Miesmuscheln als Ökosystem-Ingenieure

Mit ihrem „Superkleber“ können Miesmuscheln einen neuen Lebensraum bilden. Sie wachsen zu großen Muschelbänken zusammen – doch dass sie im ständig überfluteten Bereich des Wattenmeers wertvolle Riffe bilden, ist äußerst selten geworden. Dazu brauchen sie einen ungestörten Meeresboden.

Die „Spezialausrüstung“ der Miesmuschel ist ihre sogenannte Byssusdrüse. Hier bildet sie Fäden, stabile Eiweißverbindungen, die wie ein Superkleber funktionieren. Mit den Fäden heftet sie sich an festen Untergründen und an anderen Miesmuscheln an. So wird sie zur Architektin für erste, zusammengewachsene Klumpen, die nach und nach größere, unregelmäßig geformte Strukturen und schließlich ganze Muschelbänke bilden können.

Die Byssusdrüse ist also ausschlaggebend dafür, dass Miesmuscheln Bänke und Riffe bilden können. Bei anderen Muschelarten bildet sich das Byssusorgan am Ende der Larvenphase zurück, nicht so bei der Miesmuschel, die ihr Leben lang diese Eiweißfäden produziert.

Seltene feste Strukturen

Miesmuschelbänke können sowohl im trockenfallenden Watt, dem Eulitoral, als auch im ständig überspülten Bereich, dem Sublitoral entstehen. Im Wattenmeer, das von weichen Böden geprägt ist, bieten ihre festen Strukturen einen geeigneten Lebensraum für festsitzende Arten wie Seepocken, Blasentang oder Seenelken – insbesondere im ständig überfluteten Bereich.

Geschützte Riffe

Muschelbänke im ständig überfluteten Bereich des Wattenmeers werden als biogene Riffe bezeichnet, also als Riffe, die durch Lebewesen entstanden sind. Die Miesmuschel ist hier die Ingenieurin dieses wichtigen Ökosystems, das auch nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt ist. Biogene Riffe bieten Nahrung, Schutz, Laichgrund und Lebensraum für zahlreiche andere Tierarten. In den unregelmäßigen Strukturen entwickeln sich verschiedene kleinste Lebensräume: zum Beispiel Senken unterschiedlichen Materials und mit nur wenigen Muschelklumpen aber auch höher aufwachsende Bereiche mit dicht aneinanderheftenden Muscheln. Mehr zu Riffen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Wasserqualität und Küstenschutz

Weitere Pluspunkte für die Biodiversität im Wattenmeer haben Miesmuscheln, da sie durch ihre hohe Filtrierleistung die Wasserqualität verbessern. Außerdem festigen die Muschelbänke und Riffe das lose Material auf dem Boden. Dadurch haben Muschelbänke im Wattenmeer an manchen Stellen auch eine Küstenschutzfunktion.

Drei Aspekte

  • Die hohe ökologische Bedeutung

    von Muschelbänken im Wattenmeer beruht vor allem auf den Aspekten:

    • Sicherung der biologischen Vielfalt
    • Festigung der Sedimente
    • Verbesserung der Wasserqualität durch hohe Filtrierleistung

Einzelne Miesmuschel in einer Muschelbank, auf der Pocken sitzen. Sie hält sich mit Klebefäden fest.
In ihrer Byssusdrüse bildet die Miesmuschel stabile Fäden, mit denen sie sich an festen Untergründen und anderen Muscheln anheftet.

© Christian Fischer / LKN.SH

Viele Miesmuscheln, die eine Muschelbank bilden.
Miesmuschelbänke können sowohl im trockenfallenden Watt als auch im ständig überspülten Bereich entstehen.

© Katrin Wollny-Goerke / LKN.SH

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