Monatsvogel im April

Ringelgans

Branta bernicla

Waren die Bestände in den 1950er-Jahren auf circa 20.000 Vögel geschrumpft, sind es heute wieder etwa 250.000 Tiere. Durch ihre starke Abhängigkeit von Seegras- und Salzwiesen bleibt die Art aber sehr empfindlich gegenüber Störungen. Diesen Monat feiern die Halligen sie mit den Ringelganstagen.

Die Ringelgans ist im Vergleich zu anderen Gänsen recht klein. Erkennbar ist sie an dem dunklen Hals mit dem charakteristischen weißen Halsfleck, der auch „Halsring“ genannt wird. Jungvögel entwickeln dieses Merkmal erst. Auffällig sind auch der graubraune Rücken und das weiße Hinterteil. Im Flug lassen sich ihre spitzen, leicht zurückgebogenen Flügel erkennen. Die bei uns vorkommende Ringelgans ist die dunkelbäuchige Ringelgans Branta bernicla. Sie bildet eine der drei Unterarten der Branta. Ihr Ruflaut ist ein gutturales „rott-rott“.

Ihr wissenschaftlicher Familienname Branta bedeutet „schwarze Gans“ und ist die latinisierte Form der englischen Bezeichnung „Brent goose“ für die Ringelgans. Die Artbezeichnung bernicla bezieht sich auf den englischen Namen der Entenmuschel (goose barnacle). Die Entenmuschel ist eine zum Beispiel an Treibholz festsitzenden Krebsart, die an eine Muschel erinnert. Zur Nahrungssuche zieht diese ihre federähnlichen Fangarme rhythmisch durchs Wasser. Dieser Anblick erinnert an Küken, die gerade aus dem Ei schlüpfen wollen. Der Volksglaube vermutete in den Entenmuscheln den Ursprungsort der Gänse.

70.000 Ringelgänse im Wattenmeer Schleswig-Holsteins

Ringelgänse sind außerhalb der Brutzeit sehr sozial und auf dem Meer sowie während des Zugs in großen Trupps zu beobachten. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer halten sich jährlich circa 70.000 Ringelgänse auf. Im Frühjahr rasten 80 Prozent der Art auf den Halligen und Inseln des Wattenmeers. Sie ernähren sich im Frühjahr von Kräutern und Gräsern der Salzwiesen, im Herbst vor allem vom Gemeinen Seegras (Zostera marina) auf den Wattflächen.

Ringelgänse brauchen viel Energie, um die bis zu 5.000 Kilometer lange Flugstrecke zum Brutgebiet auf der Taymir-Halbinsel in Nordsibirien zu schaffen. Während der nur wenigen Wochen Rast im Wattenmeer müssen sie ein Drittel ihres Körpergewichts zunehmen. Pro 100 Kilometer Flugstrecke benötigen sie circa 8 Gramm Fett. Für den gesamten weiteren Weg zum Brutgebiet benötigen sie also das Fünzigfache: 400 g Fett – um so viel zuzulegen, müssen sie mindestens 18 Kilogramm Gras fressen! Kein Wunder, dass sie die meiste Zeit der Rast mit der Nahrungsaufnahme verbringen.

Wichtige Seegras- und Salzwiesen

Durch intensive Bejagung in den Brutgebieten und Ländern entlang des Zugwegs und einem großflächigen Absterben von Seegrasbeständen im Wattenmeer, war der Gesamtbestand in den 1950er-Jahren auf eine kritische Menge von nur circa 20.000 Individuen geschrumpft. Nachdem die Jagd auf die Ringelgans eingestellt wurde, hat sich der Bestand erholt und lag 2018 bei etwa 250.000 Tieren. Da die Art jedoch sehr abhängig von Seegras- und Salzwiesen ist, konzentrieren sie sich heute nur auf wenige Gebiete. So ist sie sehr empfindlich gegenüber Störungen.

Die Ringelgänse werden zusammen mit allen anderen Rastvögeln am Wattenmeer regelmäßig im Rahmen des „Rastvogel-Monitorings“ gezählt.

Ringelganstage mit vielen Veranstaltungen

Zur Feier dieser hübschen Gans gibt es jedes Jahr von April bis Mai eine Veranstaltungsreihe rund um die Ringelgans und ihre Besonderheiten, die Ringelganstage.

Quellen und weitere Informationen zu den Monatsvögeln (Auswahl)

„Der Kosmos Vogelführer“ (L. Svensson, K. Mullarney, D. Zetterström , Auflage von 2011)

„Der große Vogelatlas: Alle europäischen Arten“ (D. Couzens, 2006)

„Die Namen der Vögel Europas“ (V. Wember, 3. Auflage von 2017)

www.nabu.de

www.zugvogeltage.de

www.schutzstation-wattenmeer.de

Ringelgänse auf der Hallig Hooge
Ringelgänse auf Hooge

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Startende Ringelgänse
Ringelgänse

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Fliegende Ringelgänse
Ringelgänse

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Ringelgans in der Wiese
Ringelgans

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