Kegelrobbe

Halichoerus grypus

Kegelrobben sind die größten Raubtiere Deutschlands. Im Nationalpark Wattenmeer sind sie neben den kleineren Seehunden die zweite vorkommende Robbenart.

Bei Amrum, Helgoland und Juist existieren Kolonien, die größte zwischen Den Helder und Esbjerg liegt im westlichen niederländischen Wattenmeer. Die Bestände wachsen. Auch im niedersächsischen Wattenmeer zwischen Borkum und Baltrum werden immer mehr Kegelrobben beobachtet. Um ein genaueres Bild über die Bestände vor Ort zu bekommen, werden im Auftrag der Nationalparkverwaltungen im Winter und Frühjahr spezielle Erfassungsflüge durchgeführt. Im Winter wird der Nachwuchs geboren und im Frühjahr schließt sich der jährliche Fellwechsel der Kegelrobben an. Beide Lebensabschnitte bieten eine gute Gelegenheit, die Tiere an Land zu zählen.

Schon die erste Befliegung im Dezember 2005 hatte eine erfreuliche Überraschung parat: Auf der Kachelotplate bei Juist wurden 23 Alttiere und 19 Jungtiere gezählt. Die Zählsaison 2013/2014 brachte ein Ergebnis von 62 Kegelrobben in Schleswig-Holstein und 227 im Niedersächsischen und Hamburgischen Wattenmeer. Mittlerweile leben etwa 6.500 Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland (2019).

Wie man aus archäologischen Funden schließt, gab es vor ein paar tausend Jahren im Wattenmeer sogar mehr Kegelrobben als Seehunde.

Kegelrobbe mit zwei Jungtieren auf der Kachelotplate
Kegelrobbe mit Jungtieren auf der Kachelotplate

© Gundolf Reichert/NLPV

Ihren Namen verdanken die Robben ihrem kegelförmigen Kopf oder den kegelförmigen Zähnen. Wer es kurioser mag: Der wissenschaftliche Name Halichoerus grypus bedeutet so viel wie ‚hakennasiges Schwein des Meeres‘. Bei den männlichen Tieren, den Bullen, ist die markante, langgestreckte Kopfform besonders deutlich ausgeprägt. Im englischsprachigen Raum bezeichnet man die Kegelrobbe daher auch manchmal als ‚horsehead seal‘. Bei einer Schiffsfahrt durchs Wattenmeer lassen sich auf Sandbänken zwischen den Seehunden auch Kegelrobben entdecken. Im Nebeneinander werden die unterschiedlichen Körpermerkmale gut deutlich.

Auch in der Größe und der Fellfärbung lassen sich die Geschlechter gut unterscheiden: Die deutlich größeren Männchen haben ein dunkleres Fell, oft mit hellen Flecken, weibliche Tiere tragen ein helles Fell mit dunklen Flecken. Die jungen Kegelrobben kommen mit einem hellen, flauschigen Geburtsfell, auch ‚Lanugo’ genannt, zur Welt. Dieses Fell wird im Verlauf der ersten sechs Lebenswochen abgestoßen und durch das ‚normale’ Fell ersetzt, bevor die Jungen das erste Mal freiwillig in das nasse Element schlüpfen. Eine dicke Speckschicht schützt vor drohender Unterkühlung. Pro Tag futtern sich die kleinen Kegelrobben 1-2 Kilo an Gewicht an, so lange, bis sie etwa viermal so schwer sind wie bei der Geburt.

Kegelrobbe - Kopfporträt

© Steffen Walentowitz