Schleswig-Holstein

15.10.2018 |

Oktober 2018

MOIN, MOIN,
liebe Leserinnen und Leser! Es gibt mal wieder viele Nachrichten aus dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Hier sind Sie. Viel Spaß beim Lesen!

Rubrik Aktuelles neu

forschungsobjekt

© Fischer / LKN.SH

Miesmuschelbänke gelten als „Hotspots“ der Biodiversität und haben als solche große Bedeutung für das Ökosystem Wattenmeer. Sie bieten nicht nur mehr als 100 Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, sondern stellen auch einen natürlichen Küstenschutz dar, indem sie die Erosion verringern. Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer werden die Muschelbänke darum seit 1998 im Rahmen eines Monitorings laufend beobachtet. Derzeitiger Auftragnehmer dafür ist das Institut für Angewandte Ökosystemforschung (IfAÖ) in Neu-Broderstorf bei Rostock. Christian Fischer aus der Nationalparkverwaltung hat das Team um Sabine Nestler und Stefanie Breyer einen Tag lang im Lister Tief begleitet (kleines Foto).

Vom Ellenbogen aus ging es zu Fuß ins Watt des Königshafens und dann gleich an die Arbeit. „Die jeweilige Muschelbank wird zunächst per GPS eingemessen“, berichtet Fischer. Es folgen eine Beschreibung und die fotografische Dokumentation. „Pro Bank werden dann, zufällig verteilt, zwölf Proben aus einem Zählrahmen mit 25 mal 25 Zentimetern Kantenlänge genommen (großes Foto oben), bei jeder Probe werden im Anschluss die vorhandenen Miesmuscheln und Austern aussortiert, gezählt und deren Länge gemessen. Später folgen dann weitere Untersuchungen im Labor, zum Beispiel die Bestimmung des Kochgewichts zur Ermittlung der Kondition der Muscheln, sowie Auswertungen am PC.“ Die Experten aus Neu-Broderstorf unternehmen über das Jahr verteilt rund 50 Begehungen an verschiedenen Muschelbankstandorten im schleswig-holsteinischen Wattenmeer.

Sehr dynamische Entwicklung

Das Miesmuschel-Monitoring werde in den drei Wattenmeeranrainern Deutschland, Dänemark und Niederlande nach abgestimmten Methoden des „Trilateral Monitoring and Assessment Program“ (TMAP 1997) durchgeführt, erläutert die in der Nationalparkverwaltung zuständige Britta Diederichs. Seit 2006 werden dabei auch die Austernbestände gezielt mit erfasst. „Die Entwicklung der Muschelbänke ist in den vergangenen Jahrzehnten sehr dynamisch gewesen. Miesmuschelbänke sind zu Austernbanken geworden und auch die Zusammensetzung der Arten, die auf, zwischen und im Substrat um die Muscheln leben, hat sich verändert“, so Diederichs, und: „Die Daten und Ergebnisse aus unserem Monitoring sind eine gute Grundlage für Managementmaßnahmen wie das neue Muschelprogramm und auch bei Forschungseinrichtungen sehr gefragt.“

Jedes Jahr im Watt ist anders. Daher abschließend die Frage an die Projektleiterin Sabine Nestler: Was ist in diesem Jahr bei den Begehungen besonders aufgefallen? Der hohe Austernbrutfall sei bemerkenswert, so die Biologin: „Wir führen das auf den langen, warmen Sommer zurück, der höhere Wassertemperaturen als in den Vorjahren zur Folge hatte.“

Einige Zahlen zu Miesmuscheln (Foto rechts oben) und Austern (Foto rechts unten): Die Gesamtbiomasse der Miesmuscheln auf den Bänken im schleswig-holsteinischen Wattenmeer hat seit dem Minimum im Jahr 2010 (circa 6.000 Tonnen) – mit Ausnahme des Jahres 2016 – kontinuierlich zugenommen bis auf knapp 37.000 Tonnen im vergangenen Jahr. Mit 508 Hektar war die Gesamtfläche aller von Austern dominierten Muschelbänke höher als die von Miesmuscheln dominierten (437 Hektar). Die Gesamtbiomasse der Austern hat seit 2011 in jedem Jahr zugenommen und 2017 etwa 58.000 Tonnen erreicht.

Monitoring im Nationalpark

„Monitoring“ ist der Fachbegriff für wissenschaftliche Langzeitbeobachtungen. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gibt es dazu “ein breit gefächertes, ökosystembasiertes, naturwissenschaftliches Programm“, wie der Leiter des Fachbereichs Umweltbeobachtungen und Planungsgrundlagen Kai Eskildsen erläutert. Ziel sei es, durch diese Erkenntnisse eine seriöse Basis zu gewinnen für Schutzkonzepte sowie die Bewertung von Eingriffen und den Zustand des Schutzgebietes.

Die Untersuchungsparameter des Monitoring-Programms umfassen den gesamten Nationalpark mit seinen Arten und Lebensräumen, wobei die entsprechenden Feldarbeiten, Datenerhebungen und Auswertungen von den zuständigen Behörden selbst oder in ihrem Auftrag von Fachinstitutionen wie Universitäten oder wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt werden. Untersucht wird im Einzelnen auf Nähr- und Schadstoffe sowie das Benthos, Phytoplankton und Makroalgen. Weitere Ziele wissenschaftlicher Langzeitbeobachtung sind die Bestände der Wattenmeerfische, der Küstenvögel sowie der drei Meeressäugerarten Seehund, Kegelrobbe, Schweinswal. Dazu werden einzelne, besondere Lebensräume wie Muschelbänke, Seegras- und Salzwiesen sowie Dünen und Sandbänke in Augenschein genommen. Zudem werden die Auswirkungen direkter menschlicher Einflüsse (Sozioökonomie, Müll, Neobiota) erfasst.

Zur Erinnerung: Das Wattenmeer-Monitoring ist Thema eines von Kai Eskildsen geleiteten Seminars im Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek am 13. November. Dabei werden ausgewählte Monitoring-Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Informationen dazu sind hier zu finden. Anmeldeschluss ist der 6. November.

angeschwemmt

© Tosché / LKN.SH

Der Kadaver eines etwa neun Meter langen Wales ist am 5. Oktober am Strand von St. Peter-Ording angeschwemmt worden. Die Nationalparkverwaltung wurde vom örtlichen Seehundjäger informiert und sorgte gemeinsam mit weiteren beteiligten Behörden dafür, dass das tote Tier nach der Entnahme von Proben zur weiteren Klärung der Hintergründe noch am selben Tag abtransportiert wurde. Weitere Details dazu in dieser Pressemitteilung.

Rubrik Faszinierende Biologie neu

entdeckungen

© Stock / LKN.SH

Die Vogelwelt des Wattenmeeres ist voller Rekorde: zurückgelegte Flugstrecken, Alter (siehe Nationalpark Nachrichten Ausgabe September) und, und, und … So berichtete die Schutzstation Wattenmeer kürzlich von einer „weltmeisterlichen“ Leistung zweier Pfuhlschnepfen: Aus den Überwinterungsgebieten in Westafrika kommend, hatten sich die vom NIOZ (Königlich Niederländisches Institut für Meeresforschung) mit Satellitensendern markierten „Nr. 56“ und „Nr. 69“ mit Zwischenstation im nahrungsreichen Wattenmeer im Sommer mehr als 5.000 Kilometer von dort entfernt in den Brutgebieten in der russischen Arktis eingefunden. Für diese Vogelart offenbar nichts Besonderes: „Pfuhlschnepfen schaffen die längsten bekannten Direktflüge in der Vogelwelt – sogar über den Pazifik von Alaska nach Neuseeland“, so die Schutzstation.

Vor einigen Wochen vermeldete zudem der diesjährige NABU-Vogelwart auf Trischen Jonas Kotlarz eine besondere Entdeckung im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Unter rund 3.500 rastenden Austernfischern war ein farbberingtes, aus der Ukraine stammendes Exemplar. Lesen Sie hier Jonas‘ Bericht:

„Nachdem ich mir bei der Ablesung am ersten Tag nicht zu 100 Prozent sicher war und nach einem Blick in die Datenbank der International Wader Study Group nur ein ukrainisches Farbberingungsprogramm als das einzig mögliche in Frage kam, musste ich den Vogel am nächsten Tag einfach wieder finden. Zum Glück fand ich ihn tatsächlich, konnte die Ablesung noch einmal verifizieren und sogar ein (leider unscharfes) Belegfoto schießen. Darauf erkennt man zwar nicht den Code, jedoch ist die Ringkombination eindeutig dem entsprechenden Projekt zuzuordnen.“

Der Vogel sei den Unterlagen zufolge im Mai 2017 mehr als 1.240 Kilometer von Trischen entfernt auf einer Sandbank des Flusses „Slutsch“ in der Region Rivne in der nordwestlichen Ukraine als brütender Altvogel gefangen und beringt worden. Auch in diesem Jahr sei er wieder an diesem Brutplatz beobachtet worden.

winter

© Stock / LKN.SH

Zur Einstimmung auf den Herbst und Winter an der Nordsee präsentieren die Nationalpark-Partner am schleswig-holsteinischen Wattenmeer ihre nachhaltigen Urlaubsangebote erstmalig in dem Magazin „Winterfrische 2018/2019“ mit einem Beileger. Die Publikation der Nordsee-Tourismus Service GmbH (NTS), der zentralen Tourismusmarketing-Organisation der Nordsee Schleswig-Holsteins, soll im Rahmen einer Winterkampagne Lust machen auf eine erholsame Auszeit an der Nordsee in der Nebensaison – inklusive Herbststürme und Winterzauber.

Neben Tipps für einen unvergesslichen Urlaub in der Nationalparkregion erhalten die Leser mit dem Nationalpark-Partner-Beileger als besonderen Mehrwert ein kleines Poster (siehe Abbildung), passend zum aktuellen Nationalpark-Themenjahr „Muscheln und Schnecken“. Der Vertrieb der Teilauflage von rund 40.000 Exemplaren des Magazins erfolgt auf Touristikmessen, als Beilage über Lesezirkel im Großraum Hamburg und in den örtlichen Tourismusinformationen.

Maike Otten

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© Siegmund Pfingsten

Das Naturkundemuseum in Niebüll und die abendliche Versammlung der Stare erlebten über dreißig Nationalpark-Partner Ende September. Nach dem Rundgang durch die sehr gelungene interaktive Ausstellung gab es Kaffee, Kuchen und Klönschnack, dann ging es mit Nationalpark-Partner Siegmund („Siggi”) Pfingsten zum Tanz der Stare nach Aventoft. Die „schwarze Sonne” („Sort Sol”), wie der Flug der Stare im Dänischen genannt wird, war ein beeindruckendes Naturschauspiel vor tollem Wolkenhimmel!

Christiane Gätje

Rubrik Aus dem Multimar Wattforum

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© Solvin Zankl / LKN.SH

Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum startet in die Wintersaison – mit zwei besonderen regelmäßigen Führungsangeboten: Besucher können sich im Dunklen oder auf Plattdeutsch durch die große Wattenmeer-Erlebnisausstellung geleiten lassen. Bei der spannenden Taschenlampen-Tour „Nordsee bei Nacht“ werden die nachtaktiven Tiere in den dunklen Nordseeaquarien beobachtet. Die plattschnackende Nationalpark-Rangerin Ruth Hartwig-Kruse und ihr Kollege Frerk Petersen freuen sich darauf, das Multimar Wattforum bei den Führungen „Multimar auf Platt“ in ihrer Muttersprache zu präsentieren. Weitere Informationen gibt es hier und hier.

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© Claußen / LKN.SH

„Mit eigenen Federn schmücken“ heißt eine aktuelle Ausstellung zur Federkunde, die bis Ende des Jahres im Multimar Wattforum zu sehen ist. Was für Federn gibt es? Welche Funktionen haben sie? Warum fliegen Eulen lautlos? Und welche Bedeutung haben Federn für den Menschen? Auf 20 Tafeln sind Antworten auf diese Fragen zu finden und weitere spannende Fakten zur Plumologie (Federkunde) zu entdecken. Dazu zeigen die von Susanne Kühn präparierten Gefieder vieler Vogelarten aus der Nationalparkregion beispielhaft, wie bunt und vielgestaltig Federn sein können.

Rubrik Aktive Naturschutzverbände neu

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© Jonas Kotlarz / NABU

Vor wenigen Tagen hat Jonas Kotlarz die Insel im Dithmarscher Wattenmeer verlassen – und ist gleich mitten im Studentenalltag gelandet: „Ich bin nun in Greifswald in meiner WG und springe sofort ins kalte Wasser, denn die Uni hat schon wieder angefangen“, berichtete der diesjährige NABU-Vogelwart auf Trischen, gestern den Nationalpark Nachrichten.

„Der Abschied fiel mir wirklich schwer“, so Kotlarz – und das „traumhafte Abschiedswetter“ mit über 20 Grad Lufttemperatur, kaum Wind, blauem Himmel und Sonnenschein machte ihn sicher nicht leichter. „Die Salzwiese strahlte in allen herbstlichen Farben und der Vogelzug war noch einmal in vollem Gange“, blickt der Master-Student im Fach „Landscape Ecology and Nature Conservation“ zurück, und: „Ich werde das Vogelwartdasein auf Trischen als einschneidendes Erlebnis in meinem Herzen tragen.“

Ende September durften eine Journalistin und ein Fotograf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) mit einer eintägigen Ausnahmegenehmigung der Nationalparkverwaltung Jonas’ Arbeit in diesem streng geschützten Bereich des Nationalparks begleiten. Der entsprechende Bericht in der Online-Ausgabe hat ihm gut gefallen. Nachzulesen ist er hier.

10 Rubrik Neues aus den NNL

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© Anne Kobarg / Nationalpark Schwarzwald

„Was fällt Ihnen ganz spontan zu Wildnis ein?“ Zu diesem Thema und vielen anderen Aspekten hat die die Verwaltung des Nationalparks Schwarzwald eine Studie in Auftrag gegeben. Die zentrale Fragestellung dabei lautet, wie Wildnis sich auf den Menschen auswirkt; erforscht wird dies nicht nur mittels Fragebogen, sondern auch mit ergänzenden Feldforschungen (Foto oben).

So wurden an drei Wegen im Schutzgebiet Studienteilnehmer mit Herzfrequenzsensoren und GPS-Geräten ausgestattet, um die Herzfrequenzraten mit Punkten in der Landschaft abzugleichen. Mit ersten Ergebnissen der wissenschaftlichen Untersuchung, die nach Informationen der Initiatoren „Pionierarbeit“ leistet, wird Anfang nächsten Jahres gerechnet – die Nationalpark Nachrichten werden berichten.

Auch das Wattenmeer ist ein Stück Wildnis – mitten in Mitteleuropa. Können Erkenntnisse aus dem Schwarzwald auch im hiesigen Nationalpark Gültigkeit haben? „Genau wissen wir das nicht“, sagt Christiane Gätje, die in der Nationalparkverwaltung das sozioökonomische Monitoring verantwortet – schließlich sei Waldwildnis etwas ganz anderes als Wattwildnis. Fest stehe allerdings, dass es für 91 Prozent der Nationalparkurlauber „wichtig oder sehr wichtig“ sei, in den Ferien eine intakte Natur zu erleben; das habe die im Nationalpark im vergangenen Jahr durchgeführte Gästebefragung ergeben. Weitere Details aus der Befragung sind hier nachzulesen, mehr Informationen zu der Studie im Schwarzwald in dieser Pressemitteilung.

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© Stock / LKN.SH

Im Nationalpark Wattenmeer und vielen anderen Schutzgebieten ist die Arbeit von Freiwilligen hoch geschätzt und unverzichtbar. Nun haben die deutsche UNESCO-Kommission und das Auswärtige Amt unter dem Titel „naturweit“ einen neuen internationalen Freiwilligendienst ins Leben gerufen. „In einem freiwilligen sozialen Jahr im Weltnaturerbe, in UNESCO-Biosphärenreservaten und Geoparks sammeln die jungen Erwachsenen sechs Monate lang Erfahrungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung“, heißt es dazu von Seiten der Initiatoren. Weitere Informationen bietet diese Pressemitteilung.

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© BMU / Suradech

Der Klimawandel mit steigendem Meeresspiegel ist auch für den Lebensraum Wattenmeeer ein brennendes Thema. Unter dem Slogan „Auftrag Klimavorsorge“ hat die Bundesregierung jetzt ein Webportal mit Klimavorsorgediensten (KLiVO) gestartet. Die dort gebündelten Daten, Informationen und Werkzeuge sollen den Angaben zufolge Behörden, Unternehmen und Bürger dabei unterstützen, mit den globalen Folgen des Klimawandels umzugehen und etwaigen Vorsorgebedarf zu erkennen. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

rueckschau

© Brunckhorst / LKN.SH

An Bord war ein Feuer ausgebrochen, der Holzfrachter trieb manövrierunfähig in der Nordsee – und am 29. Oktober 1998 lief die unter der Flagge der Bahamas fahrende „Pallas“ nahe der Insel Amrum auf Grund. Anlässlich des 20. Jahrestages der folgenreichen Havarie plant der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) am 29. Oktober eine (geschlossene) Veranstaltung in Husum, in der eine Rückschau auf die damaligen Ereignisse und ein Blick auf die heutige Gefahrenabwehr geworfen werden sollen. Ein Bericht folgt in der nächsten Ausgabe der Nationalpark Nachrichten.

Rubrik Aus der Arbeit der Nationalparkverwaltung

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© Claußen / LKN.SH

Birdwatching-Guide im Wattenmeer werden – das wollen 24 topmotivierte Frauen und Männer aus der deutsch-dänischen Grenzregion. Zum Auftakt der sechsteiligen Fortbildung kam die buntgemischte und gutgelaunte Gruppe in Tönning und im Katinger Watt zusammen, wo sie unter anderem von unserem vogelbegeisterten Nationalpark-Ranger Martin Kühn in die Welt der Vogelbestimmung und -beobachtung eingeführt wurde.

Wir organisieren die Seminarreihe im Rahmen des deutsch-dänischen Interreg5A-Projekts NAKUWA (kurz für: Nachhaltiger Natur- und Kulturtourismus im Weltnaturerbe Wattenmeer, Infos hier), um das touristische Birdwatching-Angebot in der Nationalparkregion zu erweitern. Für den Kurs hatten sich dreimal so viele Interessenten gemeldet wie wir aufnehmen konnten – das hat uns überrascht, aber auch sehr gefreut! Wir setzen uns dafür ein, dass es nach dem NAKUWA-Projekt weitere Kurse für neue Birdwatching-Guides geben wird.

Alina Claußen

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© BMU / Stefanie Hedtkamp

Ein Nationalpark-Wattenmeer-Halstuch für die Bundesumweltministerin Svenja Schulze: Die Übergabe des Geschenks durch den Leiter der Nationalparkverwaltung Detlef Hansen (plus Freude bei der Ministerin) war eine der vielen kleinen Randerscheinungen der zweitägigen 13. trilateriale Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres im niederländischen Leeuwarden im Mai (siehe Nationalpark Nachrichten Ausgabe Juni). Dabei wurde von den zuständigen Umweltministern die sogenannte Leeuwarden-Deklaration unterzeichnet, die nun in vier Sprachen verfügbar ist und auf der Internetseite des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS) hier zum Download bereit steht.

Ein zentraler Tagesordnungspunkt der Konferenz war die Vorstellung und Verabschiedung der trilateralen Bildungsstrategie, die nun ebenfalls einsehbar ist, und zwar auf dieser Website. „Kurz zusammengefasst bildet die trilaterale Bildungsstrategie, aufbauend auf einem über Jahrzehnte gewachsenen Netzwerk von Menschen und zahlreichen lokalen, regionalen und nationalen Aktivitäten, einen grenzübergreifenden Rahmen für die Umweltbildung und Besucherinformation in der gesamten Wattenmeerregion“, erläutert die in der Nationalparkverwaltung für die trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit zuständige Marina Sanns. Die Strategie solle als Dach dienen, unter dem international und interdisziplinär der außergewöhnliche universelle Wert („Outstanding Universal Value“, OUV) des Wattenmeeres vermittelt wird.

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© Ahlborn / LKN.SH

Mit einem Plädoyer für eine Verbesserung des Meeres- und Küstenschutzes und der Veröffentlichung eines entsprechenden Abschlussdokumentes, der „Kieler Erklärung“, ist Ende September der 34. Deutsche Naturschutztag in der Landeshauptstadt zu Ende gegangen. Für die Nationalparkverwaltung bedeutete die Veranstaltung „Großeinsatz“: Viele aus dem Team waren vor Ort – als Referenten (Foto oben: der Leiter der Nationalparkverwaltung Detlef Hansen bei seinem Impulsvortrag), als Teilnehmende oder um den Nationalpark an Infoständen zu präsentieren, außerdem im Nationalpark selbst als Wattführerin und Wattführer bei einer Exkursion zur Hallig Oland.

Weitere Informationen über den Naturschutztag enthält diese Pressemitteilung, die Kieler Erklärung im Wortlaut ist hier zum Download verfügbar.

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© Ahlborn / LKN.SH

Westküsten-Vogelkiek, das heißt „Vogelbeobachtung satt“ im und am Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Vogeltour im Katinger Watt, „Grotes Sitten“ auf der Hamburger Hallig, Radtouren im Meldorfer Speicherkoog oder Schiffstouren nach Amrum und Langeneß – an diesen und vielen weiteren Standorten hatten sich Vogelfans eingefunden, um dem faszinierenden Phänomen Vogelzug nachzuspüren. „Bei einigen Veranstaltungen kamen um die 100 verschiedene Arten zusammen“, berichtet Mitorganisatorin Silke Ahlborn aus der Nationalparkverwaltung.

Gefragt waren sowohl die „Klassiker“ der Veranstaltungsreihe wie die Bustouren ins nördliche Nordfriesland als auch die Neuerungen wie die genannten Tagesausflüge, beide mit jeweils 35 Teilnehmenden – und viele weitere Angebote. Besonders gefreut haben sich die Veranstalter über eine Gruppe von Gästen, einige davon aus der Schweiz, die sich für eine ganze Woche in der Region eingemietet hatten und an mehreren Veranstaltungen teilnahmen. Silke Ahlborn: „Ein touristischer Mehrwert in der Nebensaison“.

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© Johannes-Maria Schlorke;
freeimages.com: Jesper Markward Olsen; Carl Ratcliffe

Grenzüberschreitender Austausch: Eine 25-köpfige Delegation aus dem dänischen „Miljøstyrelsen“ in Gram, also dem Umweltamt, das dem Umweltministerium in Kopenhagen unterstellt ist, war kürzlich zwei Tage lang zu einer Exkursion in Tönning. Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum stand dabei auf dem Besuchsplan, vor allem aber Gespräche in der Nationalparkverwaltung. „Das Treffen sollte dem informellen und fachlichen Austausch dienen und die bilaterale Kommunikation zwischen den schleswig-holsteinischen und dänischen Behörden befördern, die für die jeweiligen Nationalparke zuständig sind“, so Marina Sanns, in der Nationalparkverwaltung zuständig für die trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit. Hauptthema war dabei das Monitoring im Wattenmeer und der Austausch über die Monitoring-Methoden in den jeweiligen Ländern (Lesen Sie zum Thema Monitoring auch diesen Beitrag).

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© Dockhorn / LKN.SH

Stelle zu vergeben: Gesucht wird ein Experte oder eine Expertin in Sachen nachhaltiger Tourismus für 30 Wochenstunden im internationalen Projekt PROWAD LINK. Arbeitsplatz ist die Nationalparkverwaltung in Tönning (Foto oben) und dort angesiedelt im Fachbereich „Kommunikation und Nationalpark-Partner“.

PROWAD ist die Kurzform für „Protect & Prosper – Sustainable Tourism in the Wadden Sea“, ein EU-gefördertes Interreg-4B-Projekt, das eine nachhaltige Tourismustrategie für die Destination Weltnaturerbe Wattenmeer entwickelt hat und 2015 abgeschlossen wurde. Am Nachfolger PROWAD LINK (Protect & Prosper – Benefits through linking sustainable growth with nature protection) sind nun elf Partner beteiligt – Organisationen aus den Wattenmeerregionen Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande sowie Partner aus England und Norwegen. Im Rahmen des Vorhabens sollen unter anderem kleine und mittelständische Unternehmen in der Nordseeregion motiviert werden, zum Schutz des Weltnaturerbes Wattenmeer beizutragen und so wirtschaftliche Vorteile zu gewinnen. Weitere Informationen zur Stellenausschreibung sind hier, zu PROWAD LINK hier zu finden.

Ein Bildhandbuch als Hingucker: Liest man den Begriff „Feldhandbuch“ im Vorwort dieses Vogelbuches, denkt man an eine Publikation mit zahlreichen Illustrationen, die alle Details der einzelnen Vogelarten genauestens darstellen. „Fotobände“ dagegen zeigen in der Regel nur einzelne, besonders schöne Fotografien, die gerade bei ähnlichen Arten die genaue Bestimmung allerdings schwierig machen. Lars Gejl hat sich der Herausforderung gestellt, beides zu vereinen und ein „Bildhandbuch“ (so der Untertitel) herausgegeben: ein Bestimmungsbuch für die Greifvögel Europas auf der Basis von über 500 Spitzenfotografien.

Der renommierte Naturfotograf aus Dänemark, den der ein oder andere vielleicht von seinem Bildband „Die Watvögel Europas“ kennt (Buchbesprechung siehe Januar-Ausgabe der Nationalpark Nachrichten), hat die Aufgabe zusammen mit 40 weiteren Fotografen in Angriff genommen – und sie ist ihm gelungen! Auf 300 Seiten findet man nicht nur die reich bebilderten Artenporträts, die auch hohen fachlichen Ansprüchen genügen, sondern viele Einzelaufnahmen, die die große Freude der Bildautoren an der Vogelbeobachtung und Naturfotografie erkennen lassen.

Alle im Nationalpark Wattenmeer vorkommenden Greifvogelarten sind in diesem Buch vertreten. Neben Seeadler, Rohrweihe und Merlin werden zudem im Wattenmeer seltene Gäste wie der Gänsegeier oder die Gerfalke vorgestellt. Gerade für die Bestimmung der bei uns häufigen Arten Mäuse- und Raufußbussard ist das Buch sehr hilfreich, da die unterschiedlichen Farbvarianten ausführlich gezeigt, außerdem ähnliche Arten wie die andere Bussarde oder Weihen zusätzlich in vergleichenden Tafeln gegenübergestellt werden.

Im Textteil erfährt man dann alles Weitere zur Biologie, Verbreitung und Zugverhalten. Ergänzend zu den Bestandsschätzungen und der Angabe der Länder mit den Hauptvorkommen wäre eine Verbreitungskarte für die Handhabung wünschenswert gewesen. Insgesamt bleibt der Eindruck eines sehr gelungenen „Feldhandbuches“, das einen spontan die nächsten Vogelexkursion planen lässt.

Lars Gejl: „Europas Greifvögel – Das Bildhandbuch zu allen Arten“,
Haupt Verlag, Bern 2018, ISBN 978-3-258-08089-5, 39,90 Euro

Armin Jeß

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© Krause / LKN.SH

„Nationalparkabend“ in St. Peter-Ording: Was der Nationalpark alles bietet, darum geht es bei der Veranstaltung „Mehrwert Natur – wie Nationalpark und Tourismus miteinander leben“ am Mittwoch, 24. Oktober um 17.30 Uhr im DÜNEN-HUS auf der Erlebnispromenade in St. Peter-Ording. Die Veranstaltung bildet den Auftakt zur Reihe „TZ im Dialog 2018/2019” mit der Tourismus-Zentrale und interessierten Akteuren aus Tourismus, Wirtschaft und Kultur.

Warum darf am Strand geparkt werden? Wo verläuft die Absperrung für Kite-Surfer? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt es an diesem Abend, außerdem ein Wattenmeer-Quiz sowie ein kleines Mitbringsel von der Nationalparkverwaltung – und viel Information. So erläutern Mitarbeiter der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording und der Nationalparkverwaltung, was eine Nationalpark-Partnerschaft bedeutet und wie die Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen funktioniert. Dabei geht es nicht nur um die Schutzwürdigkeit und Bestimmungen, sondern darum zu zeigen, wie der Nationalparkgedanke in aller Regel unkompliziert in den Alltag integriert werden kann und wie gut Tourismus und Naturschutz zusammengehen. Da der Platz im DÜNEN-HUS begrenzt ist, wird um Anmeldung gebeten (per Telefon unter 04863-999225 oder per Mail bei b.eggers(@)tz-spo.de).

Die Fachtagung „Natur und Tourismus“ findet in diesem Jahr in Büsum statt. Im dortigen Watt’n Hus – Freizeit- und Informationszentrum diskutieren am 15. November Naturschützer und Touristiker über Themen von Qualität und Nachhaltigkeit im Tourismus bis zum Problem Plastikmüll im Meer. Zu Letzterem werden mehrere Vorträge geboten – inklusive Praxisbeispiele und konkreter Vorschläge zur Müllvermeidung.

Veranstalter der Fachtagung sind der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) mit Nationalparkverwaltung, der Nordsee-Tourismus-Service (NTS), der WWF, die Fachhochschule Westküste sowie Dithmarschen Tourismus. Anmeldeschluss ist der 8. November. Weitere Informationen zu Anmeldung, Kosten und Anfahrt sind im Programm nachzulesen, das hier zum Download bereit steht.

Halloween im Multimar: Am Samstag, 27. Oktober, wird es ab 18.30 Uhr unheimlich im Multimar Wattforum! Große und kleine Gruselfans sind herzlich willkommen beim Halloween-Familienfest in der „schaurigen“ Wattenmeerausstellung. Weitere Informationen gibt es hier.


Herausgeber

LKN-SH | Nationalparkverwaltung
Schlossgarten 1 | D-25832 Tönning

Redaktion: Heike Wells, Bernhard Dockhorn
Kontakt:

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