MOIN, MOIN,
liebe Freundinnen und Freunde des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer! Da sind sie wieder, die Nationalpark Nachrichten, prallvoll mit Informationen – über Menschen, Tiere, Pflanzen, wichtige Entwicklungen und natürlich unser Thema des Jahres, den Lebensraum Salzwiese. Viel Spaß beim Lesen!
32 Jahre besteht der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, und in diesem Zeitraum ist die Salzwiesenfläche am Festland um mehr als 30 Prozent angewachsen – ein beachtliches Plus! Auch wenn viele Salzwiesen in den vergangenen Jahrzehnten im Schutz von Lahnungen entstanden sind, so haben sich an den Stränden von St. Peter-Ording, vor Westerhever oder südlich des Trischendammes in Friedrichskoog auf großer Fläche vollkommen natürlich Salzwiesen gebildet – ohne die helfende Hand des Menschen, allein durch natürliche Prozesse.
Auf etwa der Hälfte aller Salzwiesen kann sich, nach vielen Jahrzehnten der intensiven Beweidung und künstlichen Entwässerung, heute eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt wieder natürlich ausbilden. Dabei sind die jeweils vorherrschenden Standortbedingungen entscheidend: In tief liegenden und feuchten Bereichen sind Flora und Fauna vielfältig. In den hoch gelegenen Salzwiesen dagegen sind die jahrzehntelang betriebenen Landgewinnungs- und Entwässerungsarbeiten bis heute prägend. An solchen Standorten sind teils großflächig homogene Pflanzenbeständen herangewachsen. Hier wird die Zukunft zeigen müssen, in welche Richtung sich diese Flächen weiter entwickeln werden.
Der Küstenschutz profitiert von dem Sicherheitspuffer durch die anwachsenden Salzwiesen. Sie bremsen die Wucht der auflaufenden Wellen bei einem Sturm und reduzieren die Höhe der an den Deich rollenden Wellen. Dies haben neue Untersuchungen der Küstenforscher im Wellenkanal in Hannover gezeigt. Gegenüber einer unbewachsenen Fläche trägt die Vegetation je nach Wellenart und Wellenhöhe selbst unter Sturmbedingungen bis zu 60 Prozent zur Wellenreduktion bei. Auch wenn mit zunehmender Wellenbelastung die Triebe der höher wachsenden Salzwiesenpflanzen abbrechen und die Wellenreduktion reduziert wird, bleibt der Marschboden stabil und es tritt selbst bei starken Wellenbelastungen keine Erosion in den Salzwiesen auf.
Wichtige Komponente des Küstenschutzes
Das macht die Salzwiesen zu einer wichtigen Komponente des Küstenschutzes. Der Grundsatz des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“ dient damit auch dem Küstenschutz, der seit Jahrhunderten ein sehr hohes Gut ist: Salzwiesenschutz ist Küstenschutz. Und Küstenschutz ist Daseinsvorsorge.
Salzwiesen können aber nur dann weiter an- und mit dem steigenden Meeresspiegel in die Höhe wachsen, wenn die Sedimentzufuhr auf Dauer gesichert ist. Gerade dies könnte in der Zukunft zu einem Problem werden. In Zeiten des Klimawandels, der sich längst auch im Wattenmeer bemerkbar macht, ist der steigende Meeresspiegel eine neue Herausforderung.
Dieser hat sich die schleswig-holsteinische Landesregierung gestellt und im Jahr 2015 mit der „Strategie Wattenmeer 2100“ ein Zukunftskonzept vorgelegt. Eine wesentliche Aussage in diesem Zusammenhang ist die Feststellung, dass es langfristig zu einem Sedimentdefizit kommen kann. Und wenn Sediment fehlt und Stürme an Intensität zunehmen, werden die Salzwiesen an ihren Kanten abbrechen und nicht mehr in die Höhe wachsen können. „Wachsen mit dem Meer“ ist daher eine zentrale Anpassungsmaßnahme aus der Wattenmeerstrategie, Sedimentmanagement das Stichwort, dessen konkrete Ausführung noch erarbeitet werden muss.
Nicht nur die Strategie Wattenmeer 2100 ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Küstenschutz und Naturschutz im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer längst Hand in Hand gehen. Ein weiterer Beweis ist das Vorlandmanagementkonzept, das Küsten- und Naturschutzbehörden in Abstimmung mit dem Marschenverband bereits 1996 in mühevoller Detailarbeit erstellt haben und das regelmäßig fortgeschrieben wird. Schwerpunkt dieses Konzeptes ist ein Natur-schonender und Küsten-sichernder Umgang mit Salzwiesen. Lesen Sie mehr dazu in der nächsten Ausgabe der Nationalpark Nachrichten.
So schön ist das Wattenmeer im Winter – und der Winter im Watt! Die Nationalpark-Rangerin Herta Lorenz und ihr Kollege Martin Kühn haben in den vergangenen Tagen diese Impressionen mit der Kamera eingefangen. „Es war so herrlich draußen, fast windstill und wolkenlos, dabei die Temperatur gerade eben noch im Frostbereich, so dass Muscheln & Co kleine Eismäntelchen hatten – zauberhaft!“ kommentiert Herta Lorenz. Dem ist nichts hinzuzufügen …
Schneeammern (Foto oben), Berghänflinge und Ohrenlerchen: Den meisten sind sie unbekannt, obwohl große Teile ihrer Bestände im Nationalpark Wattenmeer überwintern. Der Nationalpark-Ranger Martin Kühn ist ihnen auf der Spur – und hat vor wenigen Tagen auch eine gut besuchte öffentliche Führung zu den gefiederten Wintergästen angeboten. Mehr über diese interessanten Vogelarten lesen Sie in dieser Pressemitteilung.
Es ist ein Schotte! Das Anfang Januar am Strand von St. Peter-Ording entdeckte und zur Aufzucht in die Seehundstation Friedrichskoog gebrachte Kegelrobbenjunge (siehe Nationalpark Nachrichten Ausgabe 1/2017) ist am 28. Oktober vergangenen Jahres auf der schottischen Isle of May geboren. Ermittelt werden konnte dies durch zwei Flossenmarken, berichtete die Leiterin der Seehundstation Tanja Rosenberger auf Anfrage der Nationalpark Nachrichten. Auf der vor der Ostküste Schottlands gelegenen Insel laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, unter anderem, um Erkenntnisse über den Verbleib der dortigen Kegelrobbenpopulation und ihre Wanderbewegungen zu gewinnen.
Der Kegler sei schon bei seiner Markierung „recht klein“ gewesen, fand Rosenberger durch Kontakte zu den schottischen Forschern heraus. In die Station eingeliefert wurde er mit kleinen Verletzungen und einem Gewicht von 14 Kilo – deutlich zu wenig für sein Alter. In Friedrichskoog habe sich „Gerald“, wie er genannt wurde, gut erholt, konnte schnell aus der Quarantäne ins Becken 10 des Aufzuchtbereiches verlegt werden und wiegt mittlerweile 25 Kilo, berichtet Rosenberger. Die Pfleger stellten allerdings fest, dass das Sehvermögen des Tieres stark eingeschränkt ist. Das linke Auge sei blind, auf dem rechten zeige er allerdings Reaktion und habe keine Probleme, Fische im Wasser zu finden – wie an obigem Foto unschwer zu erkennen ist.
Wie bei seiner Art üblich, könne sich „Gerald“ jedoch durch seine Barthaare gut orientieren, so dass einer späteren Auswilderung nichts im Weg stehe. Auch in der großen Kegelrobbenkolonie auf Helgoland würden immer mal wieder blinde Exemplare beobachtet. Wichtiger als die Augen (die ihnen im trüben Nordseewasser ohnehin wenig nutzen) sind für Kegelrobben nämlich eben diese Barthaare, mit deren Hilfe sie sogar jagen. Außerdem verfügen die Meeressäuger über einen gut ausgeprägten Geruchssinn.
Das ist Rekord: Mehr als 100 Nationalpark-Partner waren beim Jahrestreffen dabei, lauschten Vorträgen und diskutierten in kleinen Gruppen. Mehr dazu lesen Sie in dieser Pressemitteilung.
Infotage im Museum Landschaft Eiderstedt: Bis Ende dieses Monats können alle Multiplikatoren mit ihren Familien in den historischen Räumen im Ortsteil Dorf bei freiem Eintritt in die Geschichte der Halbinsel vom Beginn des 8. Jahrhunderts bis heute eintauchen. Angesprochen sind Vermieter von Ferienunterkünften, Hoteliers, Gastronomen, andere Nationalpark-Partner sowie Lehrkräfte und Erzieher.
Neu in der Einrichtung, die seit Juli 2014 zum Kreis der Nationalpark-Partner gehört, ist eine interaktive Ausstellung unter dem Titel „Vom Armenhaus zum Badeparadies“ (siehe Foto). Sie informiert über die Entwicklung der Seebäder St. Peter und Ording in den vergangenen 150 Jahren. Ein Themenbereich, gestaltet in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung, vermittelt Basisinformationen zum Nationalpark Wattenmeer. Derzeit ist das Museum dienstags bis sonntags von 11.00 bis 16.00 Uhr geöffnet, ab April zu erweiterten Sommeröffnungszeiten. Weitere Informationen finden Sie hier.
Das Weltnaturerbe Wattenmeer präsentiert sich vom 8. bis 12. März auf der weltgrößten Tourismusmesse, der ITB (internationale Tourismus-Börse) in Berlin – und einige Nationalpark-Partner sind dabei. Gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung bieten sie an dem großen Gemeinschaftsstand mit der Nr. 228 in Halle 4.1.b, an dem Vertreter aus allen Wattenmeerregionen mitwirken, an den Besuchertagen (11. und 12.) ein vielseitiges Programm. Katja Just (Foto oben), mit ihrem Haus am Landsende Nationalpark-Partnerin von der Nationalpark-Partnergemeinde Hooge, repräsentiert die Biosphäre Halligen in Halligtracht und wirbt für die Ringelganstage. Per Virtual-Reality-Brille können Besucher einen virtuellen Ausflug in den Nationalpark und ins Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum machen. Außerdem gibt es einen attraktiven Kurztrip nach St. Peter-Ording zu gewinnen – die Bausteine dafür stiften Nationalpark-Partner, unter anderem das Hotel StrandGut Resort. Zudem ist die Schutzstation Wattenmeer mit dem BeachExplorer und regiomaris mit einem Glücksrad vertreten. Detaillierte Informationen zum Programm am ITB-Stand Nr. 228 gibt es hier.
180.000 Besucher im vergangenen Jahr, weit mehr als drei Millionen seit der Eröffnung 1999 – das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum ist längst zum beliebten Anziehungspunkt für Feriengäste und Einheimische geworden. Hier erfahren Sie mehr über die Erfolgsbilanz und die Pläne für die Zukunft.
Der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck hat die Arbeit und das Engagement der Seehundjäger im Nationalpark Wattenmeer gelobt: Für das Seehundmanagement im Land seien sie „unverzichtbar“, sagte Habeck bei einem Treffen der Ehrenamtler im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum. Hintergrund seines Besuches dort ist eine Petition der Tierschutzpartei Ethia. Sie fordert, den Seehund aus dem Jagdrecht zu nehmen, um die Entscheidung über Leben und Tod der Tiere an Tierärzte zu übergeben. Umweltminister Habeck sieht dazu keine Notwendigkeit, da „die Seehundjäger für diese Entscheidung durch Schulungen und jahrelange Praxis gut qualifiziert sind“. Zu der Forderung von Ethia nach weiteren Seehundstationen in Schleswig-Holstein erklärte Habeck, die Einrichtung in Friedrichskoog werde den Anforderungen im Lande und denen des internationalen Seehundabkommens mit dem Seehundmanagementplan in vollem Umfang gerecht. Mehr über den Termin und die Einschätzung des Ministers ist in dieser Pressemitteilung nachzulesen.
Als modern und minimalistisch, in futuristischer Reetdacharchitektur – so haben Gäste der Einweihungsfeier das Haus erlebt und beschrieben: Der Nationalpark Dänisches Wattenmeer hat seit Anfang Februar ein neues Besucherzentrum. „Vadehavscentret“ ist das dänische Wort für das Wattenmeerzentrum, das nach zweijähriger Neu- und Umbauphase wieder seine Türen geöffnet hat und als „Eingangstor zu Dänemarks größtem Nationalpark“ fungieren soll.
Offiziell eröffnet wurde das in Vester Vedsted bei Ribe gelegene Zentrum in Anwesenheit vieler Gäste vom dänischen Prinzen Joachim im Rahmen einer Feierstunde. „Haus und Themenpräsentation sind typisch skandinavisch – nordisch, wie die Skandinavier es nennen“, berichtet Claus von Hoerschelmann, der gemeinsam mit dem stellvertretenden Leiter der Nationalparkverwaltung Gerd Meurs den schleswig-holsteinischen Nationalpark vertrat. Vermittelt werden unter anderem die Themen Gezeiten und Lebensraum Wattenmeer sowie als Schwerpunkt Physik, Biologie und weiteres Wissenswertes zum Vogelflug. Von Hoerschelmanns Eindruck: „Eine Ausstellung, die frischen Wind in die Landschaft und in die Familie der Infozentren am und im Weltnaturerbe Wattenmeer bringt“, und: „… unbedingt einen Besuch wert“.
Ornithologen und Nationalpark-Fans wissen es längst, nun haben auch die Medien den Reiz von Vogelsafaris entdeckt. „Sie suchen ein Hobby? Vogelbeobachtung ist in”, schrieb die Tageszeitung „Die Welt“ kürzlich in ihrer Online-Ausgabe. In dem Beitrag wird das international zu beobachtende „Trendhobby Birding“ vor allem Städtern mit einem „Zurück-zur-Natur-Wunsch“ zugeschrieben. Da ist von „birdenden Facebook-Girls“ die Rede, von „bärtig-kernigen Typen, bunt angezogenen Ökofrauen“ und „flotten Rentnern“. Ob das alles so richtig ernst gemeint ist? Wen es interessiert, kann sich ja selbst ein Bild machen, und zwar hier.
Der Klimawandel ist in Europa angekommen und hat bereits weitreichende Auswirkungen auf Ökosysteme, Wirtschaft sowie Gesundheit und Wohlergehen der auf dem Kontinent lebenden Menschen. Das ist die zentrale Botschaft des Klimaberichtes 2016, den die europäische Umweltagentur (EEA) Ende Januar vorgelegt hat. Danach steigen, bedingt durch Klimaveränderungen, die Meeresspiegel und Extremwetterereignisse wie Stürme, Überschwemmungen, aber auch Hitzewellen werden häufiger.
Einen solchen Bericht mit dem Titel „Climate change, impacts and vulnerability in Europe” legt die Agentur alle vier Jahre vor. Die aktuellen Ergebnisse bestätigten im Wesentlichen die aus dem Jahr 2012, so der an der Publikation beteiligte Wissenschaftler Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), in einer Pressemitteilung, und: „Die bessere Informationsgrundlage erlaubt jedoch auch neue Erkenntnisse, zum Beispiel hinsichtlich einer Zunahme von Extremereignissen in Europa. Diese unterstreichen, wie wichtig ambitionierte Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen sind” (unser Foto zeigt Sandvorspülungen auf Sylt). Die UFZ-Pressemitteilung ist hier, der englischsprachige Klimabericht hier im Internet zu finden.
Seit Milliarden von Jahren wird dieses Salz durch sauren Regen und Erosion aus dem Vulkangestein der Erde gelöst und nach und nach durch die Flüsse in die Meere gespült; dort akkumuliert es durch andauernden Eintrag und Verdunstung. So tragen erdgeschichtliche Ereignisse letztlich dazu bei, dass sich im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ein besonderer Lebensraum ausbilden kann: die Salzwiesen.
Übrigens enthält das Wasser der Nordsee rund 3,5 Prozent Salz, das entspricht in etwa dem Durchschnitt aller Weltmeere. Im Wattenmeer ist es, bedingt durch den Süßwassereintrag aus den Flüssen wie zum Beispiel der Elbe, deutlich weniger – je nach Jahreszeit 2,5 bis 3,2 Prozent an der nordfriesischen und 1,5 bis 2,5 Prozent an der Dithmarscher Küste. Lokal können diese Werte auf den Wattflächen durch Starkregen oder hohe Verdunstung bei sommerlicher Sonneneinstrahlung noch deutlich über- oder unterschritten werden.
Die Bestände sowohl von Brandgänsen als auch von Eiderenten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gehen seit vielen Jahren zurück. Das ist dem Monitoring zu entnehmen, dessen aktuelle Zählergebnisse von 2016 jetzt vorliegen. Seit Ende der 1980er Jahren werden in jährlich mehreren Zählflügen die Bestandszahlen sowie die räumliche Verteilung beider Arten erfasst.
Für Brandgänse (Foto oben) ist die Nationalparkregion nördlich der Elbmündung von herausragender nationaler und internationaler Bedeutung: Nahezu alle erwachsenen Tiere aus Nordwesteuropa mausern vor Dithmarschen, das heißt, sie erneuern ihre Flugfedern und sind dann einige Wochen flugunfähig. 2016 wurde mit mehr als 150.000 Tieren Anfang August das Maximum erreicht. Damit sind die Mauserbestände in den vergangenen zehn Jahren stabil. In Hoch-Zeiten der 1990er Jahre waren es vor Dithmarschens Küste allerdings 200.000 Individuen und mehr. Seitdem hat ein Teil der Vögel die Mauser ins niederländische Wattenmeer verlegt. Von dort werden steigende Zahlen gemeldet, jedoch ohne die Gesamtzahl von 200.000 zu erreichen.
Rückgang im Winter und zur Mauserzeit
Auch die nordeuropäisch/baltische Population der Eiderenten ist seit den 1990er Jahren stark rückläufig. In seinem Bericht schreibt der Diplom-Biologe Norbert Kempf, der seit fast 20 Jahren das Monitoring für beide Vogelarten im Auftrag der Nationalparkverwaltung in der Hand hat, von einem Rückgang der Zahlen im Winter und zur Mauserzeit. Das heutige Niveau im schleswig-holsteinischen Wattenmeer liege „jeweils bei grob zwei Dritteln der Bestandshöhe der 1990er Jahre“. Für die Eiderenten hat Kempf zur Mauserzeit Verbreitungsschwerpunkte in den abgelegenen Bereichen Nullnutzungszone (südlich des Hindenburgdammes), im Rummelloch westlich von Pellworm und Buschsand westlich von Trischen festgestellt. Seine Vermutung ist, dass die flugunfähigen Tiere „die Gebiete aufsuchen, in denen sie möglichst wenig mit dem Schiffsverkehr konfrontiert sind“.
Vereinzelte fischereiliche Aktivitäten hat der Wissenschaftler im Mausergebiet der Brandgänse beobachtet und dokumentiert. Bei Fangfahrten der Kutter in bestimmten Prielen seien die flugunfähigen Tiere von ihren Rastplätzen vertrieben worden. Wie sie schwimmend und laufend flüchten, ist in Fotos festgehalten. Die Beobachtungen zeigen, dass die freiwillige Vereinbarung, die Meeresgebiete der sehr störungsempfindlichen Brandgänse im Dithmarscher Wattenmeer zu meiden, nicht von allen Fischern respektiert wird.
Die Brandgans- und Eiderentenberichte können bei Interesse in der Nationalparkverwaltung angefordert werden, am besten per Mail unter nationalpark(@)lkn.landsh.de.
„Rein in die Gummistiefel und auf zum Müllsammeln“ hieß es bei der ersten praktischen Unterrichtseinheit zum Thema Müll im Meer für Schüler der Fischereischule Rendsburg. David Fleet, in der Nationalparkverwaltung zuständig für das Müll-Monitoring, hatte den Kontakt und das Projekt angestoßen, die Nationalparkverwaltung das eintägige Programm organisiert. Lesen Sie mehr dazu in dieser Pressemitteilung.
2016 war ein sehr gutes Jahr für die Nationalpark-Wattführerinnen und -Wattführer! Darüber waren sich alle einig bei der kürzlichen Jahreshauptversammlung: Es gab so viele Führungen (genau 2002) und Gäste wie noch nie: Mehr als 51.200 Menschen wurden im vergangenen Jahr ins Watt geführt. Und das nicht nur in der Urlaubssaison – auch die Wintertouren waren gefragt (siehe Foto oben).
Auffällig ist die Verteilung auf die Regionen: In Dithmarschen sind 11 Nationalpark-Wattführer registriert, in Nordfriesland 48 – die Dithmarscher stellen dabei rund 40 Prozent der Veranstaltungen. Die Nähe zu Hamburg mag sich hier ähnlich stark auswirken wie die Anziehungskraft der Insel- und Halligwelt vor der nordfriesischen Küste, so die für diesen Arbeitsbereich in der Nationalparkverwaltung zuständige Anne Segebade.
Aus dem von ihr erstellten Gesamtüberblick geht auch hervor, dass die Beliebtheit von Watterkundungen steigt, während die der Wattwanderungen sinkt: Erstere, Ausflüge ins Watt mit demselben Start- und Zielpunkt, machen mittlerweile fast 80 Prozent der Angebote aus. Wattwanderungen dagegen, zum Beispiel zu einer Hallig mit Pause und Rücktour entweder zu Fuß oder per Schiff, sind deutlich länger und anstrengender – und wohl darum weniger gefragt; außerdem sind sie stark wetterabhängig.
Verstärkung für das Sylter Team
59 Nationalpark-Wattführer und -Wattführerinnen waren im vergangenen Jahr bei der Nationalparkverwaltung registriert; zum Vergleich: 2001 waren es noch 33. Allein auf Sylt verstärken jetzt 7 „Neue“, angedockt an das Erlebniszentrum Naturgewalten, das bewährte Nationalpark-Wattführerteam der Insel.
Bei den Nationalpark-Gästeführerinnen und -Gästeführern weist der ebenfalls deutlich nach oben: 4 Aktive waren es beim Start dieses Programmes im Jahr 2008, heute sind es 10. Und entsprechend nimmt die Zahl der Angebote zu; mit 272 waren es auch hier so viele wie noch nie. Gästeführer organisieren Touren in die Nationalparkregion, etwa Ortsführungen auf den nordfriesischen Inseln oder Fahrradexkursionen am Festland.
Wechsel ans Meer: „Raus aus der Wissenschaft, rein in die Praxis“ – unter diesem Motto hat Christian Fischer (Foto oben) seine neue Aufgabe in der Nationalparkverwaltung angetreten. Im Fachbereich „Schutz und Entwicklungsplanung“ ist er – um nur einige Schwerpunkte zu nennen – für naturschutzfachliche und -rechtliche Bewertungen und Entscheidungen zur Fischerei, für die Umsetzung der Befahrensverordnung und für Schutzkonzepte für Meeressäuger zuständig. Zuvor hatte der gebürtige Kieler, der in Lüneburg Umweltwissenschaften studiert hat, fünf Jahre lang am Helmholtz-Zentrum in Geesthacht im Bereich Küstenforschung gearbeitet. Aber „ein Fischer gehört ans Meer“, lacht der 32-Jährige. Und da es nach Nordfriesland bereits private Bande gab, konnten Arbeitsantritt und Umzug problemlos parallel über die Bühne gehen.
Längst zur Tradition geworden ist die „Lange Nacht der Biike“ im und am Multimar Wattforum: Am kommenden Dienstag, 21. Februar, wird der feurige nordfriesische Brauch ab 17.00 Uhr rund um das Tönninger Nationalpark-Zentrum und an der Hafenspitze gefeiert – inklusive Stockbrotbacken (siehe Foto). Mehr zu der Veranstaltung ist hier im Internet zu finden.
Ein Novum dagegen ist die Veranstaltung „Meer und Musik“ am 18. März: Das Vokalensemble Kleiner Chor Husum ist zu Gast im Nationalpark-Zentrum und lädt ein zu einem Spaziergang durch die Klänge der Nacht. An drei verschiedenen Stationen in der einzigartigen Kulisse der großen Wattenmeerausstellung wird das Ensemble mit heiteren und traurigen, sehnsüchtigen und erotischen Liedern von den Gefühlen erzählen, die Menschen mit der Nacht verbinden. Weitere Informationen hier. Bereits Wochen vorher ausverkauft war übrigens die Veranstaltung mit Arved Fuchs am vergangenen Dienstag: 300 Interessierte lauschten gebannt dem Multimediavortrag des Polarforschers und Abenteurers über seine Expeditionen nach Grönland.
Das Weltnaturerbe Wattenmeer erhält ein Zuhause: Im niedersächsischen Wilhelmshaven, in Nachbarschaft zum dortigen UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum (Foto rechts), wird ein niederländisch-deutsch-dänisches Zentrum entstehen. „Es freut mich sehr, Sie darüber informieren zu können, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Entwicklung eines ‚Wattenmeer Welterbe Partnerschaftszentrums‘ eine neue Phase erreicht haben“, hat Bundesumweltministerium Barbara Hendricks kürzlich an die Regierungen der Niederlande und Dänemarks geschrieben und eine „beträchtliche finanzielle Förderung“ ihres Ministeriums zugesagt. „Die Finanzierung steht“, meldete denn auch kürzlich die Wilhelmshavener Zeitung. Auch erste Skizzen lägen bereits vor, die Eröffnung sei für das Jahr 2020 anvisiert.
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