Liebe Freundinnen und Freunde des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer,
vor Ihnen liegt die Frühjahrsausgabe unseres Newsletters. Wir wollten über brütende Vögel, wandernde Wale oder blühende Salzwiesen berichten – eigentlich.
Doch dann kam es für uns alle anders: Die Corona-Krise beschäftigt uns alle von morgens bis abends. Wir organisieren unseren Alltag zu Hause wie im Berufsleben neu, beinahe täglich stehen wir vor neuen Veränderungen unseres Lebens, der Wirtschaft, wir hoffen nun auf weitere Lockerungen.
In dieser Zeit fehlt vielen Menschen der Zugang zur Natur, und all die, die sonst zu uns kommen, um die schönste Zeit des Jahres hier zu verbringen, fehlen – die hierher kommen, um unsere wunderschöne Wattenmeer-Natur zu erleben, an Nationalpark-Führungen teilzunehmen und vieles mehr. Unseren Nationalpark- und Biosphärenreservatspartnern wurde über Nacht ihre wirtschaftliche Grundlage entzogen, der gesamte Tourismussektor, ein entscheidender Teil unserer regionalen Wirtschaft, wurde praktisch auf Null gesetzt. Und auch unsere Nationalparkzentren und -häuser, die sonst alljährlich mehr als 850.000 Gäste informieren und erfreuen, mussten ihre Tore schließen und können in diesen Tagen erst ganz eingeschränkt ihre wichtige Arbeit wieder aufnehmen. Gemeinsam hoffen wir alle auf baldige Besserung dieser schlimmen Situation, Ihnen allen gilt unser Mitgefühl! Ich bin froh, in diesen Zeiten auch viel Solidarität, Miteinander und Gemeinschaft zu spüren, diese harte Zeit gemeinsam zu überstehen, hieran wollen wir auch weiter intensiv arbeiten und unseren Beitrag leisten.
Unser Nationalpark, unser Weltnaturerbe bleibt dabei vom Virus verschont. Es verändert „nur“ uns Menschen, unser Verhalten, unsere Aktivitäten im Raum. Und da kann die Natur – vielleicht – auf unser verändertes Verhalten reagieren, etwa durch eine andere Raumnutzung bei Vögeln und Meeressäugern, vielleicht wachsen auch Pflanzen an Standorten, die sonst vom Menschen überprägt sind. Da wollen wir die Natur Natur sein lassen – dies ist und bleibt das Motto der deutschen Nationalparks –, wir werden es erleben dürfen.
Ganz erfreulich sind die vielfältigen kreativen Einfälle und positiven Reaktionen vieler, die Krise zu beleben und das Naturerleben in anderer Weise zu den Menschen zu tragen, auch darüber berichtet dieser Newsletter. Auch wir haben daher auf unserer Homepage für die, die einen virtuellen Einblick mögen, regelmäßig frische Bilder aus dem Nationalpark als kleine Hingucker publiziert.
Ich wünsche allen eine spannende Lektüre in dieser besonderen Zeit. Ich wünsche denjenigen auf den Inseln und am Festland, die auch jetzt in die Natur „dürfen“, schöne, tiefe Eindrücke, und uns allen eine Besinnung auf die Werte der Natur, die es auch in solchen Krisenzeiten Frühling werden lässt und damit motivierend, ja fest an unserer Seite steht.
Bleiben Sie gesund und munter!
Ihr Peter Südbeck Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Tausende naturbegeisterte Wattenmeer-Urlauberinnen und –urlauber waren sehr traurig, als sie Mitte März erfuhren, dass sie ihren geplanten Urlaub im Nationalpark und Weltnaturerbe nicht antreten konnten und somit auch auf lang ersehnte Naturerlebnisse verzichten mussten. Als kleine Entschädigung haben wir auf unserer Website eine Bildergalerie angelegt, die wir fortlaufend mit frischen Bildern aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer „füttern“. Schauen Sie doch (immer mal wieder) hier rein!
Beim diesjährigen Birdrace waren auch wieder Vogelbegeisterte aus der Wattenmeer-Region am Start. Es galt, binnen 24 Stunden möglichst viele Vogelarten für das jeweilige Team bzw. die Region zu entdecken. In der Offenlandschaft springen farbenfrohe Arten wie die Schafstelze (Foto) leicht ins Auge. Für versteckt lebende Arten gilt es hingegen, die Ohren zu spitzen, um sie anhand ihrer Rufe und Gesänge zu identifizieren. Eine spannende und gleichzeitig entspannende Herausforderung! In der bundesweiten Landkreis-Wertung landete Cuxhaven mit 177 Arten auf Platz 5. Aber auch die Ergebnisse anderer Teams bzw. Kommunen an der Küste und auf den Inseln konnten sich sehen lassen. Worum es beim Birdrace geht und wie erfolgreich die hiesigen Beobachter*innen waren, lesen Sie hier.
Hans Michel ist Vertreter der Wasserschutzpolizei im Wattführer-Prüfungsausschuss
Lieber Herr Michel, Glückwunsch! Seit jetzt 25 Jahren sind Sie der Vertreter der Wasserschutzpolizei im Wattführer-Prüfungsausschuss und sorgen mit dafür, dass nur kenntnisreiche und gut ausgebildete Wattführerinnen und Wattführer zugelassen werden. Was hat sich im Laufe der Zeit verändert, an welche besonderen Prüfungsmomente denken Sie spontan?
Ja, danke! Vorweg kann ich sagen, dass mir die Tätigkeit im Wattführer-Prüfungsausschuss all die Jahre immer sehr viel Freude bereitet hat. Aber wie heißt es so schön: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich wünsche daher meinem Nachfolger Manfred Doejen sowie allen Mitgliedern des Wattführer-Prüfungsausschusses weiterhin viel Glück, Freude und Erfolg.
Zur eigentlichen Fragestellung – was hat sich verändert? Die Mitglieder der Prüfungskommission um mich herum haben zwischenzeitlich alle ein- oder mehrmals gewechselt. Auch die “Wattführerverordnung” als Grundlage unserer Zusammenarbeit existiert seit Beginn meiner Tätigkeit im Prüfungsausschuss nunmehr in der vierten überarbeiteten Auflage. Nachdem sie zunächst nur für den westlichen Teil Niedersachsens galt, kommt sie zwischenzeitlich an der gesamten niedersächsischen Küste zur Anwendung. Die Zuständigkeiten sind vom Dezernat für Gefahrenabwehr der Bezirksregierung Weser-Ems auf die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer übergegangen. Besondere Prüfungsmomente sind für mich immer die Zeiten gewesen, zu denen ich mir zur Vorbereitung der Prüfungen Streckenkenntnisse vor Ort, sprich im Watt, verschaffen konnte.
Würden Sie sich selbst wirklich allen Wattführerinnen und Wattführern anvertrauen, die Sie erfolgreich geprüft haben, oder haben Sie auch mal ein Auge zugedrückt?
Das Führen von Personen auf Wattflächen ist nun mal eine gefahrengeneigte Tätigkeit. Bei den Prüfungen legt die Kommission immer ein besonderes Augenmerk darauf, wie verhalten sich die “Prüflinge” in Stresssituationen, bewahren sie Ruhe, behalten sie den Überblick? Was nützt ein Wattführer oder eine Wattführerin, die/der in der Theorie top ist, in Gefahrensituationen aber hektisch reagiert und unsicher gegenüber der Gruppe wirkt. Rückblickend meine ich, das ist uns immer gut gelungen. Leuten mit Mängeln in der Theorie erhalten unter Hinweis, hier nachzubessern, so möglicherweise nur eine eingeschränkte Genehmigung (Führen nur küstennah). Auch die Begleitung eines erfahrenen Wattführers hilft, mit der Zeit die nötige Selbstsicherheit zu erlangen. Auch ich als bestätigter Wattenjagdaufseher – und sollte es mir in diesem Jahr noch gelingen, als geprüfter Wattführer – würde mich in einem mir unbekannten Gebiet jederzeit einem örtlichen Wattführer oder einer Wattführerin anvertrauen, der/die die Prüfung erfolgreich absolviert hat!
Wo fühlt man sich als Wasserschutzpolizist am wohlsten – auf dem Wasser, am Schreibtisch oder gar im Watt?
Also die Frage kann ich kurz und bündig beantworten – auf dem Wasser im Watt! Ich finde die Wattfahrt mit dem Boot nach wie vor spannend – das Arbeiten mit den Gezeiten unter Berücksichtigung von Wind und Wetter, bei Nipp- oder Springtide, wann komme ich mit meinem Einsatzmittel, dem Boot, noch übers Watt, durchs Riffgat von Norderney nach Baltrum, durchs Memmert-Fahrwasser nach Juist oder durch die Kaiserbalje von der Jade in die Weser. Und ohne die Arbeit am Schreibtisch läuft ja nun mal einiges nicht, bleibt für mich aber eher ein notwendiges Übel.
Auch im Watt gibt es viele Frühjahrsboten, die jetzt bei der Beobachtung des Wattbodens auffallen. Hierzu gehören die Laichballen verschiedener Borstenwürmer. Das Foto zeigt die bräunlichen Gallertkugeln des Kotpillenwurms. Fast den ganzen April über tauchen auf den Wattflächen die grün gefärbten Gelegekugeln des Gefleckten Blattwurms auf. Wir stellen die zwei Arten vor, deren Gelege unsere Watt-Ökologinnen fotografisch dokumentiert haben. Zu den Portraits
Im Rahmen eines Workshops haben Fachleute die Flechtenwelt der Insel Borkum untersucht und dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht. Eine kleine Sensation war der Erstnachweis des Hamsteröhrchens (Normandina pulchella) für die Insel Borkum. Diese nur wenige Millimeter kleine, versteckt im Moos lebende Art ist laut Roter Liste vom Aussterben bedroht. Insgesamt wurden binnen zwei Tagen etwa 70 Flechtenarten auf der Insel gefunden, zwei davon wurden erstmals auf Borkum nachgewiesen. Welche weiteren bemerkenswerten Entdeckungen es gab, welche putzigen regionalen Namen sie tragen (auf dem Foto das Kaugummi“moos“), wo und wie Flechten überhaupt leben und welche Bedeutung sie z. B. für die Klimaforschung besitzen, erfahren Sie in diesem lesenswerten Bericht mit vielen Fotos der geheimnisvollen Schönheiten.
Den Hinweis, mal etwas genauer auf die Brachvögel auf Spiekeroog zu achten, bekamen wir aus Frankreich von Frédéric Jiguet. Dort werden in einem Projekt Brachvögel mit Satellitensendern ausgestattet, um herauszufinden, wo die dort überwinternden Vögel den Sommer verbringen. Anhand der Satellitendaten wurde festgestellt: Einer der Vögel, ein Männchen, hält sich seit dem 9. März auf Spiekeroog auf. Und tatsächlich: Unser Spiekerooger Nationalpark-Ranger Lars Scheller konnte den Besucher aus Frankreich ausfindig machen. Das Foto zeigt den Blick durchs Spektiv. In der Vergrößerung erkennt man die Farbring-Kombination, die den Vogel eindeutig identifiziert.
Der Zugweg führte den Vogel vom Atlantik über Paris und Brüssel nach Spiekeroog, quasi im „Direktflug“. Die Strecke legte der Brachvogel in nur einer Nacht zurück. Dabei flog er durchschnittlich 110 km/h schnell und in einer Höhe von 2700 m (detailierte Infos bietet Jiguet in seinem Twitter-Account). Auf Spiekeroog hat sich das Brachvogel-Männchen (Spitzname “Le Francais”) mit einer Spiekerooger Brachvogel-Dame verpaart und brütet im Osten der Insel.
Seit diesem Jahr führt das Institute for Wetlands and Waterbird Research e. V. im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz, des niedersächsischen Umweltministeriums, der Landkreise und der Nationalparkverwaltung ein Projekt zur Erforschung der Zugwege und Überwinterungsgebiete in Norddeutschland brütender Brachvögel durch. Dazu wurden in diesem Frühjahr insgesamt 42 Brachvögel in den Brutgebieten besendert, davon drei Brachvögel auf Borkum und zwei auf Spiekeroog. Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer brüten etwa 80 bis 90 Paare in den Dünen sowie Salzwiesen und Grünlandlebensräumen der Ostfriesischen Inseln.
Katharina Stephan ist seit Anfang April neue Mitarbeiterin im Dezernat Biosphärenreservat und ergänzt das Team im Bereich der Umweltbildung. Sie ist die neue Ansprechpartnerin für unsere Biosphärenschulen und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Dass Bildung ein zentrales Element zur Gestaltung einer lebenswerten und umweltgerechten Zukunft ist, konnte die studierte Biologin nicht nur in ihrem letzten Job bei der Schutzstation Wattenmeer erleben. Auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Oldenburg hat sie die Erfahrung gemacht, dass insbesondere über Umweltbildung der Grundstein zum Schutz und Erhalt unserer Umwelt gelegt werden kann. Daher freut sie sich sehr auf ihre neuen Aufgaben, um die Etablierung eines Bildungsnetzwerkes nach den Leitlinien einer BNE weiterzuentwickeln. Denn BNE ist für sie ein Schlüssel, um vom Wissen ins Handeln zu kommen und globalen Problemen auf lokaler Ebene zu begegnen.
Biosphärenschulen gehen in die nächste Phase
Nach einer erfolgreichen Pilotphase der ersten fünf Biosphärenschulen im Jahr 2018 konnten wir inzwischen zwei weitere Schulen auszeichnen. Seit Mitte März diesen Jahres ist nun auch das Neue Gymnasium Wilhelmshaven als zertifizierte Biosphärenschule Teil unseres Netzwerkes. Wir freuen uns, damit einen weiteren so engagierten Partner in der Bildungslandschaft unseres UNESCO-Biosphärenreservats zu haben. Das neue Projekt „Bildungsnetzwerk Cuxland“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine nachhaltige Bildungslandschaft modellhaft für den Raum Cuxhaven zu etablieren und das Netzwerk der Biosphärenschulen auszubauen. In einem partizipativen Gestaltungsprozess wollen wir gemeinsam mit unseren Partnerschulen und den außerschulischen Bildungspartnern die nachhaltige Entwicklung in unserer Wattenmeerregion ̶ angelehnt an die weltweite Agenda der 17 Nachhaltigkeitsziele ̶ weiter verankern. Neben einer Wanderausstellung sind Unterrichtsmaterialien für berufsbildende Schulen sowie Fortbildungen für Lehrkräfte geplant.
Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Damit die Junior Ranger*innen des niedersächsischen Wattenmeeres weiterhin aktiv sein und Spaß in und mit der Natur haben können, hat es sich die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit dem Junior Ranger-Netzwerk zur Aufgabe gemacht, ihre Veranstaltungen für die jungen Naturschützer nun online via Youtube anzubieten. Gerade in solchen herausfordernden Zeiten ist es wichtig, viel Zeit in der Natur zu verbringen und weiterhin das tun zu können, was einem Freude bereitet. Auch wenn man sich zurzeit nicht wie gewohnt mit seiner Gruppe in der Junior Ranger-Basis treffen kann, so trifft man sich jetzt eben auf Youtube, um gemeinsame Aktionen zu starten. Man sollte sich darauf einstellen, demnächst einige Junior Ranger*innen beim Guerilla-Gardening zu treffen, denn in unserem ersten Tutorial ging es darum, Saatbomben selber herzustellen. Durch das Verteilen von Saatenbomben können prächtige Blumenwiesen entstehen, die hervorragend von Bienen und anderen Insekten als Lebensraum genutzt werden können. Seid ihr neugierig geworden? Möchtet ihr auch den Bienen und Insekten helfen? Dann schaut mal auf unserem Kanal vorbei! Weitere Infos zum Junior Ranger-Programm findet ihr hier.
Niedersächsisches Umweltministerium ruft Öffentlichkeit zur Unterstützung der Partnerbetriebe auf
Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz mit Umweltminister Olaf Lies ruft die Bürgerinnen und Bürger in dieser speziellen Zeit zu einem virtuellen (Einkaufs-)Spaziergang bei unseren Partnern der Naturlandschaften auf. Wir freuen uns über die öffentliche Unterstützung der Partner-Netzwerke! #supportyourlocal
Videobotschaft von Minister Olaf Lies und weitere Informationen
„Wenn keine Gäste in die Wattenmeer-Region kommen können, muss die Wattenmeer-Region eben zu den Gästen kommen!“ Getreu diesem Motto haben sich viele Nationalpark-Partner und -Häuser daran gemacht und ihr Online-Angebot dementsprechend ausgebaut: Nun gibt es zahlreiche Online-Shops mit kulinarischen Leckereien aus der Wattenmeer-Region sowie geduldige Gutscheine für Hotelübernachtungen und Wattwanderungen! Auf der Homepage www.wattenmeerprodukte.de haben wir die Online-Shops verlinkt – kommen Sie vorbei, stöbern Sie in den Shops und bestellen Sie sich Wattenmeer-Leckereien nach Hause!
Viele kreative Ideen entspringen einfachen Zufällen. So erging es auch Uli Stede, der als Küchenmeister und kreativer Kopf gemeinsam mit seiner Frau Birgit Hoppelshäuser-Stede mitten in Ostfriesland die kleine Senfmanufaktur als kleines, nachhaltiges Unternehmen entstehen ließ. Im Gespräch mit Astrid Martin erzählen die beiden, wie sich ihr Projekt entwickelte, warum sie Biosphären-Partner wurden und wie sie mit der Corona-Krise umgehen. Hier das Interview.
Rund 100 Partner des Nationalparks und UNESCO-Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer trafen sich am Freitag, 28.02.2020 in Wilhelmshaven zum jährlichen Gedankenaustausch und zur Netzwerkspflege. Das übergeordnete Thema des Partner-Treffens war in diesem Jahr der Klimawandel und die Frage, wie Politik, Unternehmen und Einzelpersonen verantwortlich handeln können. Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal Institut erteilte in seinem Impulsvortrag „Schluss mit der Ökomoral“ moralischen Appellen an die Konsumenten eine Absage und plädierte stattdessen dafür, sich für eine Veränderung der politischen Rahmenbedingungen einzusetzen.
Auch das Netzwerk wächst weiter: Auf dem diesjährigen Partner-Treffen konnten Nationalpark-Leiter Peter Südbeck und Astrid Martin, Koordinatorin der Partnerinitiative bei der Nationalparkverwaltung, fünf Betriebe als neue Partner willkommen heißen. Sie illustrieren die große Bandbreite des Netzwerks:
Uli’s kleine Senfmanufaktur
Wasserwelt Wattenmeer
Dünenhof
Klipper Norderney
Kornkraft
Weitere Informationen zum Partnertreffen finden Sie hier.
Der Corona-Lockdown hat auch die Nationalpark-Häuser und Wattenmeer-Besucherzentren kalt erwischt. Trotzdem schaffen sie es, motiviert und kreativ Kontakt zu ihren Gästen zu halten. Momentan finden Wattführungen und kurze Vogelexkurse eher im virtuellen Raum statt: Per Facebook, Instagram und Co. geben die Bildungseinrichtungen Einblicke in ihre Welt. Ausführlichere Informationen zu den Online- und Offline-Aktivitäten der Nationalpark-Informationseinrichtungen sind in dieser aktuellen Zusammenstellung zu finden.
Refill-Initiative: Trinkwasser zum Nachfüllen
Jahr für Jahr werden in Deutschland fast 17 Milliarden Plastikflaschen verbraucht. Allein für die Herstellung und den späteren Transport der befüllten Flaschen werden Unmengen an Rohstoffen benötigt. „Dabei vergessen wir oft, dass das Wasser aus der Leitung eine genauso hohe Qualität wie das vom Supermarkt hat. Wenn man es in eine wiederverwendbare Flasche abfüllt, wird zusätzlich jede Menge Plastikmüll vermieden“, sagt Derya Seifert, Mitarbeiterin im Nationalpark-Haus Wangerooge. Aus diesem Grund unterstützen mehrere Nationalpark-Einrichtungen und Partner am niedersächsischen Wattenmeer sowie mehr als 5000 Stationen und Brunnen deutschlandweit die Refill-Initiative: Sieht man den Refill-Aufkleber mit dem blauen Wassertropfen, kann vor Ort kostenfrei Leitungswasser in die mitgebrachte Flasche aufgefüllt und so Plastikmüll durch den Verzicht auf Wegwerfflaschen vermieden werden. Auf ihrer Website www.refill-deutschland.de steht neben Informationen zum Leitgedanken und zur Geschichte außerdem eine Karte zur Verfügung, in der alle Nachfüll-Stationen vermerkt sind. Beim nächsten Ausflug an die Küste oder auf den Inseln kann nun also rege von den verschiedenen Trinkwasser-Anbietern Gebrauch gemacht werden!
Ein dreitägiges Arbeitstreffen mit viel Raum für den direkten Austausch im niedersächsischen Teil des Weltnaturerbes Wattenmeer – das war der Plan für das 4. Projekttreffen des Interreg VB Nordseeraum-Projektes PROWAD Link. Aufgrund der COVID19-Situation kam es ganz anders: Vom sicheren Heimarbeitsplatz aus trafen sich 25 Vertreterinnen und Vertreter der 14 Partnerorganisationen aus fünf Nordseeanrainerstaaten vom 21. bis 22. April zu einem virtuellen Meeting. Eine neue Erfahrung, wie sie zurzeit viele Menschen erleben dürften, inklusive typischer Begleiterscheinungen wie einzelne plötzliche Verbindungsabbrüche und Einblicke in persönliche Wohnräume.
Wichtiges Thema in den sechs Internet-Sitzungen: Wie kann man in Zeiten von Corona mit dem Projekt, das nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung mit Naturschutz in der Weltnaturerbe-Region verknüpfen möchte, vorankommen? Einige geplante Aktivitäten sind stark betroffen, z. B. Entwicklungsworkshops für nachhaltige Produkte und Angebote sowie eine geplante Gästebefragung. Außerdem diskutierten die Projektpartner, wie kleine und mittlere Unternehmen in der aktuellen Situation aus dem Projekt heraus unterstützt werden könnten, etwa mit praxisnahen Informationen, Webinaren oder durch alternative Angebote zum Erfahrungsaustausch.
Das nächste Projekttreffen soll Anfang November 2020 in Geiranger, im Weltnaturerbe Westnorwegische Fjorde, stattfinden. Mehr (englischsprachige) Informationen auf northsearegion.eu/prowad-link
Was machen eigentlich die Ranger*innen während dieser für uns alle ungewöhnlichen Zeit? Da die Natur sich von dem Virus, welches uns alle derzeit beschäftigt, nicht beeindrucken lässt, unterscheidet sich die Rangerarbeit gar nicht so stark von anderen Jahren, in denen der Nationalpark spätestens zu Ostern ein beliebtes Ziel für Gäste aus nah und fern wird. Denn wenngleich deutlich weniger Menschen im Gebiet unterwegs sind, bedeutet der Lockdown nicht, dass der Nationalpark menschenleer ist. Viele Anwohner*innen haben jetzt deutlich mehr Zeit, die Natur vor ihrer Haustür zu erkunden und nutzen dieses auch intensiv. Zudem freuen sich die Ranger*innen darauf, hoffentlich bald wieder vielen Gästen den Nationalpark und das Weltnaturerbe näher bringen zu können. So wird wie in jedem Jahr die hoheitliche Beschilderung auf Vordermann gebracht, Wander- und Reitwege werden neu ausgepflockt oder Informationstafeln erneuert. Auf einigen Inseln und auch am Festland sind auch bereits mobile Absperrungen oder Wegeumleitungen eingerichtet, um den seltenen, aber leicht zu übersehenden Strandbrüterarten eine störungsfreie Brut zu ermöglichen. Weitere werden folgen, denn die Brutsaison dieser kleinen Vögel beginnt gerade erst. Was die Ranger*innen momentan noch so beschäftigt, können Sie hier lesen.
Eine von der Kunsthalle Wilhelmshaven geplante Ausstellung mit Wattenmeer-Bezug, in deren Rahmen auch Aktionen in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung geplant waren, musste Corona-bedingt ausfallen. Aus der Not entstand die pfiffige (mittlerweile bundesweit beachtete) Idee, stattdessen die Kunstwerke an Interessierte auszuleihen. So erfreuen sich die Mitarbeiter*innen der Nationalparkverwaltung an einem Radiolaren-Modell, das im Eingangsbereich ins Auge springt. Mehr dazu lesen Sie hier.
Ehrenamt ist nicht nur Engagement für andere, sondern auch für sich selbst. Eine rundum bereichernde Sache! Das hat der Bielefelder Jürgen Dreckschmidt in seinen beiden ehrenamtlichen Einsätzen im Nationalpark Wattenmeer 2019 und 2020 auf der Insel Langeoog eindrücklich erfahren. Für uns ein doppelter Glücksfall: Ein Freiwilliger, der uns langfristig unterstützt und von Beginn an professionell und innerhalb seines Teams sehr eigenständig arbeitet – und dabei von einer Journalistin begleitet wird, die, ebenfalls ehrenamtlich, eine Reportage dazu schreibt. Herzlichen Dank an Jürgen Dreckschmidt und an Marion Döbert – ihren spannenden und amüsanten Einblick in seine Tätigkeit als „Ranger-Assistent“ finden Sie hier.
Wer noch etwas sucht, um die Zeit bis zum nächsten Wattenmeerbesuch zu verkürzen: Die Projektgemeinschaft des deutsch-niederländischen Förderprojektes INTERREG V A „Watten-Agenda 2.0“ hat die Game-App „Watten Games“ veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht das Thema Müllvermeidung am Wattenmeer. Die Handy-App umfasst zwei Spiele, deren Ziel es ist, das Meer und die Meeresbewohner vor der Vermüllung der Meere zu retten. Der Austernfischer „Austin“ begleitet die Spieler und informiert zusätzlich über die Müllprobleme an Küste und Meer sowie über die starke Beeinträchtigung von Natur- und Tierwelt. Angesprochen werden insbesondere Kinder und Jugendliche, die auf spielerische Art und Weise an die Müllproblematik am UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer herangeführt und dafür sensibilisiert werden sollen. Die App in deutscher, niederländischer und englischer Sprache steht ab sofort kostenfrei in den App- und Play-Stores zur Verfügung.
Veranstaltungstipps
Unsere Veranstaltungsplanung: „Optimismus mit Vorbehalt“
Die Lockerungen in den Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stimmen uns optimistisch, zumindest einige für die 2. Jahreshälfte geplanten Veranstaltungen auch durchführen zu können. Gleichzeitig müssen wir alle uns flexibel auf die nicht vorhersehbare weitere Entwicklung einstellen. Das bedeutet: Alle Veranstaltungen und Termine kündigen wir „unter Vorbehalt“ an – bitte achten Sie auf aktuelle Bekanntmachungen auf unserer Webseite, in der Presse und auf anderen Kanälen.
Noch sechs Monate sind es bis zu den 12. Zugvogeltagen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, die vom 10. bis 18. Oktober stattfinden sollen. Die Nationalparkverwaltung, die Nationalpark-Informationseinrichtungen und viele Nationalparkpartner*innen hoffen, dass bis dahin das Leben wieder in normaleren Bahnen verläuft als zurzeit. Sie bereiten sich jedenfalls intensiv darauf vor, Gästen und Einheimischen wieder ein vielfältiges Programm zu bieten, das sich neun Tage lang um den Vogelzug und die Zugvögel im und am Wattenmeer dreht. Seit Ostern steht das Programm online, einige Veranstaltungen kommen noch hinzu – es lohnt sich, immer mal wieder reinzuschauen! zugvogeltage.de/veranstaltungen
“Profitiert die Natur im Nationalpark vom touristischen Lockdown während der Corona-Krise?” ist eine zurzeit häufig gestellte Frage. Der Baltrumer Cartoonist Denis Metz hat sich der Fragestellung augenzwinkernd gestellt.
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