentwicklung in Konau

In Konau besuchten wir das Archezentrum, ein relativ neues Info-Zentrum des Biosphärenreservats. In der Gemeinde gibt es einige Arche-Höfe (also Höfe, die sich auf alte Sorten und Nutztierrassen spezialisiert haben), die Niederungen werden zum Beispiel mit Konik-Pferden und Auerochsen (Heckrindern) beweidet. Und so präsentiert die Ausstellung Informationen zu alten Apfelsorten, zu den Vorfahren unserer jetzigen Haustiere, und auch zu einer wolfsangepassten Tierhaltung. Sitzgelegenheiten drinnen am Kaffeeautomaten und draußen auf dem idyllischen Hof laden zum Verweilen ein, was gerne von Dorfbewohnenden und Radfahrer*innen des Elberadwegs genutzt wird.

Andreas Gehrke, der Bürgermeister der Gemeinde Amt Neuhaus, berichtete, wie es in Kooperation mit vielen Partnern und verschiedenen Fördertöpfen auch als Bedarfsgemeinde immer wieder gelingt, Projekte umzusetzen, die die Lebensqualität und Attraktivität der Ortsgemeinden zu steigern: Gemeinschaftliche Spielplatzplanung, attraktive Wanderwege, Schulhofumgestaltung. Und eben das Archezentrum. Sein Fazit: Alle Seiten müssen mitgenommen werden. Immer wieder. Auch, wenn das nicht immer einfach ist. Und auch, wenn die politischen Meinungen auseinandergehen. Zum Abendessen gab es dann später Würstchen von Auerochsen und Sattelschweinen aus Konau, sehr lecker!

Ein altes, großes Fachwerkhaus mit hinführender Allee und Menschen vor der Tür.
Archezentrum in Konau.

© J. Bursch/KTS Pellworm

Landwirtschaft & Naturschutz in der Elbtalaue

Nach einer gemütlichen Mittagspause in einem idyllischen Bauerngarten besuchten wir die Agrargesellschaft Krusendorf. Der landwirtschaftliche Betrieb mit 400 Milchkühen bewirtschaftet viele Flächen in den niedrigen, eher feuchten Elbauen, die als Kern- und Pflegezone des Biosphärenreservats besonders geschützt sind. Wasserstandsschwankungen und landwirtschaftliche Nutzung haben arten- und blütenreiche Wiesen entstehen lassen. Naturschutz und Landwirtschaft arbeiten eng zusammen, um eine Bewirtschaftung im Sinne des Naturschutzes zu fördern und zu unterstützen.

Die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Biosphärenreservatsverwaltung und engagierten landwirtschaftlichen Betrieben wurde in den Gesprächen vor Ort sehr deutlich. Ohne Biosphäre wäre die Bewirtschaftung wohl inzwischen intensiver, waren sich unsere Gesprächspartner*innen einig, es gäbe mehr Grünlandumbruch und Maisanbau in den Niederungen.

Gruppe steht im Kreis in einem großen Kuhstall. Kühe fressen seitlich hinter einer Begrenzung.
Besuch bei der Agrargesellschaft Krusendorf.

© Silke Wissel / LKN.SH

Deutsche Geschichte am Kulturdenkmal “Dömitzer Eisenbahnbrücke”

Der nächste Halt war das Kulturdenkmal „Dömitzer Eisenbahnbrücke“. Hier wird die deutsche Geschichte lebendig. In den Kampfhandlungen der letzten Tage des 2. Weltkriegs wurde der Brückenteil über der Elbe zerstört und aufgrund der deutschen Teilung nicht wieder aufgebaut. Auf der niedersächsischen Seite ragt immer noch das imposante Bauwerk bis weit in die Auen hinein. 2023 wurde die Brücke über einen Aussichtsweg wieder zugänglich gemacht und erlaubt einen sehr guten Blick in die typische Auenlandschaft.

Hier beschäftigten wir uns unter anderem mit einer Besonderheit des Biosphärenreservats: Es ist Teil des länderübergreifenden Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe, das neben Niedersachsen auch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt umfasst. Jedes Bundesland hat seine eigene Verwaltung, die sich regelmäßig austauschen und auch gemeinsame Projekte starten, aber auch die eigenen Besonderheiten und Themen bearbeiten.

Gruppe auf einer Brücke mit weiter Auenlandschaft im Hintergrund.
Biosphären-Reisegruppe auf der Dömitzer Eisenbahnbrücke.

© LKN.SH

Tourismus, Naturerleben und Biosphären-Partnerschaft in Sammatz

Am Sonntag gab es noch einen eindrücklichen Stopp: Der Michaelshof in Sammatz. Der Hof ist Wohn- und Arbeitsort von über 100 Menschen, die gemeinsam eine Dorfgemeinschaft bilden. Ein Arche-Bauernhof und eine Meierei versorgt die Bewohner*innen sowie das eigene Café und Restaurant, ein toller Spielplatz und das ausgedehnte Garten- und Parkgelände laden zum Verweilen und Entdecken ein. Es werden Workshops und Kurse rund um Natur und Landwirtschaft angeboten, es gibt musikalische Events und Kunstprojekte. Freiwillige aus aller Welt unterstützen bei allen anstehenden Aufgaben und Projekten. Was vor vielen Jahren mit zwei Familien und einer kleinen Landwirtschaft startete, ist zu einer großen Gemeinschaft und einem touristischen Highlight in der Region geworden.

Der Michaelshof ist ein Biosphären-Partner (was bei uns die Nationalpark-Partner sind), und es war spannend für die Delegation aus dem Wattenmeer, über Tourismus ins Gespräch zu kommen. Wir wären gerne länger geblieben, doch es galt, rechtzeitig zur letzten Fährabfahrt nach Pellworm wieder zurück zu sein.

Herrliches Sommerwetter und wunderschöne Landschaft haben natürlich zu einer guten Stimmung in der Reisegruppe beigetragen. Das Programm war aber auch rundum informativ, beeindruckend und motivierend. Nicht nur wurde die Lust auf den Elberadweg geweckt. Es wurde auch immer klarer, wie es gehen kann, Biosphäre zu leben und mit Leben zu füllen. Da werden wir gemeinsam etwas draus machen! Wir freuen uns drauf!

Silke Wissel,
Biosphärenratsverwaltung Entwicklungszone Pellworm

Gruppe schaut sich idyllischen Garten an.
Eindrücke vom Michaelshof in Sammatz.

© Silke Wissel / LKN.SH

Offener Kuhstall. Kühe strecken die Köpfe durch ein Gitter und grasen.
Eindrücke vom Michaelshof in Sammatz.

© Silke Wissel / LKN.SH

Blick über einen idyllischen See auf einen Spazierweg unter hohen Bäumen.
Eindrücke vom Michaelshof in Sammatz.

© Silke Wissel / LKN.SH