Schleswig-Holstein

03.03.2021 |

Nationalpark Nachrichten Juni 2019

MOIN, MOIN,
liebe Freundinnen und Freunde des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer! „Wir sind Welterbe" - so lautete der Freudenruf am 26. Juni 2009 nicht nur in der Nationalparkverwaltung, sondern wattenmeerweit. In diesem Jahr feiert das Weltnaturerbe Wattenmeer nun seinen zehnten Geburtstag, und in den kommenden Tagen finden die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt. Darum sind diese Nationalpark Nachrichten ganz allein „unserem", dem wunderbaren Weltnaturerbe Wattenmeer gewidmet, mit Gratulationen, Berichten und Informationen über den schleswig-holsteinischen Teil der Weltnaturerbe-Radtour durch alle Wattenmeerregionen. Start ist übermorgen, am Mittwoch, auf Sylt. Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein - auf zwei Rädern, an einer oder mehreren der vielen Stationen entlang der Strecke oder auf der Facebook-Seite der Nationalparkverwaltung!


Aktuelles


Glückwunsch!

© Brunckhorst / LKN.SH, Montage: Amélie Putzar

An diesen Tag – und diese SMS-Serie – dürften sich wohl alle erinnern, die damals in der Nationalparkverwaltung dabei waren. Im spanischen Sevilla tagte das Welterbe-Komitee der UNESCO, zur Entscheidung auf der Tagesordnung stand auch die Aufnahme des deutsch-niederländischen Wattenmeeres (genauer: der schleswig-holsteinischen, niedersächsischen und niederländischen Wattenmeeranteile). In Sevilla mit am Konferenztisch saßen Vera Knoke, Nationalparkreferentin im schleswig-holsteinischen Umweltministerium, und Klaus Koßmagk-Stephan aus der Nationalparkverwaltung – und letzterer schickte in kurzer Folge bewusste SMS (siehe oben). „Das war ein unglaublich tolles Gefühl, das uns dann in Tönning übermannte“, erinnert sich der heutige Leiter der Nationalparkverwaltung Detlef Hansen.

Und das „tolle Gefühl“ ist geblieben. Nun wird das Weltnaturerbe Wattenmeer „Zehn“ – und viele Weggefährten und Fans sagen „herzlichen Glückwunsch“. Hier nur einige der zahlreichen Gratulanten:

Fotos: © LKN / LH

Diese Tafeln wattenmeerweit zu verteilen, war die Idee einer trilateralen Planungsgruppe inklusive des in Wilhelmshaven ansässigen Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS). Auf deren Initiative hin wurden außerdem Partnerinnen und Partner der trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit eingeladen, per Videobotschaft zu gratulieren. Die Playlist kann hier aufgerufen werden.

Zu sehen sein werden die Videos auch bei der Abschlussveranstaltung am 30. Juni in Wilhelmshaven. Geplant ist dort eine ganztägige Feier unter anderem mit Gottesdienst, Weltnaturerbe-Erlebnismarkt, Live Acts, einem kleinen Symposium und einem Jubiläumsempfang am Abend. Der Nationalpark schleswig-holsteinisches Wattenmeer wird unter anderem mit Infoständen und Vertretern aus verschiedenen Nationalparkregionenvor Ort sein.

Davor allerdings steht jetzt der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten in Schleswig-Holstein an – die Weltnaturerbe-Radtour, die diesen Mittwoch (19.) auf Sylt startet und entlang der Nationalparkküste nach Büsum führt. Mitradeln ausdrücklich erwünscht! Details finden Sie weiter unten in der Rubrik „Watt noch?“ .

Zehn Jahre Weltnaturerbe – für die Nationalpark Nachrichten haben wir dazu Menschen aus verschiedenen Bereichen zum Weltnaturerbe Wattenmeer befragt. Zum Beispiel …

Daniel Günther

Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein

Frage 1: Was verbinden Sie persönlich mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer?

Als Kind von der Ostseeküste ist das Wattenmeer für mich das wilde Meer der Nordsee, die beeindruckende Dynamik von Wind und Wellen, aber auch Sturm und Stille, Wandern im Watt und es sind die Vogelschwärme, die am Himmel traumhaft schöne Flugformationen bilden.

Frage 2: Welche Erinnerungen haben Sie an den 26. Juni 2009 (den Tag, an dem die UNESCO-Kommission die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe ausgesprochen hat)?

Das war der Tag, an dem die UNESCO-Kommission bei ihrer Tagung im spanischen Sevilla die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe ausgesprochen hat. Für mich war das ein Tag der Freude und des Stolzes , dass Schleswig-Holstein nun in der Champions League der Naturgebiete weltweit dabei ist

Frage 3: Was bedeutet die Anerkennung als Weltnaturerbe für das Ökosystem Wattenmeer?

Das Wattenmeer ist ein sensibler, wertvoller, faszinierender Lebensraum, ein Stück Wildnis vor unserer Küste. Nicht umsonst ist der schleswig-holsteinische Teil schon im Jahr 1985 als Nationalpark ausgewiesen worden. Das Gebiet ist ein Schatz, auf den wir Schleswig-Holsteiner durchaus stolz sein dürfen. Die Auszeichnung als Weltnaturerbe lenkt die Augen der Welt darauf, wie künftig mit dem Wattenmeer umgegangen wird. Sie ist Anerkennung unseres grenzüberschreitend mit den Nachbarn in Dänemark und den Niederlanden gelebten Credos „Drei Staaten, ein Ökosystem, eine Verantwortung, ein gemeinsames Schutzkonzept“. Die Auszeichnung ist Ansporn und zugleich Verpflichtung, das Weltnaturerbe Wattenmeer zu erhalten und intakt an die nächsten Generationen zu übergeben.

Frage 4: Was hat sich konkret in den zehn Jahren verändert – und was sind die Aufgaben für die Zukunft?

Mit der Auszeichnung hat sich der Blick auf die Heimat geändert: Wir haben an der Westküste mit der Anerkennung des Wattenmeers als Weltnaturerbe ein nochmal verstärktes Engagement erfahren. Das gilt für die Kooperation von Naturschutz und nachhaltigem Tourismus ebenso wie für den Bildungsbereich oder bei den Umweltverbänden. Viele engagierte Menschen tragen mit ihren an Angeboten dazu bei, dass Einheimische, Schulklassen und unsere Gäste das Wattenmeer mit allen Sinnen erfahren können. Und sie nehmen Anregungen mit, wie jede/r einzelne zum Schutz des Wattenmeeres beitragen kann. Welterbe – diese Anerkennung geht als Versprechen weit über Schleswig-Holstein hinaus. Mit dem Wattenmeer wollen wir ein weltweit herausragendes Beispiel für Zusammenarbeit über Grenzen hinweg sein.

© Foto: Frank Peter

Jens Enemark

langjähriger Sekretär der trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit und bis 2014 Leiter des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS)

Frage 1: Etwas Großartiges! Natur in Weltklasse entlang unser Küste, die die Menschen in den drei Wattenmeerstaaten verbindet und wofür sie Verantwortung übernehmen. Ein Vorbild weltweit! ! Und ein ganz persönlicher Aspekt: Das Weltnaturerbe Wattenmeer hat mich von Anfang an als Sekretär der Zusammenarbeit begleitet und auch das Schicksal des CWSS war damit verbunden.

Frage 2: Stolz und erleichtert war ich über die Anerkennung, für die wir alle 20 Jahre lang gearbeitet hatten – aber auch ein bisschen wehmütig, weil die Anerkennung (noch) nicht den dänischen Teil betraf, mein Geburtsland.

Frage 3: Sehr viel, wenn nicht alles, auf allen Ebenen. In erster Linie die Bestätigung unser Schutzbemühungen, die über, das was wir mit National Parks und Naturschutzgebieten leisten, hinausgeht. Eine bessere Verankerung unseres Schutzgedankens und der Wattenmeerzusammenarbeit ist nicht möglich. Die Anerkennung als Weltnaturerbe ging nur gemeinsam, und deshalb tragen die drei Staaten auch gemeinsam die Verantwortung für den Erhalt des Wattenmeeres – vor allem für da,s was das Wattenmeer ausmacht: Dynamik, Prozesse, Biodiversität.

Frage 4: Beruflich war ich nur in den ersten fünf Jahren danach dabei. Es hat für den Wattenmeerschutz einen ‚Push‘ gegeben: mehr Zusammenarbeit mit der Tourismusindustrie für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus, die Zusammenarbeit mit den Staaten entlang der Zugvögelroute, die sogenannte Flyway-Zusammenarbeit, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die erfolgreiche Kooperation führte dazu, dass Dänemark sich nach nur fünf Jahren dem Weltnaturerbe angeschlossen hat. Danach konnten wir zu recht dann über das „Weltnaturerbe Wattenmeer“ reden.

Jetzt geht es darum, die Wattenmeerzusammenarbeit verstärkt auf einen einheitlicheren, engagierteren und engeren Schutz des Wattenmeeres auszurichten. Das Potenzial, die das Weltnaturerbe für die nachhaltige Entwicklung der Wattenmeerregion in sich hat, und die Anbindung der Menschen an das Weltnaturerbe ist bei Weitem noch nicht ausgenutzt. Das ist die weitere große Herausforderung für die Zukunft!

Foto: © Stock / LKN.SH

Klaus Koßmagk-Stephan

am 26. Juni 2009 bei der UNESCO-Tagung als Vertreter der Nationalparkverwaltung dabei

Frage 1: Ich verbinde damit 10 Jahre intensiver und teilweise kontroverser Diskussion an der schleswig-holsteinischen Westküste. Das war teilweise sehr mühselig, besonders in Nordfriesland. Auch in der Landespolitik war das kein Selbstgänger. Am Ende stimmte der schleswig-holsteinische Landtag am 21. November 2007 einstimmig für das Welterbe. Eine Sternstunde für das Parlament und das Land!

Frage 2: Ich durfte in Sevilla dabei sein. Ein grandioser Moment in meinem Leben. Genauso bedeutend wie die Geburt meiner Kinder. Es ist ein unglaubliches Privileg, dass ich in der trilateralen Arbeitsgruppe an der Antragstellung mitarbeiten durfte. Das war der Höhepunkt meines Berufslebens. So etwas erleben nur wenige Menschen.

Frage 3: Das ist das Beste, was dem Wattenmeer passieren konnte! Dass es mitten in Europa ein solch riesiges, nahezu unzerstörtes Ökosystem gibt, grenzt an ein Wunder. Es ist ein Erfolg aller Menschen, die sich seit mehr als 100 Jahren für seine Erhaltung eingesetzt haben und nicht zuletzt dem mehr als 30jährigen Bemühen der drei Wattenmeerstaaten und um seinen gesetzlichen Schutz zu verdanken. Chapeau!

Frage 4: Das Motto “Wir sind Welterbe” bei den regionalen Feiern 2009 ist Programm geworden. Es hat eine ganz neue Identifikation an der Westküste mit dem Nationalpark und gleichermaßen in den anderen Wattenmeerregionen ausgelöst. Von dieser Auszeichnung haben jetzt schon viele Menschen profitiert.

Und – Welterbe ist Programm für diese und die kommenden Generationen. 10 Jahre sind ein kurzer Zeitraum. Geht sorgsam und mit Bedacht mit dem Ökosystem um. Ein kaputtes Wattenmeer ist nicht heilbar.

Foto: © Stock / LKN.SH

Stefan Mohrdieck

Landrat des Kreises Dithmarschen und Vorsitzender des Dithmarscher Nationalpark-Kuratoriums

Frage 1: Das Wattenmeer übt auf mich seit je her eine große Faszination aus. Immer wenn ich mich in diesem einzigartigen Naturraum bewegen darf, spüre eine ganz besondere Magie, die geprägt ist von der Weite, der Ruhe und dem Licht in Verbindung mit dem Gefühl, das sich bei mir beim Betreten zeigt.

Frage 2: Ich habe mich riesig gefreut, als ich aus den Medien von der Anerkennung erfahren habe. Es hat mich sehr stolz gemacht, dass unser Wattenmeer dabei ist.

Frage 3: Die Anerkennung erhöht noch einmal die Aufmerksamkeit der Menschen und betont den Wert und die Bedeutung dieses einmaligen Lebensraums. Damit wird auch das Ökosystem gestärkt.

Frage 4: Mit der Anerkennung hat sich das Bewusstsein der Menschen in der Region aber auch der zahlreichen Touristen im Umgang mit dem Wattenmeer verändert. Mit der gestiegenen Bekanntheit ist auch die Verantwortung, die die Menschen im Umgang mit dem Wattenmeer empfinden, gestiegen. Es ist außerdem gelungen, das Einmalige des Wattenmeer herauszustellen und zu betonen. Dadurch ist auch die das Identitätsbewusstsein der Menschen mit dem Wattenmeer gestiegen.

Oberstes Ziel für die Zukunft muss sein, dieses Bewusstsein um die Bedeutung weiter zu steigern und die Verantwortung für den Erhalt und den Schutz des Wattenmeers auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen.

Foto: © Kreis Dithmarschen

Anja Szczesinski

WWF Deutschland, Wattenmeerbüro

Frage 1: Mit dem Weltnaturerbe verbinde ich vor allem EIN Wattenmeer und eine tolle Chance, das Gebiet als Ganzes wahrzunehmen. Die gemeinsame Auszeichnung symbolisiert auf ideale Weise die Zusammengehörigkeit des deutsch-dänisch-niederländischen Naturgebietes und trägt zu einem gemeinsamen Stolz und Verantwortungsgefühl bei. Für meine Tätigkeit als Koordinatorin der Internationalen Wattenmeerschule war und ist die Ernennung zum Weltnaturerbe sehr hilfreich, weil sich die weltweite Bedeutung des Wattenmeeres mit einem einzigen Begriff erfassen lässt.

Frage 2: „Wir sind Weltnaturerbe“ war eine echte „Gänsehaut-Nachricht“. Im Grunde hatte ich natürlich fest mit der Auszeichnung gerechnet, aber als es dann Wirklichkeit wurde, war das ein besonderer Moment.
Privat bin ich an diesem Tag umgezogen. Mit einem Hauskauf hatte ich Wurzeln geschlagen an der Westküste, und fortan in einer Nationalpark- UND Weltnaturerbe-Region zu leben erfüllte mich mit Stolz.

Frage 3: Zunächst einmal vorweg: Aus Sicht des WWF war und ist die Auszeichnung absolut gerechtfertigt! Die hohe und positiv besetzte Bekanntheit des „UNESCO Weltnaturerbes“ bedeutet für das Wattenmeer sicher vor allem eine gesteigerte nationale und internationale Aufmerksamkeit. Während der eigentliche Schutz ja durch verschiedene nationale und europäische Rechtsinstrumente wie die Nationalparks und die Natura 2000-Richtlinien gewährleistet ist, kann der Weltnaturerbe-Status helfen, diesen Schutz ganz langfristig und unabhängig von nationalen politischen Entwicklungen zu sichern. Und dabei muss man ständig am Ball bleiben und darf in den Anstrengungen nicht nachlassen.

Frage 4: In den Bereichen naturverträglicher Tourismus und Wattenmeer-Bildung, für die ich beim WWF tätig bin, ist die internationale Zusammenarbeit und Anerkennung eines länderübergreifenden Denkens und Handelns maßgeblich gewachsen. Die Zusammenarbeit mit den Touristikern ist inzwischen von ganz viel Engagement geprägt! Ohne die Auszeichnung zum Weltnaturerbe würde es heute vermutlich keine gemeinsame Strategie für einen nachhaltigen Tourismus in der Weltnaturerbe Wattenmeer Destination geben. Und auch die auf der letzten Ministerkonferenz verabschiedete wattenmeerweite Strategie für Bildung und Besucherinformation im Weltnaturerbe Wattenmeer hätte es möglicherweise nicht so hoch auf die politische Agenda geschafft.

Für die Zukunft gilt es, diese und weitere Beschlüsse und Strategien, bspw. zu Klimaschutz und Klimaanpassung, umzusetzen und bei allen Entwicklungen und Entscheidungen – seien sie lokal, regional oder international – stets das „große Ganze“, nämlich das gemeinsame Weltnaturerbe, im Blick zu behalten und bestmöglich zu schützen.

Foto: © Jannes Fröhlich

Wilfried Bockholt

Bürgermeister der Nationalpark-Partnerkommune Niebüll

Frage 1: Das Wattenmeer ist Teil meiner Heimat, unvergleichlich und in seiner Rauheit und Schönheit einmalig.

Frage 2: Einer der spontanen Gedanken war: „Ja! Wir stehen mit unserem Wattenmeer auf Augenhöhe wie andere einmalige Naturräume auf der Welt, wie z.B. den Grand Canyon, den ich 1999 bewundern konnte.“

Frage 3: Meines Erachtens vorrangig eine Hervorhebung des Bewusstseins für die Verletzbarkeit dieses Refugiums. Aber die Anerkennung hat für meinen Eindruck auch bei vielen Menschen eine andere Haltung zum Wattenmeer hervorgerufen, eine Wertschätzung.

Frage 4: Was sich verändert hat? Ich kann es nicht einschätzen. Das Wattenmeer an sich nicht. Ich sehe in unserer Region z.B. nur mehr Austern als früher und frage mich, wie ich diese Veränderung – wenn es denn wirklich eine ist – einzuordnen habe. Die Einschränkung der traditionellen Nutzung wie z.B. die Krabbenfischerei, die von einigen aktuell sogar als gänzlich zu unterbinden diskutiert wird, überspannt meines Erachtens den Bogen. Solange im Wattenmeer Öl gefördert wird oder aktuell wieder als Feld für CO²-Verpressung (CCS) nicht ausgeschlossen wird, gibt es andere Felder für Untersagungen und Beschränkungen als im Themenkreis der angestammten Fischerei.

Foto: © Stadt Niebüll

Heike Hinrichsen

Vorsitzende des Vereins Halliggemeinschaft Biosphäre

Frage 1: Persönlich verbinde ich mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer zunächst einmal ein Stück Heimat, in der ich seit fast einem halben Jahrhundert zu Hause sein darf.

Frage 2: Ich habe mich vor zehn Jahren sehr über die Nachricht gefreut, dass diese sensible Naturlandschaft in die Liste der UNESCO Weltnaturerbestätten aufgenommen worden ist.

Frage 3: Durch diese besondere Auszeichnung als Weltnaturerbe kann das Ökosystem des Wattenmeeres erhalten werden.

Frage 4: In den vergangenen zehn Jahren hat sich verändert, dass die Menschen gegenüber dem Naturerbe Wattenmeer sensibler geworden sind. Dennoch muss für die Zukunft konkret und dringend an der Vermeidung von Plastikmüll weitergearbeitet werden, damit sich das Ökosystem dieser sensiblen Region kann.

Foto: © Wells / LKN.SH

Susanne Arnold

Bundesfreiwilligendienstlerin bei der Schutzstation Wattenmeer am Standort St. Peter-Ording

Frage 1: Für mich ist das Weltnaturerbe Wattenmeer in meinem Jahr als Freiwillige zu einem Zuhause geworden. Draußen im Watt zu sein und die einzigartige Natur jeden Tag aufs Neue erleben zu können, ist ein großes Geschenk. Ich verbinde das bisher schönste Jahr meines Lebens mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer, weswegen das Wattenmeer für mich immer sehr wichtig sein wird. Besonders freue ich mich darauf, bei der Welterbe-Radtour dabei sein zu können.

Frage 2: An den 26. Juni selbst habe ich keine genauen Erinnerungen. Ein Jahr später war ich in einem anderen Weltnaturerbe, dem Grand Canyon. Dort konnte ich die beeindruckende Einzigartigkeit der Natur erleben. Dass ich jetzt die Möglichkeit habe in einem Welterbe zu arbeiten, dass auf einer Stufe mit dem Grand Canyon steht, ist für mich sehr besonders.

Frage 3: Das Wattenmeer ist durch die Anerkennung als Weltnaturerbe bekannter geworden. Das bedeutet einerseits, dass mehr Menschen diese Naturlandschaft erleben wollen. Um die Natur weiterhin zu schützen und Störungen zu verhindern, müssen die Gäste gezielt gelenkt werden. Andererseits ist dadurch die Relevanz des Naturschutzes noch präsenter geworden bei vielen Menschen, die hierher kommen, um dieses Ökosystem zu erleben. Die Bereitschaft, diesen Lebensraum und die Natur zu schützen, ist durch die Anerkennung der UNESCO mit Sicherheit größer geworden. Davon wird das Wattenmeer hoffentlich auch langfristig profitieren.

Frage 4: Die vergangenen zehn Jahre kann ich nur schwer beurteilen. In Zukunft muss es unsere Hauptaufgabe sein, dafür zu sorgen, dass das Wattenmeer und das gesamte Ökosystem weiter bestehen bleibt. Für die Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt hier, ist die Einrichtung von weiteren, umfangreichen nutzungsfreien Gebieten notwendig. Die größte Bedrohung für das Wattenmeer ist der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg zusammen mit häufiger auftretenden extremen Wetterphänomenen. Damit das Wattenmeer und viele andere Weltnaturerbestätten noch lange erhalten bleiben können, müssen wir dafür kämpfen, dass die Klimaerwärmung nicht noch weiter voranschreitet. Jeder kann durch sein Verhalten einen Beitrag dazu leisten.

Foto: © Schutzstation Wattenmeer


Aus dem Multimar Wattforum


Geburtstag, die Erste

© Marquardt / LKN.SH

Geburtstagsfeier im Multimar Wattforum, die Erste: Am 9. Juni 1999 wurde das Nationalpark-Zentrum eröffnet, und der “echte” Geburtstag wurde mit einem besonderen Gästeprogramm gefeiert. Geboten wurden unter anderem spezielle Führungen und eine Jubiläumsrallye. Vor dem Großaquarium zog eine Märchenerzählerin das kleine und große Publikum in ihren Bann.

Am 24. Juni heißt es „Geburtstag, die Zweite“. Dann steht der Doppelgeburtstag zehn Jahre Weltnaturerbe Wattenmeer und 20 Jahre Multimar Wattforum im Mittelpunkt, die Weltnaturerbe-Radlertruppe legt einen Stopp im Multimar ein. Vorbereitet sind unter anderem ein Aktionsnachmittag von Schülern für Schüler (und weitere Interessierte) sowie eine leckere Geburtstagsüberraschung für alle Gratulanten; auch der schleswig-holsteinische Umweltminister Jan Philipp Albrecht hat sein Kommen angekündigt.

Kleines Foto: © Marquardt / LKN.SH


Wussten Sie schon, dass…


… das Wattenmeer mehr
als 200 “Geschwister” hat?

© Gratwicke/CC BY 2.0

247 Naturräume sind es ganz genau, die von der UNESCO, ebenso wie das Wattenmeer, als „World Natural Heritage“ ausgezeichnet wurden – davon 209 reine Natur- und weitere 38 gemischte Natur- und Kulturerbestätten. Vom Ilulissat-Eisfjord auf Grönland bis zum Zentralamazonas im brasilianischen Regenwald – Weltnaturerbestätten gibt es in allen Klimazonen, auf allen Kontinenten, über 108 Länder verteilt. Hier ein paar der Rekordhalter:

Das Größte: Die Phoenix Islands Protected Area. Das Schutzgebiet mit der klangvollen Abkürzung PIPA ist mit gut 408.000 km² knapp 100 Mal so groß wie das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Es umfasst die Phoenixinseln im zentralen äquatorialen Pazifik – eine von drei Inselgruppen Kiribatis – und zeichnet sich durch ein einzigartiges Ökosystem aus, in dem sich unter anderem rund 200 Korallen- und über 500 Fischarten tummeln.

Das Kleinste: In ähnlich exotischer Lage befindet sich das kleinste Mitglied der Weltnaturerbe-Gemeinschaft: Das auf der Seychellen-Insel Praslin gelegene „Maital“ („Vallée de Mai“) bietet die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Seychellen auf lediglich 19,5 Hektar – und erreicht damit gerade einmal ein Drittel der Fläche von Hallig Süderoog.

Die Ältesten: Gleich vier Stätten können sich über den Titel der „Weltnaturerbe-Senioren“ freuen: 1978 wurden als erste Gebiete der Yellowstone-Nationalpark in den USA, die zu Ecuador gehörigen Galápagos-Inseln im Pazifik, der Nahanni-Nationalpark im Nordwesten Kanadas und der Simien-Nationalpark in Äthopien von der UNESCO ausgezeichnet.

Die Jüngsten: Im Juli 2018 bekam die Weltnaturerbe-Familie zuletzt Nachwuchs, drei Gebiete wurden anerkannt. Hierzulande wohl am bekanntesten ist die „Chaîne des Puys“, die charakteristische Vulkankette des französischen Zentralmassivs.

Das Nördlichste: Nein, nicht der Ilulissat-Eisfjord auf Grönland, sondern das Naturreservat Wrangelinsel im äußersten Nordosten Sibiriens macht hier das Rennen. Walrösser, Eisbären und Grauwale finden dort die richtigen Lebensbedingungen vor. Trotz dieser zahlreichen Attraktionen ist das Menschenaufkommen überschaubar – die letzten Siedlungen auf der Insel sind mittlerweile verlassen und es gibt keine dauerhaften Einwohner mehr.

Das Südlichste: Kein Weltnaturerbe ist dem Südpol so nah wie die Macquarie-Insel. Auf halber Strecke zwischen Neuseeland und der Antarktis gelegen, zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie aus ozeanischer Erdkruste besteht. Ansonsten ist es den Menschen aber auch hier etwas zu ungemütlich – die Marcquarie-Insel ist bis auf vier Forschungsstationen ebenfalls unbewohnt.

Das Höchste: Hoch, höher, Sagarmatha: Im Himalaya gelegen, darf sich der nepalesische Nationalpark über einen ganz besonderen „Bewohner“ freuen – den Mount Everest, mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt. Im Gebiet befinden sich zudem mit dem Lhotse und dem Cho Oyu zwei weitere Achttausender, zahlreiche spektakuläre Täler und einige seltene Tierarten, wie der Schneeleopard und der rote Panda.

Das „Abgelegenste“: Um diesen Titel konkurrieren gleich mehrere Gebiete, die fernab jeder menschlichen Zivilisation liegen. Doch nur eine Stätte trägt die Unzugänglichkeit auch im Namen: Die Gough and Inaccessible Islands (Foto oben) sind Teil des Tristan da Cunha-Archipels im südlichen Atlantik. Sie sind unbewohnt, Heimat einer der weltweit größten Seevögelkolonien und vollständig frei von eingewanderten Säugetieren.

Sebastian Müller

Quelle: UNESCO, World Heritage List


Aus der Arbeit der Nationalparkverwaltung


Minister auf Wanderschaft

© Stock / LKN.SH

Eine Wattwanderung zum Weltnaturerbe-Jubiläum: In Begleitung von Teams aus dem Ministerium, dem LKN, der Nationalparkverwaltung und einiger Medienvertreter brach der schleswig-holsteinische Umweltminister Jans Philipp Albrecht kürzlich zu seiner ersten großen Wattwanderung auf. Der Marsch führte über rund zehn Kilometer von Dagebüll zur Hallig Langeneß, zurück ging es per Lorenbahn. Unterwegs thematisierte der Minister besonders den Klimawandel, den er als „Herausforderung“ und „bedeutende Gefahr“ für das Wattenmeer bezeichnete. Hier einige Impressionen von der Tour.

Kleine Fotos: © Claußen / LKN.SH (2), © Stock / LKN.SH (2)

Kinderwattspiele

© Tosché / LKN.SH

Ebenfalls ganz im Zeichen des zehnjährigen Weltnaturerbe-Jubiläums standen die diesjährigen Dithmarscher Kinderwattspiele. Denn auch diese Veranstaltung feierte Geburtstag: Seit zehn Jahren lernen Drittklässlerinnen und Drittklässler aus Schulen im Kreisgebiet mit viel Spaß und Freude das Watt kennen. Schülerinnen und Schüler der achten Klassen der Eider-Nordsee-Schule Wesselburen entwickeln dabei für die „Kleinen“ jedes Jahr aufs Neue abwechslungsreiche Spielstationen, an denen Geschick, Kreativität, Wissen und Teamgeist gefordert sind. Organisiert werden die Kinderwattspiele gemeinsam von der Eider-Nordsee-Schule, dem Kreisfachberater für Natur- und Umwelt / BNE des Kreises Dithmarschen Dirk Berking sowie Gerd Meurs-Scher und Evelyn Schollenberger aus dem Fachbereich Bildung in der Nationalparkverwaltung.

Während Drittklässler aus Büsum, Süderhastedt, Hemmingstedt und Bunsoh morgens zu Wattführungen mit Nationalpark-Rangern gestartet und an den Spielstationen aktiv waren, gab es anlässlich des Jubiläums eine kleine Feierstunde am Deich mit dem Dithmarscher Landrat Stefan Mohrdieck, der Schulrätin Claudia von der Heyde, dem Bürgermeister der Gemeinde Wesselburenerkoog Eggert Wilkens und Gerd Meurs-Scher, Leiter des Fachbereichs Bildung in der Nationalparkverwaltung. Im Anschluss hatten auch die Erwachsenen die Möglichkeit, die Spielstationen im Watt zu begutachten.

Sie freue sich, selbst mal wieder ins Watt zu kommen“, sagte Schulrätin von der Heyde, und der Dithmarscher Landrat lobte die Wattspiele als „eine tolle Möglichkeit auch für die Jüngsten, diese tolle Natur kennenzulernen und auch die Möglichkeit zu haben, diese zu spüren.“ Und Dirk Berking betonte: „Jedes Kind soll einmal die Möglichkeit haben, geführt ins Watt zu können.“

In der Tat war es für einige der Jungen und Mädchen aus den dritten Klassen der erste Ausflug ins Watt, und die „Großen“ hatten viel Spaß dabei, die Stationen vor Ort mit ihnen zu erproben, berichtet Hannah Tosché, die derzeit in der Nationalparkverwaltung ihren Bundesfreiwilligendienst leistet.

Kleine Fotos: © Tosché / LKN.SH


Watt noch?


© Müller

One Wadden Sea, Two Wheels, Three Countries“ (ein Wattenmeer, zwei Räder, drei Länder) ist der Titel der Radtour, die anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Weltnaturerbes Wattenmeer durch alle Wattenmeerregionen führt. In Schleswig-Holstein wird eine von Dänemark kommende Gruppe am Mittwoch, 19. Juni, nach Sylt übersetzen und von dort gen Süden radeln, mit etlichen Stopps entlang der Nationalparkküste. Das feste Team aus der Nationalparkverwaltung bilden Marina Sanns und Alina Claußen, (Foto oben), organisatorisch unterstützt von Silke Ahlborn. Mitradeln auf etlichen Etappen ausdrücklich erwünscht!

Nach Sylt, wo bis zum 26. Juni eine ganze Weltnaturerbe-Woche gefeiert wird (Informationen dazu gibt es hier), sind Amrum am 20. Juni und Nordstrand am 21. Juni weitere Stationen. Am 22. Juni ist in Husum rund um das Nationalpark-Haus ein Weltnaturerbe-Markt mit Mitmachangeboten und Infoständen von Nationalpark-Partnern geplant (ab 13.00 Uhr, Hafenstraße und Kleikuhle), am nächsten Morgen geht es auf zwei Rädern quer über die Halbinsel Eiderstedt Richtung St. Peter-Ording zum dortigen Weltnaturerbe-Fest (ab 16.00 Uhr) im Rahmen der Naturerlebniswoche (weitere Informationen hier).

Nächste Ziele sind am Montag, 24. Juni, Tönning, wo der Doppelgeburtstag „20 Jahre Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum“ und „10 Jahre Weltnaturerbe Wattenmeer“ gefeiert wird (siehe Beitrag in der Rubrik „Aus dem Multimar“), sowie am 25. Juni Meldorf und am 26. Juni Büsum. In den beiden letztgenannten Nationalpark-Partnerkommunen sind ebenfalls Festivitäten zum Weltnaturerbe-Geburtstag vorbereitet – in Meldorf ab 11.00 Uhr auf dem Rathausplatz, in Büsum ab 13.00 Uhr auf der Watttribüne am Hauptstrand.

Am 27. Juni setzt die Radlertruppe dann per Schiff über nach Niedersachsen und macht sich auf Richtung Wilhelmshaven. Der aktuelle Stand der Planungen und Mitfahrmöglichkeiten ist unter diesem Link einsehbar. Übrigens: Wer nicht selbst dabei sein kann, kann die Aktiven virtuell begleiten – via Facebook-Account des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Eine Hommage an das Weltnaturerbe Wattenmeer nennt Martin Stock die Bildersammlung mit dem Titel „Kunstformen des Meeres“, die er anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Weltnaturerbes Wattenmeer zusammengestellt hat und die am 6. Juli eröffnet wird. Ausstellungsort ist die Sommerkirche in Welt auf der Halbinsel Eiderstedt. Martin Stock ist Biologe, Kollege in der Nationalparkverwaltung, Wattenmeerfan und leidenschaftlicher Fotograf.

Gezeigt werden 90 mal 90 Zentimeter große fotografische Drucke, die die facettenreichen Formen zeigen, die die Natur an der Nationalparkküste hervorbringt. Martin Stock selbst schreibt dazu: „Täglich im sechsstündigen Wechsel zeigt das Wattenmeer ein anderes Gesicht. Mal ist es graugrün schimmerndes Meer, mal eine riesige, von Prielen durchzogene Wattlandschaft. Mit jeder Tide zeichnen Wellen und Gezeiten magische Formen und dynamische Strukturen in den Meeresboden. Eine Landschaft von atemberaubender Schönheit.“

Eröffnung der Austellung ist am 6. Juli um 11.00 Uhr. Ab dann wird die Ausstellung bis zum Ende der Sommerkirche am 26. August zu sehen sein, und zwar während der regulären Öffnungszeiten der Kirche zwischen 9.00 und 18.00 Uhr.

Großes Foto: © Stock / LKN.SH
Kleines Foto: © Wilfried Dunckel


Fundstück des Monats


Blank gezogen

© Stock / LKN.SH

An seinen Gummistiefeln sollt ihr ihn erkennen … Die knallgrüne Fußbekleidung, mit der der schleswig-holsteinische Umweltminister Jan Philipp Albrecht zur Weltnaturerbe-Wattwanderung nach Langeneß erschien (siehe Beitrag „Minister auf Wanderschaft“) fand sogar Erwähnung in der Presse – ebenso wie die Tatsache, dass Albrecht die Strecke dann doch barfuß absolvierte. In den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages wurde die Tatsache, dass er die Stiefel auszog, so kommentiert: „Der Umweltminister zieht blank.“


Herausgeber

LKN-SH | Nationalparkverwaltung
Schlossgarten 1 | D-25832 Tönning

Redaktion: Heike Wells, Bernhard Dockhorn
Kontakt:

www.nationalpark-wattenmeer.de
www.weltnaturerbe-wattenmeer.de