Schleswig-Holstein

Grundlagenforschung zur Bewertung von Windkraftanlagen im Offshore-Bereich

MINOS

Mit den Forschungsprojekten MINOS und MINOS+ wurde von 2002 bis 2009 untersucht, welche Auswirkungen Windkraftanlagen im Offshore-Bereich auf Meeressäuger und Seevögel in Nord- und Ostsee haben können.

Das vom Bundesumweltministerium geförderte MINOS-Projekt hat untersucht, ob große Windkraftanlagen in der deutschen Nord- und Ostsee Schweinswale, Seehunde oder Meeresvögel beeinträchtigen oder gefährden. Die Forschungsergebnisse stellen das notwendige Wissen bereit, um den zukünftigen Windparkausbau auf See bewerten zu können.

Schweinswale und Seehunde sind die am häufigsten vorkommenden Säugetiere in den deutschen Meeresgebieten. Sie stehen unter nationalem und internationalem Schutz. Da sich die Schweinswale unter Wasser vor allem durch Ultraschall-Ortung orientieren (ähnlich wie Fledermäuse in der Luft), sind sie besonders empfindlich gegenüber Unterwasserlärm. Die Betriebsgeräusche der Offshore Windparks und der Baulärm könnten Verhaltensänderungen, aber auch körperliche Schäden hervorrufen. Die Tiere könnten durch die Störungen auch aus ihren Nahrungs- und Aufzuchtgebieten vertrieben werden oder durch vermehrten Stress einen schlechteren Allgemeinzustand haben.

Ähnliches gilt für die Seehunde. Sie haben ein feines Gehör, orientieren sich aber im Zusammenspiel ihrer Ohren, Augen, Barthaare und ihres Geschmacksinns. Es wurde vermutet, dass sie vor allem durch den starken Baulärm sowie durch vermehrten Schiffs- und Hubschrauberverkehr zu den Windparks beeinträchtigt werden.

Sterntaucher vor Offshore-Windkraftanlagen
Sterntaucher vor Offshore-Windkraftanlagen

© Grimm

Von den Meeresvögeln, die in den Küstenmeeren rasten, wurden Seetaucher und Meeresenten untersucht. In den Gebieten der AWZ liegen ihre nord- bzw. ostseeweit wichtigsten Überwinterungsgebiete. Diese Meeresvögel sind vor allem durch großflächigen Verlust ihrer Rast- und Nahrungsgebiete gefährdet.

Rastvögel und Schweinswale wurden von Forscher:innen gezählt, die mit einem Flugzeug in geringer Höhe bestimmte Strecken über dem Meer abfliegen. Mit Hilfe komplizierter Rechenverfahren kann dann die Anzahl dieser Tiere in dem fraglichen Gebiet geschätzt werden. Im MINOS-Projekt wurden ähnliche Zählungen auch mit einem Schiff durchgeführt.

Über das Leben der Seehunde auf den Liegeplätzen im deutschen Wattenmeer wusste man schon seit Längerem gut Bescheid. Nicht aber darüber, was die Seehunde tun, wenn sie dort nicht zu sehen sind. Um dies zu untersuchen, bedient man sich der Telemetrie: einige Seehunde bekamen satellitengestützte Fahrtenschreiber und Maulöffnungssensoren. Bei freilebenden Seehunden und Schweinswalen und ihren Artgenossen in Zoos und Delfinarien wurden zudem Hörtest durchgeführt. Mit Unterwassermikrofonen (POD) wurde festgestellt, ob sich Schweinswale in bestimmten Gebieten aufhalten. Zu guter Letzt wurden alle Ergebnisse in einer gemeinsamen Oracle-Datenbank gespeichert. So stehen sie noch viele Jahre zur Verfügung.

MINOS bestand aus insgesamt sieben Teilprojekten, die von Forscher:innen aus folgenden Einrichtungen durchgeführt wurden: Universität Kiel mit dem IFM-GEOMAR (Kiel) und dem Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (Büsum), das Deutsche Meeresmuseum Stralsund, die Ruhr-Universität Bochum (nur MINOS), die Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg (nur MINOS) und der Nationalparkverwaltung im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Tönning.

MINOS: Jan 2002 – März 2004. Volumen: 1,5 Mio.€. FKZ: 0327520
MINOS+: Juli 2004 – April 2007. Volumen: 3,4 Mio.€. FKZ: 0329946 + 0329946B + 0329946C + 0329946D

Projektleitung bzw. Koordination sowie Datenzusammenführung in der Nationalparkverwaltung des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, Tönning. Abgeschlossen wurde das Projekt am 20.05. 2009.