Kriterien

Dynamik, Natürlichkeit und Vielfalt: Mit der Anerkennung des Wattenmeers als Welterbe der Menschheit durch die UNESCO hat die Weltgemeinschaft festgestellt, dass sein Wert außergewöhnlich und von universeller Bedeutung ist.

Voraussetzung für die Aufnahme eines Gebiets in die Welterbeliste der UNESCO ist sein außergewöhnlicher universeller Wert. Das bedeutet, dass das Gebiet mindestens eines der zehn Auswahlkriterien und die hohen Anforderungen an Integrität, Schutz und Management erfüllen muss. Das Wattenmeer hat eine weltweit herausragende Bedeutung aufgrund seiner geologischen und ökologischen Prozesse sowie seiner Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Aufgrund dieser drei Kriterien wurde es von der UNESCO als Welterbe der Menschheit anerkannt.

Geologische Prozesse

Nirgends sonst auf der Erde gibt es eine so facettenreiche und dynamische Küstenlandschaft dieser Größe und Art, die unaufhörlich von Wind und Wasser geformt wird. Die geologischen Prozesse lassen Inseln, Sandbänke, Priele, Rinnen, Wattflächen, Salzwiesen und Dünen entstehen, die sich ständig ändern.

Das Wattenmeer hat sich erst in den letzten 8.000 Jahren entwickelt und ist damit geomorphologisch und evolutionär noch ein sehr junges Ökosystem. Es zeigt die nacheiszeitliche Entwicklung einer Sandbarriereküste in gemäßigtem Klima unter den Bedingungen eines steigenden Meeresspiegels. Das Ökosystem Wattenmeer ist ein Watten- und Barriereinsel-System mit ausgedehnten Salzwiesen, dass weltweit in dieser Größenordnung und Vielfalt einzigartig ist. Typisches Merkmal dieses Sand- Schlickwattsystems ist die hohe Dynamik und die fortlaufende Veränderung der Watten, Rinnen und Priele.

Ökosystem und Prozesse

Naturvorgänge laufen hier noch weitestgehend unbeeinflusst vom Menschen ab entfalten und ermöglichen wichtige Einblicke in die erdgeschichtliche Entwicklung und die Anpassungen von Pflanzen und Tieren an die ständig wechselnde Landschaft. Die Biomasseproduktion im Wattenmeer zählt zu den höchsten weltweit und bildet eine reiche Nahrungsrundlage für Fische, Vögel und Meeressäuger.

Das Wattenmeer ist eines der letzten verbleibenden natürlichen großräumigen Ökosysteme in Europa, in welchem natürliche ökologische und biologische Prozesse auch heute noch ungestört ablaufen. Diese Übergangswelt zwischen Land und Meer ist durch die ständige Veränderung infolge von Ebbe und Flut, starke Schwankungen des Salzgehaltes, hohe Temperaturen im Sommer und gelegentlicher Eisbedeckung im Winter gekennzeichnet. Folge dieser Verhältnisse sind zahlreiche ökologische Nischen, die von Arten besiedelt werden, die an extreme Umweltbedingungen angepasst sind. Die besonderen Verhältnisse und Entwicklungen, die auf großer Fläche ungestört ablaufen können, bieten damit Raum für Evolutionsvorgänge und deren Studium.

Artenvielfalt

Das Wattenmeer ist unverzichtbar für den Erhalt der weltweiten Artenvielfalt. Insgesamt sind hier mehr als 10.000 Tier-und Pflanzenarten zu Hause. Jedes Jahr im Frühling und Herbst rasten 10-12 Millionen Zugvögel, auf dem Weg in ihre Sommer- oder Winterquartiere im Wattenmeer. Nur hier finden sie genug Nahrung für ihre Tausenden von Kilometern lange Reise.

Das Wattenmeer ist äußerst reich an ökologischen Übergangszonen, die zahlreiche unterschiedliche (Mikro-) Lebensräume bilden. Die sind die Basis für eine ökologische Spezialisierung unter Extrembedingungen. Insgesamt wird geschätzt, dass das Wattenmeer Lebensräume für bis zu 10.000 Arten von Einzellern, Pflanzen, Pilzen und Tieren bietet. Damit ist es ein Zentrum (“hot spot”) der Biodiversität in Deutschland. Die Besonderheit des Wattenmeers wird auch noch dadurch deutlich, dass hier sehr viele spezialisierte und küstengebundene Pflanzen und Tiere leben, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen: insgesamt 258 Pflanzen- und 1.092 Tierarten. Die große Artenvielfalt hat v.a. zwei Gründe: die große Ausdehnung und die hohe Dynamik des Wattenmeeres, die eine Vielzahl kleinräumig strukturierter, eng miteinander verzahnter und z.T. nur temporärer Lebensräume schafft.

Integrität

Das Weltnaturerbe Wattenmeer weist alle Facetten (Arten, Lebensräume, Prozesse) eines natürlichen und dynamischen Lebensraums auf. Das Gebiet hat eine Größe, die den Erhalt dieses außergewöhnlichen Ökosystems gewährleistet.

Schutz und Management

Seit 1978 arbeiten die Niederlande, Deutschland und Dänemark im länderübergreifenden Schutz und Management des Wattenmeeres zusammen. Ausgewiesen als Nationalpark und Naturreservat genießt es den höchstmöglichen Naturschutz.