Seegraswiesen

Im Gezeitenbereich von Nordfriesland befindet sich mit etwa 16.000 ha das größte zusammenhängende Seegrasvorkommen Europas. Da dieser Lebensraum vielen Arten Lebensraum, Nahrung, Versteck und Laichmöglichkeiten bietet, kommt ihm für die Biodiversität im Wattenmeer eine Schlüsselfunktion zu.

Seegräser bevorzugen helle und möglichst lichtdurchflutete Flachwasserbereiche. Sie kommen sowohl im Brack- als auch im Salzwasser vor. Von den existierenden etwa 20 Seegräsern wachsen im Wattenmeer das Echte oder Gewöhnliche Seegras (Zostera marina), auch Großes Seegras genannt, sowie das Zwerg-Seegras (Zostera noltii). Gemäß der aktuellen Roten Liste Deutschland sind beide Arten gefährdet.

„Hot Spot“ der Artenvielfalt

Seegraswiesen mit ihren Lebensgemeinschaften aus Einzellern, Ringelwürmern, Muscheln, Krebstieren und Schnecken sind ein „Hot Spot“ der Artenvielfalt: So fressen Wattschnecken kleine Algen von den Blättern, und beispielsweise Krebstiere finden hier Schutz und Nahrung. Dadurch dass Seegraswiesen viel Kohlendioxid aufnehmen, ist zudem ihr Umfeld chemisch weniger sauer, wovon zum Beispiel Muscheln profitieren. Als eine Art „Biofilter“ scheinen sie außerdem Krankheitserreger zu reduzieren.

Tankstelle für Zugvögel

Für viele Zugvögel wie Ringelgänse und Pfeifenten sind die Seegraswiesen eine große Weide und die wichtigste Nahrungsquelle, um die weiten Flüge in die Überwinterungsgebiete zu schaffen.

Kinderstube vieler Fische

Insbesondere Fischarten profitieren von Seegraswiesen im ständig überspülten Bereich, dem Sublitoral. Viele laichen hier und/oder wachsen hier auf, von der Strandgrundel und dem Hornhecht bis zu kommerziell genutzten Arten wie dem Hering. Die Grasnadel und ihre Verwandten aus der Familie der Seenadeln, die Große und Kleine Seenadel, leben ständig in den sublitoralen Seegraswiesen des Wattenmeers, denn zwischen den Halmen können sie sich ideal verstecken. Auch Seepferdchen sind hier zu finden.

Aufwuchshilfe für das Watt

Mithilfe ihrer Wurzelausläufer, der sogenannten Rhizome, fangen und halten Seegraswiesen Sedimente, also durch die Flut angeschwemmtes organisches und anorganisches Material. Seegraswiesen erleichtern es demnach den Schwebteilchen, sich abzulagern, so dass der Boden aufwachsen kann. Auch für den Küstenschutz übernimmt dieser Lebensraum damit eine wichtige Funktion.

trockengefallener Meeresboden - überwachsen von gerade flach liegendem Seegras.
Im Wattenmeer wachsen das Echte oder Gewöhnliche Seegras (Zostera marina), auch Großes Seegras genannt, sowie das Zwerg-Seegras (Zostera noltii).

© Martin Stock / LKN.SH

Drei Aspekte

  • Hot Spot

    Die hohe ökologische Bedeutung von Seegraswiesen im Wattenmeer beruht vor allem auf drei Aspekten:

    • Sicherung der biologischen Vielfalt
    • Kinderstube vieler Fische
    • Festigung der Sedimente im Wasser

Mithilfe ihrer Wurzelausläufer fangen und halten Seegraswiesen Sedimente, also durch die Flut angeschwemmtes Material.

© Martin Stock / LKN.SH

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