22.09.2020

Ein Open-Air-Praktikum auf der Hamburger Hallig

Umweltpraktikantin Theresa Klara Loch unterstützt die Arbeit der Nationalparkverwaltung
Theresa Klara Loch (Umweltpraktikantin in der Wattwerkstatt, rechts), Claudia Baller (Praktikumsbetreuerin in der Nationalparkverwaltung, Mitte) und Lea Herschbach (Umweltpraktikantin im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum, links) vor der Wattwerkstatt auf der Hamburger Hallig  |   © Dagmar Baier

Theresa Klara Loch (Umweltpraktikantin in der Wattwerkstatt, rechts), Claudia Baller (Praktikumsbetreuerin in der Nationalparkverwaltung, Mitte) und Lea Herschbach (Umweltpraktikantin im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum, links) vor der Wattwerkstatt auf der Hamburger Hallig | © Dagmar Baier

Die Inseln und Halligen im nordfriesischen Wattenmeer sind beliebte Touristenziele, zugleich sind sie aber auch sensible, geschützte Naturgebiete. Wie bringt man Naturschutz und Erlebnis auf einer Hallig in Einklang? Praktikant:innen unterstützen seit vielen Jahren bei diesem Balanceakt und machen dabei spannende Erfahrungen.

Im Rahmen eines Umweltpraktikums unterstützen nunmehr seit 30 Jahren Studierende die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Einer der „Open-Air“-Praktikumsplätze ist die Wattwerkstatt auf der Hamburger Hallig. Hier wird von Mai bis Ende September Wissenswertes und Erstaunliches über das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer vermittelt. Derzeit betreut Umweltpraktikantin Theresa Klara Loch (24 Jahre) die vielen Besucher:innen auf der Warft. Sie wird, wie viele andere Praktikant:innen, durch das Förderprojekt „Umweltpraktikum“ der Commerzbank unterstützt.

Ein Arbeitstag der Praktikantin auf der Hallig

Wenn die Umweltpraktikantin Theresa Klara Loch morgens aus ihrem kleinen Haus auf der Warft tritt, erlebt sie Hallig pur. Menschen? Fehlanzeige! Dafür jede Menge Salzwiese, eine vielfältige Vogelwelt und einige Schafe. Ihr Weg führt sie morgens erst direkt zum Grünstrand an der Halligkante. Vom Meer fehlt oft jede Spur, während ein anderes Mal das Baden in der Nordsee höchstes Vergnügen bereiten kann.

Um 8:30 Uhr ist Arbeitsbeginn in der kleinen Wattwerkstatt - derzeit unter Corona-Bedingungen. Nur zwei Personen bzw. ein Haushalt dürfen die Wattenmeer-Ausstellung zur gleichen Zeit besuchen. Während des hohen Besucheraufkommens auf der Hamburg Hallig ist dies keine einfache Situation. Die Hygienevorschriften müssen auch im Ausstellungsraum zwingend eingehalten werden. Die meisten Gäste zeigen Verständnis für die Regeln, manchmal begegnen Theresa aber auch Corona-Kritiker:innen. Bis 11 Uhr läuft alles zumeist noch entspannt: Schnell noch die vom Wind zerfetzte Flagge reparieren, dann die Wasserstände auf einer Tafel notieren, die vor der Wattwerkstatt steht. Hier bleiben die Hallig-Besucher:innen oft stehen, um Ebbe- und Flutzeiten zu erfahren. Und dabei kommen sie dann mit Theresa ins Gespräch.

Gegen 11 Uhr erscheinen die ersten radelnden und wandernden Gäste auf der Hallig und wollen viel wissen. Die Hamburger Hallig ist ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für viele Vogelarten. Das Betreten der Salzwiesen, freilaufende Hunde und Drachen steigen lassen sind daher verboten. Besonders spannend für Theresa ist das Thema Sturmfluten. Auf großen Informationswänden kann dazu viel Wissenswertes nachgelesen werden und Theresa übernimmt fachkundig die Führung durch die Ausstellung. Die Umweltpraktikantin lernt viel über die extremen Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen an der Nordsee, die geprägt sind durch den ständigen Wechsel zwischen Ebbe und Flut und dem salzigen Nordseewasser Bei „Schietwetter“ ist manchmal Zeit, um an neuen Konzepten für Exkursionen und Veranstaltungen zu arbeiten. Zurzeit schreibt an ihrem neuen Hallig-Führungskonzept, das den Menschen diesen besonderen Schutzraum noch näherbringen kann.

„Dass junge, sympathische Menschen wie Theresa unsere Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit draußen im Nationalpark unterstützen, ist eine tolle und wertvolle Bereicherung für uns,“ bestätigt Claudia Baller von der Nationalparkverwaltung, die das Umweltpraktikum in der Tönninger Behörde sowie im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum betreut. „Wenn ich sehe, mit wieviel Spaß und Freude unsere Praktikant:innen im Einsatz sind, kann man wohl von einer absoluten Win-Win-Situation sprechen.“

Am Abend begleiten Bücher Theresas Einsamkeit ohne Internet und Fernsehen. Wie zum Beispiel das Buch „Das Mädchen von der Hallig“ (Cornelius Jensen). Es schildert den Lebensweg eines Mädchens von der Hamburger Hallig, geboren 1921, in schönen und schweren Zeiten. Theresa greift gern auf historisches und traditionelles Wissen für ihr Praktikum auf der Warft und für ihr Studium der Umweltwissenschaften zurück. Sie sammelt aus „alten Zeiten“ für die Wissensentwicklung für unsere Zukunft.

 „Ich habe während meines Praktikum viel über den Nationalpark Wattenmeer gelernt - und dieses Wissen an interessierte Menschen weitergegeben“, resümiert Theresa ihre bisherige Zeit auf der Hallig. „Das schönste Erlebnis hier ist der Rhythmus der Gezeiten. Es ist spannend, täglich zu beobachten, wie hoch die Flut steigt. Aber auf meiner kleinen Warft fühle ich mich sicher.“

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Commerzbank-Umweltpraktikum 2021: Bewerbungsphase startet Anfang November

Naturbegeisterte Studierende aus Deutschland und anderen EU-Ländern können sich ab November um einen der 75 Praktikumsplätze bewerben. Die Frist läuft bis zum 15. Januar 2021. Bewerbungen für das Open-Air-Semester sind ausschließlich online unter www.umweltpraktikum.com möglich.

„2020 feiert das Umweltpraktikum seinen 30. Geburtstag und es ist heute mindestens so aktuell wie bei seiner Gründung. Klimawandel, Umweltschutz und Artenvielfalt sind Themen, die die Gesellschaft stark bewegen“, sagte Marktbereichsleiterin Annika Kopka von der Commerzbank Husum. Sie übernimmt jährlich die Begrüßung der Praktikant:innen.  „Studierende können im Praktikum hautnah erleben, wie Ökosysteme funktionieren und was für ihren Erhalt getan werden muss. Solche Erfahrungen und Kompetenzen bereiten auch auf moderne Berufsfelder wie zum Beispiel das Umweltmanagement vor.“

Zurzeit zählen 27 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate in ganz Deutschland zu den Projektpartnern. Ob an der Nordsee oder in den Alpen, im Hunsrück oder in der Sächsischen Schweiz: Praktikant:innen sind mindestens drei Monate in einem der Schutzgebiete im Einsatz. Dort erhalten sie umfassende Einblicke in die Arbeitsabläufe und arbeiten eigenständig mit. Zum Beispiel übernehmen sie Führungen, kümmern sich um die Informationsstände oder entwickeln neue Konzepte für Exkursionen und Veranstaltungen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, eigene Projekte in den Bereichen Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu realisieren.

Bisher haben mehr als 1.800 Teilnehmende ihre Praktikumszeit in einem der beteiligten Schutzgebiete absolviert. Die Commerzbank finanziert und organisiert das Praktikum. Die Schutzgebiete übernehmen die fachliche Betreuung.

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Eine gemeinsame Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung und der Commerzbank.

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