Niedersachsen

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Das Wattenmeer vor der niedersächsischen Nordseeküste ist seit 1986 als Nationalpark geschützt. Mit einer Fläche von rund 3.450 km² ist es der zweitgrößte deutsche Nationalpark. Es ist gleichzeitig UNESCO-Biosphärenreservat und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer.

 Ruhezone (Zone I)

 Zwischenzone (Zone II)

 Erholungszone (Zone III)

Steckbrief

Gründung: 1986, Erweiterungen 2001 und 2010

Lage: Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer grenzt im Westen am Dollart an das niederländische Wattenmeergebiet und im Osten an den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und die Elbmündung bei Cuxhaven.

Abgrenzung: An der Küste beginnt der Nationalpark am seewärtigen Deichfuß. Er umfasst das Wattenmeer einschließlich der Ostfriesischen Inseln (außerhalb der besiedelten Bereiche) und Meeresgebiete nördlich der Inseln. Ausgenommen sind die Außenbereiche der Ems, der Jade und der Weser.

Fläche: Ursprünglich rund 2.440 km² (1986); 2001 Erweiterung auf etwa 2.780 km²; 2010 Erweiterung auf jetzt 3.450 km². Davon sind: 

 

Fläche gesamt

Anteil an Gesamtfläche

Watt

1.381 km²

40,0 %

Wasser

1.886 km²

54,5 %

Festland & Inseln

191 km²

5,5 %

Entstehung: Das Wattenmeer hat sich erst in den letzten 8.000 Jahren entwickelt und ist damit noch ein sehr junges Ökosystem. Es zeigt die nacheiszeitliche Entwicklung einer Küste mit vorgelagerten Sandbarrieren unter den Bedingungen eines steigenden Meeresspiegels. Die großen Watt-Prielsysteme im Hohe Weg Watt (Wesermündung), am Knechtsand (Wurster Küste) oder auf der Wattseite der Ostfriesischen Inseln zeigen dieses dynamische Wechselspiel zwischen Meer und Land besonders gut.

Lebensräume: Watt, Priele und Rinnen, Meeresgebiete nördlich der Inseln, Sandbänke, Strände, Salzwiesen, Dünen, Röhricht, Moor, Küstenheide, Geestkliffs, Krattwald.

Hohe Weg Watt Norbert Hecker
Das Hohe Weg Watt

© Norbert Hecker

Zonierung: Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gibt es drei unterschiedliche Schutzzonen. Mit Abstand am größten ist die Zone 1 (Ruhezone), die ganzjährig nur auf den zugelassenen Wegen betreten werden darf. Zone 2, die Zwischenzone, darf auch abseits der Wege betreten werden, mit Ausnahme der Brutgebiete in den Salzwiesen während der Brutzeit (1.4. bis 31.7.). Zone 3 ist die Erholungszone. Die so gekennzeichneten Strandbereiche dienen der ruhigen Erholung, u.a. sind motorisierte Fahrzeuge untersagt. Details regelt das Nationalpark-Gesetz.

Zone 1Ruhezone2.368 km²69,74 %
Zone 2Zwischenzone1.071 km²29,72 %
Zone 3Erholungszone17 km²0,54 %
Nationalpark-Schild mit Kennzeichnung der streng geschützten Ruhezone

Arten: mehr als 10.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten wurden bisher im Niedersächsischen Wattenmeer gefunden. Vor allem die Ostfriesischen Inseln sind ein Hotspot der Biologischen Vielfalt.

Vögel: mehr als 400 verschiedene Arten wurden bislang festgestellt, die das niedersächsische Wattenmeer als Brutplatz, als Rastgebiet auf dem Ostatlantischen Zugweg oder beides nutzen, zum Beispiel Austernfischer, Lachmöwe, Fluss-Seeschwalbe, Kornweihe, Steinschmätzer.

Fische: etwa 100 verschiedene Arten werden beobachtet. Wertgebend: Finte, Flussneunauge, Meerneunauge; verbreitet: Scholle, Stint, Aalmutter, Meeräsche, Sandaal, Knurrhahn.

Meeressäuger: Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale

Bevölkerung: Knapp 1 Million Menschen leben in den Kommunen hinter dem Deich und auf den Inseln in unmittelbarer Nachbarschaft zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Dies sind die Landkreise Leer (mit Insel Borkum),  Aurich (mit Juist, Norderney und Baltrum), Wittmund (mit Langeoog und Spiekeroog), Friesland (mit Wangerooge), Wesermarsch und Cuxhaven, sowie die kreisfreien Städte Emden, Wilhelmshaven und Cuxhaven. Der Nationalpark grenzt zudem an die Stadt Bremerhaven und das hamburgische Wattenmeer.

Auf den Ostfriesischen Inseln leben insgesamt rund 17.000 Einwohner:innen, die meisten auf Norderney (gut 6.000), die wenigsten auf Baltrum (rund 600). Auf den ansonsten unbewohnten Vogelschutzinseln leben (saisonal) nur die Naturschutzwart:innen – 1 auf Memmert und je 2 auf Mellum und Minsener Oog. Das sind die einzigen Menschen, die innerhalb des Nationalparks wohnen.

Ditzum_Rheiderland
Die Ortschaft Ditzum im Rheiderland

© Gundolf Reichert

Regionale Belange: Beim Schutz des Nationalparks werden lokale und regionale Interessen (z. B. Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus) berücksichtigt, soweit der Schutzzweck es erlaubt. Aus den verschiedenen Nutzer:innen-Gruppen wird ein Nationalpark-Beirat berufen, der die Nationalparkverwaltung dabei unterstützt, die Ziele des Nationalparks im Einklang mit anderen Interessen und regionalen Belangen umzusetzen.

Partner: Nationalpark- und Biosphären-Partner:innen sind Botschafter:innen des Wattenmeeres und setzen sich für eine nachhaltige Entwicklung in der Region ein. Zum Partner-Netzwerk zählen Betriebe und Organisationen aus Beherbergung & Gastronomie, Landwirtschaft & Produktion, Bildung & Information, Tourismus & Naturerlebnis. Die Partnerinitiative entwickelt gemeinsam mit der Nationalpark- und Biosphärenreservats-Verwaltung neue Projekte, ein unabhängiger Vergabe-Rat entscheidet über die Aufnahme weiterer Partner.

Biosphärenreservat Partner-Schild am Eingang eines Partnerbetriebes. Foto: Astrid Martin

Gäste: Tourismus ist der Hauptwirtschaftsfaktor an der niedersächsischen Küste und auf den Inseln. Jährlich kommen etwa 20 Millionen Übernachtungs- und Tagesgäste in die Region. Bei diesen Besucherzahlen ist es gemeinsames Anliegen von Nationalparkverwaltung und Touristik, die Besucher:innen behutsam an die Natur heranzuführen, ihnen die Besonderheit und Schönheit, aber auch Verletzlichkeit des Wattenmeeres zu vermitteln und um Verständnis für dessen Schutz zu werben. Mit der Anerkennung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe wurde die Zusammenarbeit weiter intensiviert.

Service: Drei Wattenmeer-Besucherzentren, vierzehn Nationalpark-Häuser und eine Nationalpark-Erlebnisstation stehen an der Küste und auf den Inseln für Besucher bereit. Die meisten dieser Info-Einrichtungen bieten das ganze Jahr über Ausstellungen, Führungen, Bildungsurlaube und Vorträge zu aktuellen Themen. Vor Ort stehen auch die Ranger:innen mit Rat und Hilfe zur Verfügung. Infotafeln, Lehrpfade und Schilder helfen bei der Orientierung und Natur-Erkundung.

Zuständigkeiten: Die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer mit Sitz in Wilhelmshaven ist zuständige Behörde für das Managements des Nationalparks. Sie ist unmittelbar dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz nachgeordnet.