Niedersachsen

Geschichte des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer

1986 ist der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eingerichtet worden. Ein Chronik der Vorgeschichte und der Meilensteine des Nationalparks

Vorherige Planung von Schutzgebieten

Laut niedersächsischem Raumordnungsprogramm von 1982 sollte der gesamte Bereich der Ostfriesischen Inseln und des Wattenmeeres einschließlich eines 20 km tiefen Küstenstreifens zum Naturpark “Ostfriesische Inseln und Küste” entwickelt werden.
Als Überlegungen reiften, einen niedersächsischen Nationalpark einzurichten, sollte zunächst der Bereich des “Hohe-Weg-Wattes” zwischen Jade und Weser mit einer Fläche von 715 qkm als Nationalpark “Oldenburgisches Wattenmeer” ausgewiesen werden. Später sollte mit dem Bereich Leybucht-Memmert-Osterems ein zweiteiliger Nationalpark erstellt und nebenbei der Naturpark “Ostfriesische Inseln und Küste” eingerichtet werden.

Auf dem Weg zum Nationalpark

1972

  • Kabinettsbeschluss der Landesregierung für ein „Gesamtkonzept für den Umweltschutz im Küstenbereich“; Beginn der Planungen für einen Naturpark „Ostfriesische Inseln und Küste“ inkl. eines 20 km breiten Küstenstreifens durch die nds. Landesverwaltung (Vorlage 1974)

1976

  • Ausweisung von 3 Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention im niedersächsischen Wattenmeer (in der ersten Tranche deutscher Gebietsmeldungen)
  • Gemeinsamer Vorschlag des Landkreises Wesermarsch und des Verwaltungsbezirks Oldenburg an das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium zur Ausweisung eines Nationalparks „Oldenburgisches Wattenmeer“ mit Mellum, Hohe Weg Watt und Jadebusen; 1977 zunächst als Naturschutzgebiet gesichert

1977

  • Vorschlag der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (WAU Jever) zum Einschluss des wangerländischen Elisabeth-Außengrodens mit grundsätzlicher Unterstützung durch WWF und den NHB)

1978 + `80

  • Rote Mappe des NHB und Weiße Mappe der Landesregierung: Vorschlag zur Nationalpark-Ausweisung trifft auf grundsätzliche Zustimmung

1979

  • Vorlage eines WWF-finanzierten Gutachtens zur Erfassung ökologisch wertvoller Gebiete mit Vorschlägen zur Sicherung durch Augst/Wesemüller im Nds. Landesverwaltungsamt

1980

1981

  • Das Niedersächsische Naturschutzgesetz tritt in Kraft, womit Niedersachsen die rechtliche Grundlage zur Ausweisung von Nationalparks geschaffen hat
  • Große Anfrage der CDU im Landtag; Antwort der Landesregierung: Ausweisung eines Nationalparks ist vorgesehen
  • Erlass des Nds. Landwirtschaftsministeriums an die Bezirksregierung Weser-Ems zum Entwurf einer Nationalpark-Verordnung (Vorlage 1982), wegen Naturpark-Plänen auf Raum Minsener Oog bis Elbe beschränkt

1982

  • Regierungserklärung nach Landtagswahl mit offiziellem Startschuss für Planung eines Nationalparks Nds. Wattenmeer
  • Entschließungsantrag „Umweltprobleme der Nordsee“ der SPD im Nds. Landtag
  • WWF und SDN lobbyieren zunächst vergeblich beim Nds. Landwirtschaftsministerium, den Naturpark zugunsten des Nationalparks fallen zu lassen und die Inseln zu inkludieren (BUND, DBV, DNR, Naturfreunde, Greenpeace und SDN unterstützen die Forderungen)

1983

  • Große Anfrage zum „Schutz des Wattenmeeres“ der Grünen im Landtag
  • Kabinettsbeschluss der Landesregierung zur Ausweisung eines Nationalparks ergänzend zu einem Naturpark
  • Memorandum von WWF und Mellumrat an Nds. Staatskanzlei mit Forderung einer Nationalpark-Ausweisung für das gesamte Nds. Wattenmeer
  • Nds. Landwirtschaftsministerium legt einen Verordnungsentwurf für einen Elbe-Jade-Nationalpark vor; Kabinett fordert Überarbeitung der Vorlage zur Nationalpark-Ausweisung vom Dollart bis zur Elbe (beschlossen 1984)

1984

  • Nds. Landwirtschaftsministerium informiert Gebietskörperschaften (90 Stellungnahmen eingegangen nach informellen Vorerörterungen) und plant Nationalparkverwaltung als Landesbehörde
  • Entschließung zum Schutz der Nordsee von CDU, SPD und FDP im Nds. Landtag

1985

  • Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, Umweltverbände (insgesamt 110 Stellungnahmen eingegangen) und Bürger*innen (400 Eingaben) zum Verordnungs-Entwurf für den Nationalpark
  • Festlegung des Dienstsitzes der Nationalparkverwaltung auf Wilhelmshaven durch das Nds. Landwirtschaftsministerium
  • CDU-Antrag im Landtag, wonach das Parlament die Einrichtung eines Nationalparks zum 01.01.1986 nachdrücklich unterstütze zur langfristigen Sicherung der Lebensgrundlage an der nds. Küste
  • Kabinettsbeschluss der finalen Nationalpark-Verordnung (26.11.), Unterzeichnung durch den zuständigen Landwirtschaftsminister Gerhard Glup (13.12.) und Veröffentlichung im Nds. Gesetz- und Verordnungsblatt (21.12.); Inkrafttreten zum 01.01.1986

Meilensteine

1986

  • Gründung des Nationalparks (Fläche rund 240.000 ha) und Einrichtung der Nationalparkverwaltung bei der Bezirksregierung Weser-Ems
  • Einberufung des Nationalpark-Beirats
  • Erste Sommerpolder-Öffnung (Lütetsburger Sommerpolder)
  • Gründung des ersten Nationalparkhauses (Wurster Nordseeküste)

1987

  • Erste Zivildienst-Stellen im Naturschutz auf den Ostfriesischen Inseln (beim Bauamt für Küstenschutz)

1988

  • Erste FÖJ-Stelle im Nationalpark beim Institut für Vogelforschung / Vogelwarte Helgoland – mit Sommeraufenthalt im Nationalpark auf Mellum

1989

  • Beginn der Ökosystemforschung Wattenmeer (bis 1999)

1992

  • Erlass der Nordsee-Befahrensverordnung (für das Befahren des Nationalparks mit Wassserfahrzeugen)
  • Einstellung der Herzmuschelfischerei
  • Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat (Fläche rund 240.000 ha, deckungsgleich zum Nationalpark)

1995

  • Erste Löffler-Brutkolonie im Nationalpark (auf Memmert)
  • Erstes Commerzbank-Umweltpraktikum im Nationalpark

1997

  • Erster Trilateraler Wattenmeerplan
  • Implementierung des trilateralen Monitoring- und Bewertungsprogramms (TMAP)

1998

  • Meldung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer als EU-FFH-Gebiet (1983 erste Meldung des niedersächsischen Wattenmeeres als EU-Vogelschutzgebiet)

1999

  • Ablösung der bisherigen Rechtsverordnungdurch das Nationalpark-Gesetz
  • Erstmalige Aufstellung eines Bewirtschaftungsplans für die Miesmuschel-Fischerei
  • Verbesserung des Verfahrensmanagements im Küstenschutz („Striegnitz-Papier“)

2001

  • Neufassung des Nationalpark-Gesetzes mit Erweiterung der Nationalpark-Fläche auf 278.000 ha
  • Beginn der Zertifizierung von Nationalpark-Watt- und Gästeführer*innen

2002

  • Ausweisung des Wattenmeeres als besonders empfindliches Meeresgebiet (PSSA) durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO)

2003

  • Erster Vorlandmanagementplan (im Bereich der Deichacht Norden)

2005

  • Die Nationalparkverwaltung ist – mit Auflösung der Bezirksregierung Weser-Ems – eine eigenständige Landesbehörde
  • Einführung des Corporate Designs der Nationalen Naturlandschaften mit neuen Logos für Nationalpark und Biosphärenreservat
  • Erste Salzwiesen-Renaturierung durch Grabenverfüllung (auf dem Pilsumer Heller / Krummhörn)
  • Erste Zertifizierung einer Nationalpark-Erlebnisfahrt per Schiff
  • Erster Nachweis einer im Nationalpark geborenen Kegelrobbe

2006

  • Auszeichnung der Wattenmeerküste an der Nordsee als nationaler Geotop (durch die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien)
  • Erster GEO-Tag der Artenvielfalt (an der Wurster Nordseeküste)
  • Erster Wadden Sea Day als jährliches trilaterales Symposium des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats und der Nationalparkverwaltung
  • Erste Erhebung der Wertschöpfung durch Tourismus im Nationalpark

2008

  • Veröffentlichung der „Fauna & Flora der Ostfriesischen Inseln“
  • Start des Junior-Ranger-Programms im Nationalpark

2009

  • Auszeichnung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe
  • Erste Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

2010

  • Weitere Erweiterung der Nationalpark-Fläche auf 345.000 ha
  • Start des Prädationsmanagements auf den Ostfriesischen Inseln (Norderney)
  • Gründung des Partner-Netzwerks des Nationalparks und Biosphärenreservats
  • Erstes Weltnaturerbeforum in Kooperation mit den touristischen Dachorganisationen

2012

  • Bestellung der ehrenamtlichen Nationalpark-Wacht durch die Nationalparkverwaltung
  • Erste Salzwiesen-Renaturierung durch Oberbodenabtrag (Elisabeth-Außengroden / Gemeinde Wangerland)
  • Start der Wadden Sea Flyway Initiative

2013

  • Erwerb des landwirtschaftlichen Hofs Eide Icken (Wurster Nordseeküste) zur Weiterentwicklung als Nationalpark-Hof

2014

  • Seewärtige Erweiterung des UNESCO-Welterbegebietes in Niedersachsen
  • Trilaterale Strategie für einen nachhaltigen Tourismus im Wattenmeer

2015

  • Erster Kurs zur Zertifizierung von Natur- und Landschaftsführer*innen (ZNL) / Nationalpark-Führer*innen
  • Erste Auszeichnung von Wattenmeer-Produkten
  • Start der Zusammenarbeit beim Vogelmonitoring mit Gambia
  • Etablierung von hauptamtlichen Nationalpark-Ranger*innen bei der Nationalparkverwaltung

2016

  • Erste Wilhelmshavener Schweinswaltage

2017

  • Erstes Zugvogelmusik-Konzert (Oldenburg)

2018

  • Auszeichnung der fünf ersten Biosphären-Schulen
  • Trilaterale Strategie für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung im Wattenmeer

2020

  • Start „Unsere bunte Zugvogelmusik-Schule“ (UbuZuSchu)

2021

  • Spiekeroog wird durch die International Dark-Sky Association (IDA, heute: DarkSky International) als Sterneninsel ausgezeichnet
  • Erste Tore zum Nationalpark aufgestellt (Norderney und Langwarder Groden)

2022

  • Managementplan für das FFH-Gebiet Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
  • 14. Trilaterale Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres in Wilhelmshaven
  • Beginn des Verbundprojekts „Aasökologie“ mit 14 weiteren Nationalparken

2023

  • Etablierung der Nationalpark-Gespräche vor Ort als Dialogformat
  • Förmliche Kooperation mit dem österreichischen Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel
  • UNESCO-Anerkennung der erweiterten Biosphärenregion (417.000 ha) mit zwölf Kommunen
  • Managementplan für das Weltnaturerbe Wattenmeer

2024

  • UNESCO-Anerkennung des Partner-Biosphärenreservats Niumi in Gambia
  • Auszeichnung des Langwarder Grodens als „Naturwunder des Jahres“ (durch die Heinz Sielmann Stiftung und den Deutschen Wanderverband)

2025

  • Rückbau der Gasförderplattform in der Leybucht
  • Start von drei von der Nationalparkverwaltung führend verantworteten Projekten im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz
  • Erweiterung des Natura 2000 Managementplans um Aspekte des Vogelschutzgebiets “Niedersächsisches Wattenmeer und angrenzendes Küstenmeer”