Schleswig-Holstein

09.08.2022 |

Vogelsterben an der Westküste Schleswig-Holsteins

Seit Anfang Juni 2022 gibt es an der Westküste Schleswig-Holsteins wieder auffällige Funde toter Wildvögel, insbesondere von Brandseeschwalben und Basstölpeln, die an der Vogelgrippe gestorben sind. Dies passt zum länderübergreifenden Szenario, wo ganze Kolonien Opfer dieser Viruserkrankung werden.

Stand: 09.08.2022

Erstmalig tritt die Vogelgrippe bei Wildvögeln im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer nicht mehr nur im Winterhalbjahr, sondern auch zur Brutzeit auf. Betroffen sind vor allem Brutkolonien, wo sehr viele Vögel auf engstem Raum zusammenkommen.

Seit Anfang Juni 2022 sind in Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden ganze Brutkolonien von Brandseeschwalben mit Tausenden von Paaren durch die Vogelgrippe ausgelöscht worden. Bereits Anfang Mai 2022 war in Deutschland ein Vogelgrippe-Ausbruch an der Ostseeküste (Langenwerder/Mecklenburg-Vorpommern) dokumentiert worden.

Brandseeschwalben deutlich betroffen

Auch im deutschen Wattenmeer (u.a. Minsener Oog in Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Neuwerk im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer) sind Brandseeschwalben deutlich betroffen. Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer traten Anfang Juni die ersten toten Brandseeschwalben auf. In den Brutkolonien auf der Hallig Norderoog wurden bislang (Stand 09.08.2022) knapp 400 tote Altvögel und rund 1.500 tote Jungvögel registriert; 163 Totfunde gab es im übrigen Nationalparkgebiet außerhalb der Brutkolonien. Die an mehreren Brandseeschwalben-Kadavern genommenen Proben zeigten, dass die Tiere fast ausnahmslos an der Vogelgrippe erkrankt waren.

Die Norderooger Kolonien mit über 3.000 Brutpaaren (Stand 2022) bilden das einzige Brutvorkommen in Schleswig-Holstein. Die Art gilt daher nach den Roten Listen in Schleswig-Holstein und in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Die aktuelle Sterberate adulter Brandseeschwalben liegt auf Norderoog offenbar deutlich niedriger als in den Kolonien in den Niederlanden sowie in Belgien und Nordfrankreich. Das Brutgeschehen ist mittlerweile beendet, nur einige Altvögel sind noch anwesend.

Auf Trischen sind zwischenzeitlich auch Löffler und Eiderenten von der Vogelgrippe betroffen; an einigen Kadavern wurde aviäre Influenza nachgewiesen.

Zunehmend auch Basstölpel aufgefunden

Seit Mitte Juni werden an vielen Stellen der schleswig-holsteinischen Westküste, besonders an den Stränden von Sylt, Amrum und Föhr, auch tote Basstölpel gefunden, die an der Vogelgrippe erkrankt waren. Bislang (Stand 09.08.2022) wurden 337 tote oder moribunde Basstölpel von der Nationalparkverwaltung erfasst.

Die Herkunft der toten Basstölpel konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Inzwischen wurden auch in der Kolonie auf Helgoland sehr starke Verluste durch Vogelgrippe festgestellt; die höchsten Zahlen wurden aber aus Großbritannien (z.B. vom Bass Rock) gemeldet.

Vögel sterben auch an anderen Ursachen

Neben Brandseeschwalben, Basstölpeln und Löfflern wurden an der Westküste jüngst auch vermehrt Kadaver anderer Vogelarten aufgefunden und untersucht. Bis auf vereinzelte Ausnahmen konnte in den jüngst untersuchten Proben von Heringsmöwen, Silbermöwen, Lachmöwen, Austernfischern, Lachseeschwalben, Flussseeschwalben und einer Brandgans kein Vogelgrippevirus festgestellt werden. Es kommen demnach auch andere, multifaktorielle Todesursachen in Frage, wie Nahrungsmangel oder anderweitige Erkrankungen. Daher werden derzeit an einigen dieser toten Vögel weitere virologische/bakteriologische Tests durchgeführt.

Nationalparkverwaltung beobachtet Lage

Die Nationalparkverwaltung beobachtet die indifferente Lage weiterhin aufmerksam. Die Nationalpark-Ranger:innen nehmen aktuell Tupferproben verendeter Vögel, um eine Untersuchung auf Vogelgrippe-Viren oder andere Erkrankungen zu veranlassen. Bei Bedarf werden Totvögel unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen eingesammelt und fachgerecht entsorgt.

Hintergrund Vogelgrippe

Die hochpathogene aviäre Influenza, auch Geflügelpest oder Vogelgrippe genannt, ist eine durch Viren verursachte, anzeige- und bekämpfungspflichtige Tierseuche, die bei gehaltenen Vögeln und Wildvögeln nach teilweise schweren Erkrankungserscheinungen sehr schnell zu massenhaftem Verenden führen kann.

Bereits in den vergangenen zwei Wintern gab es in Schleswig-Holstein große Ausbrüche der Vogelgrippe bei Wildvögeln und in Geflügelhaltungen. An der Nordseeküste waren davon besonders hier rastenden Gänse- und Entenarten wie Nonnengänse und Pfeifenten betroffen. Im Dezember 2020 kam es zudem zu einem Massensterben von Knutts. Über längere Zeiträume wurden deshalb landesweit sogenannte Biosicherheitsmaßnahmen durch das schleswig-holsteinische Umweltministerium und in einigen Kreisen Stallpflicht angeordnet. Die Übertragung auf weitere Geflügelhaltungen sollte so verhindert werden.

Und ich?
  • Was tun, wenn ich einen toten oder sterbenden Vogel finde?

    An der Vogelgrippe erkrankten Vögeln kann man leider nicht helfen. Wenn Sie einen toten oder sterbenden Vogel finden, lassen Sie ihn ohne unnötigen Stress in Ruhe sterben. Lassen Sie ihn, wo er ist, damit die Viren nicht noch weiter verbreitet werden. Berühren Sie ihn bitte nicht, und wenn er noch lebt, stören Sie ihn nicht. Wenn Sie einen Hund haben, halten Sie ihn von dem Vogel fern und angeleint.

  • Funde von verendeten wildlebenden Vögeln im Nationalpark und auf den Landesschutzdeichen können Sie an die Nationalparkverwaltung melden. Außerhalb dieser Bereiche melden Sie Funde bitte den Ordnungs- und Veterinärämtern der jeweiligen Kreise bzw. der kreisfreien Stadt.
    Kontakt Nationalparkverwaltung