Biosphärenreservate

UNESCO-Biosphärenreservate sind Modellregionen, in denen beispielhaft innovative Ansätze nachhaltiger Entwicklung erprobt und realisiert werden. Sie repräsentieren nicht nur einzigartige Naturlandschaften, sondern auch durch menschliche Nutzung geprägte Kulturlandschaften.

Das internationale Programm „Der Mensch und die Biosphäre“, kurz MAB-Programm (engl. „Man and the Biosphere“), wurde 1970 von der UNESCO ins Leben gerufen. In Modellregionen sollen Wissen und Erfahrungen gesammelt werden, die eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Gesellschaft ermöglichen und gleichermaßen die natürlichen Ressourcen, Lebensräume und Arten schützen. Diese Modellgebiete werden als UNESCO-Biosphärenreservate ausgezeichnet und sollen anderen Regionen auf der ganzen Welt als Vorbild dienen.

Zu den Zielen von UNESCO-Biosphärenreservaten gehören:

  • der Erhalt biologischer Vielfalt
  • die Förderung nachhaltiger Nutzungsweisen
  • der Schutz historischer Kulturlandschaften
  • die Bildung für Nachhaltigkeit sowie Forschung und Monitoring

Zonierung von Biosphärenreservaten

Biosphärenreservate sind in drei Zonen unterschiedlicher Nutzungsintensität gegliedert:

  • In der Kernzone wird der Einfluss des Menschen auf ein Minimum reduziert. Sie unterliegt weitestgehend Bestimmungen zum Schutz natürlicher Prozesse. Die Kernzone sollte mindestens 3 % der Gesamtfläche eines Biosphärenreservates einnehmen.
  • In der Pflegezone sind menschliche Aktivitäten z. B. über den Tourismus oder die Fischerei zulässig, soweit sie umweltverträglich gestaltet werden. Die Pflege soll mindestens 10 % der Gesamtfläche des Biosphärenreservats betragen, Pflege- und Kernzone zusammen mindestens 20 %.
  • In der Entwicklungszone wird die menschliche Nutzung nicht eingeschränkt. Eine freiwillige Teilnahme der Bürger:innen und Kommunen an einer Erprobung von Maßnahmen und Projekten zur Stärkung der nachhaltigen Entwicklung bildet die Handlungsgrundlage. Die Entwicklungszone soll mindestens 50 % der Gesamtfläche umfassen.
Schematische Karte der Zonierung von Biosphärenreservaten
Zonierung von UNESCO-Biosphärenreservaten

© NLPV

Die Wattenmeer-Biosphärenreservate

In der Wattenmeer-Region gibt es drei Biosphärenreservate:

Schon gewusst?
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    von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate gibt es weltweit, 16 in Deutschland (Stand November 2020). Die zwei größten in Deutschland sind die beiden Wattenmeer-Biosphärenreservate Niedersachsens und Schleswig-Holsteins.

Wegen der besonderen Lage in einem maritimen Naturraum weicht die Zonierung in den Wattenmeer-Biosphärenreservaten vom schematischen UNESCO-Modell ab. Hier liegt die Kernzone nicht eingebettet in einem flächenmäßig größeren Puffer von Pflege- und Entwicklungszone, sondern macht zusammen mit der Pflegezone selbst den Großteil der Biosphärenreservatsfläche aus. Die naturräumlichen Gegebenheiten von Meeres-Biosphärenreservaten berücksichtigend, beträgt die Mindesgröße der Entwicklungszone hier 50 % der in die Gesamtfläche einbezogene Landfläche – Inseln und Küstenbereiche.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der nachhaltigen Bewirtschaftung der Inseln und Halligen, der Nutzung regenerativer Energiequellen sowie der Weiterentwicklung eines naturverträglichen Tourismus. Auch die Bildungsarbeit im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung spielt eine große Rolle, so z. B. bei den zahlreichen Aktivitäten der Junior Ranger.