Niedersachsen

10.05.2023 |

Kooperation mit dem österreichischen Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel vereinbart

Rund 1.000 km voneinander entfernt, aber inhaltlich nah und freundschaftlich verbunden: Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung Ende April 2023 haben der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und der österreichische Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel ihrer künftig engeren Zusammenarbeit feierlich Ausdruck verliehen.

Beide Schutzgebiete sind prominente Vogel-Nationalparks, Landschaften der Ebene und jeweils Teil eines staatenübergreifenden UNESCO-Welterbes. An dem Kontakt beider Nationalparke hatten auch die Deutsche Botschaft in Österreich sowie der frühere Direktor des Nationalparks Hohe Tauern, Peter Rupitsch, initiativ mitgewirkt. Nach einem ersten Besuch der österreichischen Kolleginnen und Kollegen im Februar 2022 im Wattenmeer und zwischenzeitlichen Fachaustauschen online erfolgte nun der Gegenbesuch. Er fand statt im Rahmen der „pannonian BirdExperience“, einer Veranstaltungsreihe für Vogelbeobachtung, ganz ähnlich den Zugvogeltagen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, zu der die deutschen Gäste zwei Vorträge und einen Informationsstand beisteuerten.

Die Wattenmeer-Delegation (v.l.) Normann Grabow, Peter Südbeck und Dr. Rune Michaelis inmitten des Schilfgürtels am Ostufer des Neusiedler Sees.

© Arno Cimadom / NLPV

Exkursionen in das Gebiet führten zu den Salzlacken des Seewinkels, in die Niedermoorlandschaft Waasen-Hanság an der Grenze zu Ungarn und in Bereiche des Schilfgürtels des Neusiedler Sees. Der Wasserstand dieses größten Steppensees Europas ist abhängig von den – zuletzt weithin ausbleibenden – Niederschlagsmengen. Die periodisch austrocknenden Salzlacken benötigen demgegenüber hohe Grundwasserstände, die auch aufgrund hoher Entnahmen für die Landwirtschaft nicht mehr erreicht werden. Haben sie für eine gewisse Zeit den Kontakt zum Grundwasser verloren, sind sie irreparabel geschädigt und verlanden – ein verletzliches Ökosystem. Für den Erhalt der Steppenvegetation führt der Nationalpark umfänglich Beweidungsprojekte durch und setzt dabei auf alte Haustierrassen wie z. B. Przewalski-Pferde. Die Nationalparkflächen sind dabei nicht in öffentlichem Eigentum, sondern langfristig gepachtet, die Flächensicherung ist strukturell eine bleibende Herausforderung.

Die neuerliche Begegnung war von Herzlichkeit und großem Interesse an dem weiteren persönlichen und fachlichen Austausch geprägt. Mit der BirdExperience bzw. den Zugvogeltagen richten beide Nationalparks größere Veranstaltungsreihen zum vergleichbaren Thema aus; sie sollten gemeinsam evaluiert werden und sich gegenseitig befruchten. Mit konkreten Bezügen voneinander lernen lässt sich bei Maßnahmen des praktischen Vogel- und Artenschutzes oder bei der Optimierung der Flächenbewirtschaftung und des Flächenmanagements durch Beweidung und Mahd für den Naturschutz in der Pflegezone. Dies ist auch am Wattenmeer von Bedeutung und das Potenzial zu einem gewinnbringenden Fachaustausch entsprechend hoch. Der Austausch von Ideen beispielsweise zur Weiterentwicklung des Partnernetzwerks und zur präsenteren regionalen Verankerung betrifft Themenbereiche, von denen im Wattenmeer auch die Verwirklichung der Biosphärenregion profitieren kann.

Beeindruckend war nicht nur die faszinierende Landschaft des Nationalparks, die innerhalb des Seewinkels dichter erreichbar ist als im weitläufigen Wattenmeer, die zahlreichen Möglichkeiten zum Naturerleben z. B. mit bestens zugänglichen Beobachtungstürmen, sondern auch die Themenvielfalt und Schaffenskraft des engagierten Nationalparkteams: Wir freuen uns darauf, die Kooperation weiter mit Leben zu füllen!

Landschaft im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel
Landschaft im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel

© Normann Grabow / NLPV