Gefährdung

Der ökologische Zustand des Wattenmeeres kann insgesamt als gut angesehen werden. Es bleibt jedoch eine Daueraufgabe, diesen Zustand weiter zu verbessern. Die Nationalpark-Grenzen schützen nicht vor Gefährdungen, die von Land oder aus der Nordsee kommen.

Klimawandel

1988 wurde die Effekte des Klimawandels im Wattenmeer erstmals bei einer wissenschaftlichen Tagung diskutiert. Heute werden die Folgen des Klimawandels als sehr folgenreich angesehen: Steigende Wassertemperaturen haben einige nördliche Tierarten zum Rückzug gezwungen, südlicheren aber die Neuansiedlung ermöglicht. Ein drastischer Anstieg des Meeresspiegels könnte schwerwiegendste Auswirkungen haben, weil möglicherweise die Existenz des Wattenmeeres selbst bedroht wäre.

Eingeschleppte Arten

Mit der Schifffahrt oder durch die Aquakultur wurden in den vergangenen Jahrzehnten Algen und Wirbellose aus anderen Gegenden der Welt ins Wattenmeer eingeschleppt, die sich zumeist in Flussmündungsgebieten und auf Hartsubstraten festgesetzt haben. Viele von ihnen profitierten von den gestiegenen Wassertemperaturen. Von den 52 bekannten gebietsfremden Arten haben 6 deutliche Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften im Watt, allen voran die Pazifische Auster (Crassostrea gigas), außerdem das Schlickgras (Spartina anglica), der Japanische Beerentang (Sargassum muticum), der Borstenwurm (Marenzelleria cf. wireni), die Amerikanische Schwertmuschel (Ensis leei) und die Amerikanische Pantoffelschnecke (Crepidula fornicata).

Ölverschmutzung

Nicht etwa Tankerunfälle, sondern illegale Einleitungen der auf allen Schiffen im Normalbetrieb anfallenden Brennstoffrückstände sind die häufigste Ursache von Ölverschmutzungen. Ständig ist etwa ein Drittel der an Stränden angespülten Seevögel sind mit Öl verschmutzt. Immer wieder gibt es aber auch Ölverschmutzungen, denen jeweils mehrere Tausend Vögel zum Opfer fallen, zuletzt in den Jahren 1998, 2001, 2004 und 2008. Das Wattenmeer ist zudem nur wenige Kilometer von einer der weltweit am stärksten befahrenen Wasserstraßen entfernt. Es besteht daher ein besonderes Risiko von Schiffshavarien, die massive Umweltschäden verursachen könnten.

Müll

Abfälle in der Meeresumwelt stellen eine ständige Bedrohung für Tiere dar, verursachen hohe wirtschaftliche Kosten, sind ein unschöner Anblick und mindern den Erholungswert unserer Küsten. Es handelt sich dabei um ein weltweites Problem, das an den Grenzen des Wattenmeeres nicht haltmacht. Der größte Anteil besteht aus Plastikmüll. Verpackungen machen 40% des Mülls aus. Verlorene Netze der Fischerei stellen 28 % der Abfälle dar.

Nährstoffe

Seit den ersten Messungen sind die Nährstoffe Stickstoff und Phosphat in der Nordsee deutlich angestiegen. In der Folge dieses Nährstoffeintrags (Eutrophierung) kam es zu Schaumalgen-Blüten, einer starken Zunahme großer Grünalgen und sauerstofffreien Sedimentbereichen, die als “Schwarze Flecken” an der Wattoberfläche sichtbar wurden. Gleichzeitig verschwanden viele Seegrasbestände. Nach Höchstwerten in den 1980er Jahren gehen die Nährstoffgehalte inzwischen weiter zurück, sind gegenüber den ursprünglichen Werten aber noch erhöht.

Schadstoffe

Organische und anorganische Schadstoffe gelangen hauptsächlich durch die Flüsse ins Wattenmeer. Seit den 1990er Jahren ist die Einleitung deutlich zurück gegangen. Damit sank der Gehalt an Chlorkohlenwasserstoffen und Schwermetallen in Muscheln, Fischen und Vögeln. Auch im Wattenmeer selbst wird eine abnehmende Schadstoffkonzentration beobachtet. Dennoch sind immer noch zu hohe Konzentrationen vorhanden.

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