Niedersachsen

Schutz der Heiden im Nationalpark

Erhalt und Entwicklung von Küstendünen mit Heidevegetation im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Heiden, geprägt von Besenheide (Calluna vulgaris) und Krähenbeere, sind markante Lebensräume im Wattenmeer – auch wenn sie nur einen kleinen Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer ausmachen. Anders als viele andere (natürliche) Lebensräume sind Calluna-Heiden, die oft durch menschlichen Einfluss entstanden sind, auf eine kontinuierliche Pflege angewiesen, um diese Besonderheiten des Nationalparks zu bewahren. Ohne gezielte Maßnahmen würde die fortschreitende Ausbreitung von Gehölzen bald zum Verlust dieser einzigartigen Küstenheiden führen. Diese faszinierende Verbindung aus Natur und Kultur fordert uns dazu auf, den besonderen Charakter dieser Landschaften aktiv zu schützen und weiterzuentwickeln.

Die Pflege- und Entwicklungsarbeiten werden im Rahmen der Maßnahme „Erhalt und Entwicklung der Biologischen Vielfalt“ unter Beteiligung des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) sowie des Landes mit mehr als 700.000 Euro gefördert. Die Umsetzung erfolgt im Zeitraum August 2025 bis Ende des Jahres 2028.

Das Vorhaben umfasst insgesamt 114 Hektar Küstenheide, beispielsweise bei Cuxhaven-Arensch,  Cuxhaven-Duhnen und auf Wangerooge. Alle Teilgebiete liegen im europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000, dem FFH-Gebiet „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ und dem gleichnamigen Nationalpark.

Küstenheiden sind ein besonderer Lebensraum mit zahlreichen spezialisierten Pflanzen und Tieren, die hier ein Refugium finden. Ein kleinräumiges Mosaik aus trockenen Grasfluren und Heiden sowie eingestreuten feuchten, anmoorigen Senken ist charakteristisch für eine Heidelandschaft. Calluna-Heiden kennen wir großflächig aus der Lüneburger Heide, doch an der Küste sind sie eine Rarität.

Heiden waren noch vor hundert Jahren in der nordwestdeutschen Geestlandschaft weit verbreitet. Erst in der jüngeren Vergangenheit mussten die meisten Heideflächen anderen Nutzungsformen weichen. Dort befinden sich heute Äcker, Weiden, Nadelforste und Siedlungen.

Die meisten Calluna-Heiden sind nicht natürlichen Ursprungs, sondern durch menschliche Bewirtschaftung entstandene Kulturlandschaften. Rodung, Beweidung und Streunutzung führten seit dem Mittelalter zur Auflichtung der Wälder sowie zur Bodenverarmung. Wie zum Beispiel in der Lüneburger Heide wurden auch die hiesigen Küstenheiden durch Nutzung weitgehend gehölzfrei gehalten. Ansonsten stünde dort Wald. Heute fehlen diese Nutzungen, und die Heide verbuscht zunehmend – das heißt, eine natürliche Waldentwicklung setzt ein.

Wollen wir die Heiden vor Verbuschung und Bewaldung bewahren – und dies ist hier Ziel des Naturschutzes – bedarf es einer dauerhaften Pflege. Dies geschieht vor allem durch das Entfernen aufgekommener Gehölze in Handarbeit (sogenanntes „Entkusseln“). Im Abstand von einigen Jahren werden die Gehölze zusätzlich mit maschineller Unterstützung entfernt.

Durch das Entfernen von Gehölzen und zusätzlichen Oberbodenabtrag entstehen vegetationsfreie Pionierflächen, auf denen sich lichtliebende Arten wie die Besenheide erneut ansiedeln können. Die offenen Sandflächen bieten nicht nur Pflanzen, sondern auch zahlreichen Insekten einen Lebensraum. Durch ein Mosaik unterschiedlicher Vegetation wird die Biodiversität dieser Heidelandschaft erhöht und erhalten.

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