Niedersachsen

UNESCO-Biosphärenregion Niedersächsisches Wattenmeer

Einrichtung einer Entwicklungszone

Nachhaltige Entwicklung gemeinsam gestalten

Die Kulturlandschaft an der niedersächsischen Küste ist prädestiniert für die Erprobung zukunftsfähiger und innovativer Lösungsansätze vielfältiger wirtschaftlicher, ökologischer und soziokultureller Herausforderungen.

Das UNESCO-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer liegt derzeit vollständig außendeichs (grün und rot). Der Suchraum zur Erweiterung der Entwicklungszone des Biosphärenreservats umfasst die Flächen der niedersächsischen Insel- und Küstengemeinden (beige).

Nachhaltige Entwicklung gemeinsam gestalten

Das UNESCO-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer umfasst derzeit mit seiner großen Kern- und Pflegezone das Gebiet des gleichnamigen Nationalparks in dessen Grenzen von 1986. Hier steht der Schutz der Natur im Vordergrund, die durch den Nationalpark geschützt und von der UNESCO als Weltnaturerbe-Stätte ausgezeichnet worden ist. Daran angrenzend soll auf den Inseln sowie binnendeichs auf dem Festland die Entwicklungszone des UNESCO-Biosphärenreservates entstehen und – entsprechend ihrer Funktion – beispielhaft zukunftsfähige Lebens- und Kulturräume für die nachfolgenden Generationen entwickeln helfen.

Die Küsten-Kommunen und die im Suchraum für die Entwicklungszone lebenden und arbeitenden Menschen sind eingeladen, sich in den seit 2019 laufenden Prozess zur Einrichtung der Entwicklungszone einzubringen. Thematische und Kommunale Arbeitsgruppen entwickeln derzeit in einem umfassenden Beteiligungsprozess Ziele, Maßnahmenideen und Projektvorschläge zur Gestaltung der Entwicklungszone. Hierbei werden auch bestehende Initiativen und Projekte zur Nachhaltigkeit aufgegriffen. Die Kommunen entscheiden auf freiwilliger Basis, ob sie Teil der Entwicklungszone des UNESCO-Biosphärenreservats werden wollen.

Faktencheck zur Erweiterung der Entwicklungszone

Die Idee des Biosphärenreservats wird nicht durchgehend als Chance für die Region begriffen, sondern ist teilweise auch mit Vorbehalten und Befürchtungen behaftet. Dieser Faktencheck geht auf kritische Fragestellungen zur Erweiterung des UNESCO-Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer ein, um mögliche Missverständnisse auszuräumen. Weiterführende Informationen bieten die Kompaktinformationen und die FAQ-Liste.

Auszeichnungen sind keine Belastung. Vielmehr ergänzen die drei Gebietskategorien einander: Das Wattenmeer ist als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt wegen seiner einzigartigen Natur, die durch den Nationalpark geschützt wird. Das UNESCO-Biosphärenreservat verbindet diese Schutzfunktion mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Wattenmeer-Region: Biosphärenreservate sind gemäß dem UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Drei Gründe für Stolz auf die Heimatregion.

Nein. Beim UNESCO-Biosphärenreservat handelt es sich um eine Auszeichnung durch das MAB-Programm und nicht um ein Biosphärenreservat gemäß § 25 des Bundesnaturschutzgesetzes.

In der entstehenden Entwicklungszone des UNESCO-Biosphärenreservats steht der Mensch im Mittelpunkt: Die Bürger:innen und Kommunen sind eingeladen zur Erprobung von modellhaften Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung.

Nein. Die Schutzfunktion des UNESCO-Biosphärenreservats wird in der Kern- und Pflegezone bereits durch den Nationalpark erfüllt. Weitere Unterschutzstellungen in der zu errichtenden Entwicklungszone sind weder vorgesehen noch erforderlich.

Bislang (Stand 19.02.2021) haben Sande, Schortens, Zetel und die Samtgemeinde Hage beschlossen, Teil der Entwicklungszone des Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer zu werden. In weiteren Gemeinden befinden sich entsprechende Beschlussvorlagen in der Befassung der kommunalen Gremien.

Nein. Das Planungsrecht der Kommunen wird durch einen Beitritt zur Entwicklungszone nicht berührt oder gar eingeschränkt. Die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats ist gesetzlich nicht dazu befugt, in die kommunalen Planungsrechte einzugreifen.

Die Auszeichnung als Auszeichnung als UNESCO-Biosphärenreservat bringt keine Auflagen mit sich, dafür viele Optionen. Mit einem Arbeitsprogramm, das Projektvorhaben und Ideen zur nachhaltigen Entwicklung beinhaltet, setzt jede Gemeinde dabei ihre eigenen Schwerpunkte. Diese können z.B. im Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten für Produktion und Vertrieb regionaler Produkte, sozial- und umweltverträglichen Tourismus oder nachhaltiger Mobilität liegen.

Vorteile eines Beitritts zum UNESCO-Biosphärenreservat lassen sich mit folgenden Begriffen beschreiben:

  • Image – Teil einer im Weltmaßstab anerkannten Kulturlandschaft zu sein, bedeutet höhere Anziehungskraft sowohl für Tourist:innen als auch für Zuzügler:innen und fördert eine Wertschöpfung über regionale Produkte.
  • Bewusstsein – Teil einer anerkannten Modellregion für nachhaltige Entwicklung zu sein, heißt auch Teil einer zukunftsorientierten Verantwortungsgemeinschaft zu sein, die Lösungen für globale Probleme entwickelt und Veränderungen optimistisch angeht.
  • Identität – Die Besonderheiten der regionalen Kultur erfahren eine weithin sichtbare Anerkennung und Wertschätzung und stärken die Verbundenheit mit der Region.
  • Förderung – Projekte für eine nachhaltige Entwicklung werden durch viele Förderprogramme unterstützt, z.B. der Richtlinie „Landschaftswerte“. Das Prädikat „UNESCO-Biosphärenreservat“ bietet bei der Beantragung von Fördermitteln Vorteile.

Die jeweiligen Kooperationsvereinbarungen zwischen der Verwaltungsstelle und den Gemeinden basieren auf einem allgemeinen Teil und einem individuellen Arbeitsprogramm zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten. Grundsätzliche Verpflichtungen sind dabei:

  • Beitritt zur Entwicklungszone als Gebietskörperschaft
  • Beteiligung an der Erstellung eines Rahmenkonzepts innerhalb von drei Jahren nach der Anerkennung.

Rechtliche Verpflichtungen zur Erreichung konkreter Ziele gibt es nicht.

Nein. Eher ergänzen das Biosphärenreservat und der „Niedersächsische Weg“ einander. Letzterer ist eine Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik über konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz. Ausgewählte Maßnahmen könnten z.B. im Rahmen des Biosphärenreservats modellhaft umgesetzt werden.

Nachhaltige Entwicklung, wie sie im Biosphärenreservat gefördert werden soll, beschränkt sich nicht nur auf die Landnutzung, sondern umfasst auch weitere Themenfelder wie Klimawandel, Energie, Mobilität, Bildung, Tourismus, kulturelle Identität oder Konsum.

Ja. In den Kooperationsvereinbarungen, die die teilnehmenden Kommunen mit der Biosphärenreservat-Verwaltung abschließen, ist eine direkte Austrittsmöglichkeit vorgesehen. Faktisch erfolgt sie nach einem solchen Beschluss durch „Ruhenlassen“ sämtlicher gemeinsamer Aktivitäten.

Austritte von Kommunen hat es in den 16 UNESCO-Biosphärenreservaten in Deutschland bisher nicht gegeben.

Fördermittel werden für individuelle Projekte im Sinne der jeweiligen Förderrichtlinien zugesagt und sind entsprechend zu verwenden. Das bedeutet, dass Projekte im Sinne der hierüber getroffenen Vereinbarungen durchzuführen sind. Ein Austritt aus dem Biosphärenreservat würde nichts an diesen Vereinbarungen nicht ändern.

Wattenland – Erweiterung der Biosphärenregion Niedersächsisches Wattenmeer

Das Projekt „Wattenland“ der Biosphärenreservatsverwaltung verbindet die konzeptionelle Arbeit mit partnerschaftlich verbundenen Kommunen und die parallele praktische Umsetzung von Vorhaben zur Stärkung der Biodiversität in den Kommunen mit dem Ziel, das UNESCO-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer um Entwicklungszone zu erweitern.

Das Projekt „Wattenland“ wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen der Förderrichtlinie “Landschaftswerte” gefördert.