Niedersachsen

Fragen und Antworten zur Heidepflege in Cuxhaven

Ab August 2026 werden umfangreiche Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zum Erhalt der Küstenheide in Arensch und Duhnen durchgeführt.

Die Bedeutung der Küstenheide in Arensch und Duhnen

Küstenheiden sind ein durch den Einfluss des Meeres sowie einer langen Nutzungsgeschichte ein ganz besonderer, seltener Lebensraum mit zahlreichen besonderen Tier- und Pflanzenarten von europaweiter Bedeutung.

Arensch und Duhnen beherbergen je ein auf dem Geestkliff liegendes Gebiet, welches mit Besenheide (Calluna vulgaris) und Krähenbeere (Empetrum nigrum) bewachsen ist, was eine Besonderheit im unmittelbaren Küstenraum Niedersachsens darstellt.

Die Küstenheide in Arensch ist 4 ha, die in Duhnen 32 ha groß. In Duhnen reicht die Heide in etwa vom Aussichtsturm südlich bis zum Weg mit der Baumallee und östlich bis zum dem Scharmoorweg.

In Duhnen ist die Heide anthropogen, d.h. durch den Menschen entstanden, ähnlich wie die bekannte Lüneburger Heide, die aus einer Bewirtschaftung bzw. Übernutzung von Wäldern entstand.

Sie ist ein einzigartiger Lebensraum, den es am Festland so nur in Arensch und Duhnen gibt. Kleinere Flächen existieren auch auf Wangerooge und Borkum. Sie werden von vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten bewohnt. Heideflächen der atlantischen (biogeografischen) Region in Küstennähe bieten diesen Arten ein seltenes Refugium.

In der Arenscher Heide finden Zaun- und Waldeidechse sowie die Kreuzotter einen Lebensraum. In der Duhner Heide ist von diesen Arten bisher nur die Waldeidechse nachgewiesen.

Die Heide in Arensch/Duhnen bildet ein Mosaik aus verschiedenen Lebensräumen, die es zu erhalten gilt. Dazu zählen neben den Heideflächen trockene Sandgrasfluren, feuchte Senken, kleine Gewässer und Tümpel.

Direkt an der Küste bietet die Heide Duhnen die Möglichkeit des Naturerlebens „Heide“ in dieser Vielfalt und Dimension. Die Heide kann von Besucher*innen zu Fuß zur ruhigen Erholung genutzt werden. Insbesondere während der Heideblüte im Hochsommer (Juli/August) bietet sie ein besonderes ästhetisches Erlebnis.

Bedarf an Landschaftspflege

Die Heide ist durch Verbuschung gefährdet, da die Besenheide viel Licht benötigt. Durch Gehölze wird die Besenheide beschattet und verliert ihren Wuchsraum.

Besenheide ist mehrjährig und verholzt mit zunehmendem Alter, dann werden zudem weniger Blüten ausgebildet. Um möglichst vitale Bestände zu erhalten, werden vegetationsfreie Sandstellen benötigt, damit die Heide sich über Samen ansiedeln kann und junge, blütenreiche Bestände bildet. So bleibt eine diverse Altersstruktur in der Heidepopulation erhalten.

Sie fokussiert nicht auf einzelne Arten. Es geht darum, die Heidelandschaft als Mosaik von verschiedenen Lebensräumen wie nasse Senken, Tümpel, trockene Sandfluren, als auch eben die Heidebestände – mit ihren standorttypischen Arten – zu fördern.

Nein. Durch die Pflegemaßnahme werden vor allem gebietsfremde Gehölze entfernt, die keinen heidetypischen Lebensraum darstellen. Aufgrund ihrer ökologischen Fremdartigkeit sind sie beispielsweise für Insekten nur von geringer Bedeutung, da jene auf die heimischen Pflanzenarten angepasst sind.

Im Gegenzug fördert die Maßnahme den einzigartigen Lebensraum Heide und die von ihm abhängigen spezialisierten, typischen und heimischen Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark.

Aufgrund ihrer Bedeutung ist der Schutz der Küstenheiden europaweit verankert und die EU-Mitgliedstaaten haben sich dazu verpflichtet, diese Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln.

Nein. Die Maßnahme findet außerhalb der Brutzeit der Vögel statt. Durch die Maßnahme entsteht wieder eine offenere Landschaft, die die Brutmöglichkeiten für Arten wie Heiderlerche, Nachtschwalbe oder Brandgans fördert.

Im Naturschutz gibt es drei verschiedene Ansätze im Umgang mit Flächen: loslassen (Natur Natur sein lassen), gestalten (renaturieren) und bewahren (pflegen). Im Nationalpark steht Loslassen großflächig im Vordergrund, während gestalterische Maßnahmen auf temporäre Renaturierungs-Maßnahmen beschränkt bleiben, um einen Impuls zu geben für eine natürlichere Entwicklung. Die Landschaftspflege erfolgt nur auf sehr kleinen Flächen und nur wenn pflegeabhängige Lebensräume, wie es Heiden sind, betroffen sind. Hier liegt eine Sondersituation vor, da die Heide eine besondere Landschaft darstellt, die ohne menschliche Eingriffe verschwinden würde. Dies möchte die Nationalparkverwaltung in diesem Fall in Verantwortung für die Heide verhindern.

Die Calluna-Küstenheiden im Nationalpark sind kulturhistorische Landschaften, die nicht ausschließlich durch natürliche Prozesse entstanden sind. Da sie jedoch einen einzigartigen Lebensraum aus überregionaler Perspektive darstellen, wird hier auf kleinster Fläche vom klassischen Prinzip eines Nationalparks abgewichen, um der europäischen Verantwortung um ihren Erhalt gerecht zu werden.

Aktuelle Maßnahmen

  • In der Küstenheide Arensch unmittelbar südlich des NLWKN Betriebshofes.
  • In Duhnen etwa zwischen dem Gelände der ehemaligen Heliosklinik und im Norden bis etwa zum Aussichtsturm am sogenannten Dünenweg.

Die Heide wird in der gesamten Fläche bearbeitet, allerdings in unterschiedlicher Intensität. Diese richtet sich danach, wo welche Gehölze stehen, die entfernt werden

  • Mindestens 60 Werktage
  • Für die Pflege wird mit einer Arbeitszeit von etwa 2-3 Monaten gerechnet.

Nein, vor Beginn der Arbeiten sind keine weiteren Vorbereitungen in der Fläche umzusetzen.

Während der Pflegemaßnahme wird parallel eine sogenannte maßnahmenbegleitende Kampfmittel-Sondierung durchgeführt, um eventuell, meist kleinere, Kriegsaltlasten wie zum Beispiel Munition oder Granaten zu finden und diese direkt unschädlich zu machen.

Ziel ist es, gebietsfremde Gehölze vollständig zu entfernen. Dazu zählen u.a. Arten wie die Kartoffelrose, die ihren Ursprung in Asien hat, und die Späte Traubenkirsche, die aus Nordamerika stammt. Diese invasiven Arten können sich stark ausbreiten. Daher wäre eine teilweise Entfernung nicht ausreichend.

Damit die Heide günstige Wuchsbedingungen hat, soll der Gehölzbestand insgesamt reduziert werden. Die Konzeption der Maßnahmen wurde durch die Nationalparkverwaltung in einem Pflege- und Maßnahmenplan ausgearbeitet.

Mit einem speziell dem Gelände angepassten Bagger werden die Gehölze entfernt: Je nach Gehölzart entweder bodennah abgesägt, ausgegraben oder herausgezogen.

Weitere Fragen

Während der Pflege- und Entwicklungsmaßnahme sind keine größeren Einschränkungen für Besucher zu erwarten. Temporär können einzelne Wege für wenige Stunden nicht begehbar sein, während die Fahrzeuge/Maschinen diesen Weg nutzen müssen.

Um Tiere und Pflanzen so wenig wie möglich zu stören, müssen die vorhandenen ausgewiesenen Wanderwege in der Ruhezone Duhnen genutzt werden.

Hunde sind unabhängig von der Maßnahme in der Zwischen- wie in der Ruhezone ganzjährig an der Leine zu führen.

Aufgrund des Umfangs der Maßnahme ist die Ausführung von Hand weder leistbar noch zielführend: Der Erfolg wäre geringer, da der Boden nicht so tiefgründig bearbeitet werden kann.

Die Beeinträchtigungen des Gebiets wären durch das manuelle Ausgraben viel größer, da der Sand immer wieder nachrutscht und nicht wie durch eine Baggerschaufel mit einem Hub entnommen werden kann.

Man würde über viele Jahre diese Arbeiten mit großem Aufwand durchführen müssen. Zudem ist vieles per Hand kaum noch zu leisten, weil gar nicht so viele Helfer*innen zur Verfügung stehen.

Reptilien, wie Zaun- und Waldeidechse, aber auch die Kreuzotter in Arensch halten Winterruhe, sobald die Temperaturen niedriger werden. Damit sind sie nicht mehr fluchtfähig und würden dem Bagger und anderen Fahrzeugen zum Opfer fallen.

Zwischen Brutzeit der Vögel und Winterruhe der Reptilien bleibt nur ein kleiner Zeitraum, in dem die Arbeiten umgesetzt werden können.

Nasse Bodenbedingungen im Herbst/Winter werden gemieden, um die Beeinträchtigungen bestehender Heide und Sandtrockenrasen und des Bodens möglichst gering zu halten.

Ausblick

Tiere bringen immer von außerhalb wieder Samen in die Gebiete hinein. Doch sollen die dann aufkommenden Gehölze in einem frühen Stadium in jährlichen Einsätzen von Freiwilligen entfernt werden.

Im Nationalpark wurde in anderen Heidegebieten bereits vegetationsfreier Sandboden geschaffen. Die Besenheide hat sich sehr gut aus den benachbarten Beständen heraus angesiedelt. Von der Maßnahme haben weitere typische Pflanzenarten profitiert, wie zum Beispiel die Hirse-Segge (Carex panicea) oder das Borstgras (Nardus stricta).

Der Erfolg früherer Maßnahmen zeigt, dass mit den 2026 geplanten Maßnahme die Heide in ihrer Vitalität nachhaltig verbessert werden kann.

Um den Erfolg zu dokumentieren und zu kontrollieren, wird die Nationalparkverwaltung ein Monitoring (= Dauerbeobachtung) der Vegetation durchführen; zunächst jährlich, dann in größeren Abständen.

Nachhaltig? Ja, aber: Die Vegetation entwickelt sich auch nach der Maßnahme weiter, so dass sich im Laufe der Zeit wieder Gehölze ansiedeln werden. Durch die Pflegeeinsätze von Hand z. B. durch Freiwilligengruppen kann die Verbuschung aber erheblich verlangsamt werden.

Wahrscheinlich ist etwa alle 20 Jahre eine größere (maschinelle) Pflege- und Entwicklungsmaßnahme erforderlich, um diesen Lebensraum zu erhalten.

Durch die Landschaftspflege entsteht wieder eine typische offene, fast gehölzfreie Küstenheide.

Nach spätestens zwei Jahren werden sich bereits Pionierarten angesiedelt haben, so dass zwar noch viel freier Sand vorhanden sein wird, doch das erste Grün wieder zu erkennen ist. Reichblühende Besenheide ist bereits ab dem vierten Jahr zu erwarten.

Heidepflege bleibt – in Arensch/Duhnen wie anderswo auch – eine Daueraufgabe. Eine Nachpflege wird aufgrund der Ausbreitung von Gehölzen immer wieder erforderlich sein, allerdings in deutlich geringerem Umfang als bisher.

Eine Nachpflege durch Beweidung mit Schafen und Ziegen durch eine Schäferei erfolgt. Doch dies allein ist nicht ausreichend.

Die Nationalparkverwaltung hat gute Erfahrungen mit ähnlichen Pflegemaßnahmen gemacht. In den Nachbarländern (Belgien, Niederlande, Dänemark) wurden entsprechende Pflegemaßnahmen bereits in großem Stil erfolgreich in Dünen umgesetzt.

Es werden aufwändigen Maßnahmen zum Erhalt der Heide umgesetzt, da vorangegangene Heide-Pflegemaßnahmen positive Ergebnisse erbracht haben und die Naturschutz-Ziele erreicht wurden. Das Für und Wider wurde sorgfältig abgewogen und auch mit Fachkolleg*Innen der Küstenheiden in Belgien, den Niederlanden und Dänemark erörtert.

Akteure

Die Nationalparkverwaltung (mit Sitz in Wilhelmshaven) ist Träger der Maßnahme. Sie wird vor Ort unterstützt durch die Stadt Cuxhaven. Das Wattenmeer-Besucherzentrum in Sahlenburg leistet einen wesentlichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Heidepflege.

  • Die Gehölzentfernung erfolgt durch ein Lohnunternehmen.
  • Eine Kampfmittel-Bergungsfirma wurde mit der begleitenden Kampfmittel-Sondierung beauftragt.

Weil die Arbeiten im Nationalpark stattfinden, werden an die Qualifikation der Betriebe erhöhte naturschutzfachliche Anforderungen gestellt. Es dürfen bspw. nur Bagger zum Einsatz kommen, die über schonende breite Ketten verfügen, damit der Boden und die Pflanzendecke so gering wie möglich geschädigt werden.

Die Maßnahme wird aus dem Förderprogramm „Erhalt und Entwicklung der Biologischen Vielfalt“ mit Mitteln der EU und des Landes Niedersachsen finanziert. Fördermittelempfänger ist die Nationalparkverwaltung. Folgekosten sind für manuelle Nachpflege sind in den ersten Jahren im Projektbudget eingeplant.

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