Gebietsschutz

Wie ist das Wattenmeer geschützt? Wie ist seine Bedeutung anerkannt?

Ein zentraler Ansatz des Naturschutzes ist es, ökologisch wertvolle Lebensräume unter Schutz zu stellen. Im Wattenmeer ist dies in mehrfacher Hinsicht geschehen, was seine herausragende naturschutzfachliche Bedeutung unterstreicht.

Der Gebietsschutz des Wattenmeers kann auf eine lange Tradition zurückblicken, in der folgende Meilensteine als Erfolge erreicht wurden.

Rechtliche Schutzinstrumente

Nationalpark: Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg haben 1985/86/90 ihre Wattenmeer-Anteile als Nationalpark ausgewiesen. Der Nationalparkstatus ist gesetzlich verankert und mit seinem Zonierungskonzept das umfassendste und weitgehendste Instrument des Gebietsschutzes.

Befahrensverordnung: Für das Befahren der Wasserstraßen der Nordsee-Nationalparks wurde 1992 eine Befahrensverordnung erlassen, die Robben- und Vogelschutzgebiete ausweist und damit gebietsspezifische Regelungen für den Wassersport trifft.

Natura 2000: Die besonderen Erhaltungsgebiete (BEG) der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) bilden zusammen mit den besonderen Schutzgebieten (BSG) der Vogelschutzrichtlinie das EU-Schutzgebietssystem Natura 2000. Das Wattenmeer ist Teil dieses Netzwerks von FFH-Gebieten (von gemeinschaftlicher Bedeutung für die Europäische Union) und EU-Vogelschutzgebieten.

Naturschutzgebiet: Naturschutzgebiete gibt es angrenzend an die Nationalparks sowohl in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands auf der offenen Nordsee (NSGe Sylter Außenriff – Östliche Deutsche Bucht und Borkum-Riffgrund) sowie im Wattenmeer (in niedersächsischen Küstengewässern die NSGe Außenems, Tideweser und Mündungstrichter der Elbe) und binnendeichs. Sie werden von den oberen Naturschutzbehörden des Bundes und der Küsten-Bundesländer verwaltet.

Die wichtigsten Auszeichnungen
  • Weltnaturerbe

    für den außergewöhnlichen universellen Wert

  • Nationalpark

    für den Schutz der Natur

  • Biosphären­reservat

    für die nachhaltige Regionalentwicklung

Inter-/nationale Gebiets-Auszeichnungen

UNESCO-Weltnaturerbe: Das Wattenmeer vor der niederländisch-deutsch-dänischen Nordseeküste wurde von der UNESCO 2009/11/14 in die Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen. Damit wurde von der Weltgemeinschaft anerkannt, dass der Wert des Wattenmeers außergewöhnlich und von universeller Bedeutung ist. Das ist die höchste internationale Anerkennung für eine Naturstätte bzw. Naturlandschaft und deren Einzigartigkeit.

UNESCO-Biosphärenreservat: Das schleswig-holsteinische, hamburgische und niedersächsische Wattenmeer wurden Anfang der 1990er Jahre von der UNESCO im Rahmen ihres Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ als Biosphärenreservate anerkannt. Sie bilden ganzheitliche Modellregionen für eine ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Entwicklung auf Basis eines dreiteiligen Zonierungskonzeptes in Kern-, Pflege- und Entwicklungszone.

Ramsar-Gebiet: Das niedersächsische Wattenmeer wurde 1976 als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention anerkannt. 1990 folgte das hamburgische und 1991 das schleswig-holsteinische Wattenmeer. Ursprüngliche Zielsetzung der Ramsar-Konvention war der Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten als Lebensraum von Wasservögeln. Dies wurde später  auf den ganzheitlichen Schutz von Feuchtgebieten als bedeutende Ökosysteme zum Erhalt der Biodiversität erweitert.

OSPAR-Meeresschutzgebiet: Das schleswig-holsteinische und niedersächsische Wattenmeer wurden 2005/06 als Meeresschutzgebiete nach dem Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks (OSPAR-Konvention) ausgewiesen.

PSSA: Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) ist die Organisation der Vereinten Nationen für die weltweite Regulierung des Schiffsverkehrs. 2002 hat die IMO dänisch-deutsch-niederländische Wattenmeer als besonders empfindliches Meeresgebiet (PSSA = Particularly Sensitive Sea Area) ausgewiesen.

Nationales Naturerbe: Flächen im Eigentum des Bundes wurden unter der Bezeichnung Nationales Naturerbe zur Verwaltung an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) übergeben. Dazu gehören im niedersächsischen Wattenmeer Teile der Borkumer Dünen und der Cuxhavener Küstenheiden.

Übereinkommen und Richtlinien

Darüber hinaus ergeben sich weitere Bezüge für den Gebiets- und Artenschutz aus der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) und der Wasser-Rahmenrichtlinie (WRRL) der Europäischen Union, aus dem Bonner Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden Tierarten und seiner Tochter-Abkommen (AEWA, WSSA, ASCOBANS) der Vereinten Nationen sowie den Vereinbarungen zur Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit.

Weitere Studien zur Bedeutung des Gebiets

Nationaler Geotop: Die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien verlieh der Wattenmeerküste der Nordsee nach Evaluierung durch die Staatlichen Geologischen Dienste 2006 die Auszeichnung als Nationaler Geotop.

Lancewad: Im Rahmen der Projekte Lancewad und LancewadPlan wurden sowohl die kulturellen und landschaftlichen Schätze der niederländischen, deutschen und dänischen Wattenmeer-Region kartiert und untersucht, als auch eine umfassende Strategie zu deren Schutz, Erhaltung und Entwicklung erarbeitet. Dabei hat sich deutlich gezeigt, dass der Kulturlandschaft der Wattenmeer-Region auch auf internationaler Ebene eine besondere Bedeutung zukommt.