Brandseeschwalbe

(Thalasseus sandvicensis)

Brandseeschwalben sind elegante Flugakrobaten, die sich im Sturzflug in den Priel stürzen, um hier kleine Fische zu jagen. Als Brutvögel sind sie in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Im Wattenmeer brüten verschiedene Seeschwalben-Arten – unter anderem die Brandseeschwalbe (Thalasseus sandvicensis). Diese an ihrer schwarzen Kopfkappe, dem schwarzen Schnabel mit gelber oder heller Spitze und stark gegabeltem Schwanz zu erkennenden Seeschwalben kommen etwa Ende März in das Wattenmeer.

Brüten in Kolonien

Sie bleiben nur wenige Monate, um hier ab etwa Mitte Mai am nur spärlich bewachsenen Rand der Salzwiesen, im Sand der Vordünen (Primärdünen) oder auf kleinen Inseln wie Norderoog zu brüten. Ihre Nester legen Brandseeschwalben in Kolonien an, oft in der Nähe von anderen brütenden Seeschwalben-Arten oder auch Lachmöwen. Da sie nur ein bis zwei Eier legen, ist das Überleben der Küken umso wichtiger, um den Bestand zu erhalten und damit die genetische Vielfalt zu sichern.

Schon etwa Ende Juli/August ziehen die brütenden Brandseeschwalben des Wattenmeers wieder gen Süden. Die Brutvögel Skandinaviens ziehen von Juli bis etwa September durchs Wattenmeer, um Kraft zu tanken für den Weiterflug in Richtung Afrika.

Jagd im Sturzflug ins Wasser

Zur Beute der Brandseeschwalben gehören Jungfische der im offenen Wasser schwimmenden Fischarten und Schwarmfische wie der Kleine Sandaal, Sprotten oder auch Heringe. Ihre gefiederten Jäger fliegen langsam in mehreren Metern Höhe über die Wasseroberfläche. Oft stehen sie still in der Luft und „rütteln“, bis sie ihre Beute entdeckt haben. Dann stoßen sie herab, tauchen nur kurz unter die Oberfläche, maximal 2 Meter tief, und schnappen sich ihre Beute, bevor sie sich damit wieder in die Luft erheben. Üblicherweise wird dabei nur ein Fisch erbeutet. Der Jagderfolg hängt von Häufigkeit, Größe, Sichtbarkeit und Tiefe der Beutefische, aber auch vom Alter und der Erfahrung des Vogels ab. Brandseeschwalben sind tagaktiv. Während der Jungenaufzucht fischen sie meist während des ganzen Tages, verstärkt nach Sonnenaufgang, nachmittags und am Abend.

Auf kleine Fische angewiesen

Seeschwalben haben sich auf diese Art der Jagd spezialisiert und sind auf das Vorkommen solcher energiereichen Fische angewiesen. Sie können zwar auf andere Fischarten oder Kleinkrebse ausweichen, aber nur bis zu einem gewissen Grad, da sie nur Tiere an der Wasseroberfläche erbeuten. Ein Verlust ihrer Nahrungstiere bedeutet unweigerlich ihr Verhungern. Können die Eltern ihre Küken nicht versorgen, weil sie zu wenig Fisch erbeuten, verhungern diese. Mit dem Alter der Küken werden die Fische größer und das Artenspektrum erweitert sich.

Ihre Nahrung finden Brandseeschwalben bei ausreichender Verfügbarkeit in den nahegelegenen Prielen. Hier jagen sie insbesondere während der Aufzuchtzeit ihrer Küken. Sie unternehmen aber auch weite Beutezüge, häufig in 24 bis 30 Kilometern Entfernung von der Brutkolonie. Für einige Kolonien im Weltnaturerbe Wattenmeer wurden sogar gemittelte maximale Entfernungen von bis zu 60 Kilometer festgestellt Je weiter die Vögel fliegen müssen, desto Energie-zehrender wird die Nahrungssuche, desto mehr müssen sie wiederum selbst fressen.

Etliche Brandseeschwalben in der Salzwiese am Meer. Dazwischen Lachmöwen.
Brandseeschwalben brüten in dichten Kolonien in der Nachbarschaft anderer Seeschwalben oder auch Lachmöwen.

© Martin Stock / LKN.SH

Unter Druck

  • Als Brutvogel in Deutschland vom Aussterben bedroht

    Die Brandseeschwalbe brütet an der Ostsee und im Wattenmeer. Als Brutvogel ist sie laut Roter Liste der gefährdeten Brutvögel Deutschlands vom Aussterben bedroht. Die Entwicklung der Bestände im Niedersächsischen und im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer ist dabei aktuell unterschiedlich.

    Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer nahm der Bestand zuletzt weiter ab. Aktuell brüten selbst auf Norderoog, dem letzten Standort einer Kolonie in Schleswig-Holstein bis 2024, keine Brandseeschwalben mehr.

    Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist die Zahl der Brutpaare nach den Ausbrüchen der Vogelgrippe im Zuge großräumiger Umverteilungen der Brutschwerpunkte im Verbreitungsgebiet seit 2024 gestiegen – mit Rekordbeständen auf Minsener Oog.
    Wie entwickeln sich die Brutvögel im dänisch-deutsch-niederländischen Wattenmeer? Bericht zu Trends aus den Daten von 1991 bis 2023 (auf Englisch)

Brandseeschwalbe fliegt mit kleinem Fisch im Schnabel. Im Hintergrund Strand und Watt unscharf.
Sandaale, Sprotten und Heringe gehören zur bevorzugten Beute der Brandseeschwalben.

© Martin Stock / LKN.SH

Brandseeschwalbe mit einem Fisch im Schnabel.
Brandseeschwalben fliegen 30 km auf die Nordsee hinaus, um Fische für sich und ihren Nachwuchs zu jagen.

© Leander Khil

Fliegende Brandseeschwalbe mit drei Fischen im Schnabel.
Volltreffer! Meist erbeuten Brandseeschwalben mit ihrer pfeilschnellen Jagd aber nur einen Fisch.

© Sven-Erik Arndt / LKN.SH