Niedersachsen

01.08.2022 |

Gute Aussichten auf ein neues Vogelparadies

Eine neue Beobachtungsplattform im Vorland der Krummhörn bietet Einblicke in eine renaturierte Salzwiese.

Wer eine Radtour im Vorland der Krummhörn unternimmt, mitten durch den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“, wird am Wegesrand neuerdings ein kleines Podest entdecken. Schöne Holzstufen laden zum Verweilen ein. Und wenn man sie erklimmt, wird einem bewusst, wie wenig man sich im platten Ostfriesland in die Höhe begeben muss, um gleich viel weiter gucken zu können. Platziert wurde die Plattform von der Nationalparkverwaltung, um die Vogelbeobachtung in der danebenliegenden Renaturierungsfläche im Dyksterkruger Heller zu ermöglichen. Jetzt wurde die Plattform zusammen mit Bürgermeisterin Hilke Looden, Herald Ihnen und Rolf Greeven, beide ehrenamtliche Mitarbeiter der Nationalparkwacht und Insa Steffens, Leiterin des Nationalpark-Hauses Greetsiel, eingeweiht.

Die Renaturierung erfolgte als Kompensationsmaßnahme für Eingriffe in die Natur, die im Rahmen von Deichbaumaßnahmen in der Krummhörn unvermeidlich waren. Bei einer Deicherhöhung wird auch der Deichfuß breiter, dafür mussten geschützte Biotope weichen. Brutvögel werden durch die lange Bauzeit beeinträchtigt. Die Deichacht ist als Träger der Deichbaumaßnahme dafür verantwortlich, diese Beeinträchtigungen auszugleichen. In diesem Fall war es im direkten Umfeld möglich, dafür eine Fläche im Sinne des Naturschutzes aufzuwerten.

Der Dyksterkruger Heller entstand zum größten Teil durch Aufspülung hinter einem schweren Deckwerk. Durch viele kleine Gräben wurde er trockengelegt und zur Beweidung nutzbar gemacht. Die Beweidung wurde schon lange aufgegeben, aber die Gräben waren immer noch da und trockneten die Salzwiesen weiterhin aus. Auch die Salzwasserzufuhr von Meer war durch das Deckwerk gedrosselt. Hier konnte nun Abhilfe geschaffen werden.

Ziel der von der Deichacht finanzierten und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Aurich durchgeführten Maßnahme war die Wiederherstellung einer naturnahen Salzwiese und eines naturnahenTideeinflusses. Dafür wurden alle von Menschen gemachten Entwässerungsstrukturen entfernt und der Oberboden wurde abgetragen. Zu einem guten Teil konnte er für den Deichbau verwendet werden. Die Rohre im Deckwerk wurden entfernt und eine breite Furt hergestellt, durch die das Salzwasser nun frei ein- und ausschwingen kann. Salzwiesen und Priele können sich im natürlichen Einfluss der Gezeiten frei entwickeln und bieten besonderen Pflanzen und Tieren neuen Lebensraum.

Ein Teil des bisherigen Radweges ist nun nicht mehr nutzbar. Die entstandene Furt kann nicht gefahrlos durchfahren werden. Und um rastenden und brütenden Vögeln mehr Rückzugsraum zu bieten, ist ein Abschnitt des Weges hinter der Plattform nicht mehr für die Öffentlichkeit freigegeben. Dies ist Teil der Kompensationsmaßnahme. Für ein problemloses Umfahren der unzugänglichen Abschnitte sind umliegende Wege radfreundlich ertüchtigt worden.

„Von der neu gebauten Plattform aus können die im renaturierten Heller rastenden Vögel gut beobachtet werden, ohne sie zu stören“, so die einladenden Worte von Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. Ergänzend dazu bieten Infotafeln Wissenswertes zu den vorkommenden Vogelarten und zum Nationalpark.

„Diese Einweihung soll auch der Auftakt sein zu einer neuen engeren Zusammenarbeit,“ sagte Bürgermeisterin Hilke Looden. “Die Krummhörn hat auch vor dem Deich viel zu bieten. Man muss den Besucherverkehr aber natürlich auch in naturverträgliche Bahnen lenken.“

Im Winter wird die Plattform allerdings weichen müssen. Winterlichen Sturmfluten würde sie über die Jahre nicht standhalten, daher wird sie alljährlich im Herbst abgebaut und eingelagert, bis sie ab dem Frühjahr wieder zur Verfügung steht – zum Vogelbeobachten, Naturentdecken oder einfach Pausen genießen.

auf dem Foto v. links n. rechts: Hilke Looden (Bürgermeisterin Gemeinde Krummhörn), Herald Ihnen und Rolf Greeven (Ehrenamtliche Nationalparkwacht), Insa Steffens (Leiterin Nationalparkhaus Greetsiel, Anna Appel und Bernd Oltmanns (NLPV), Peter Südbeck (Leiter d. Nationalparkverwaltung),