01.11.2021 | Pressemitteilung des CWSS

Wattenmeer-Seehundbericht

Die Seehundpopulation im Wattenmeer auf dem Stand von 1900

Dreißig Jahre nach der Umsetzung des Wattenmeer-Seehundabkommens im Jahr 1991 hat sich die Population der Seehunde im Wattenmeer verfünffacht und ist damit wieder auf dem Niveau von 1900, wie Schätzungen nahelegen.

Bei den diesjährigen trilateralen Zählungen im August 2021 wurden insgesamt 26.838 Seehunde gezählt. Berücksichtigt man zusätzlich die Tiere, die sich während der Zählungen im Wasser aufhielten, ergibt sich so eine Schätzung von etwa 40.000 Seehunden im Wattenmeer.

Damit scheint die Population ein Plateau erreicht zu haben. Die trilateralen Langzeitdaten deuten darauf hin, dass die mittlere jährliche Wachstumsrate seit 2012 nur 1 % pro Jahr betrug. Die Zählung im Jahr 2021 ergab sogar einen Rückgang von 1514 Seehunden (-5 %) im Vergleich zum Vorjahr. Solche Schwankungen können auf externe Faktoren, wie zum Beispiel unterschiedliche Wetterbedingungen zum Zeitpunkt der Zählflüge, zurückzuführen sein. Aussagekräftiger als der Vergleich von zwei aufeinanderfolgenden Jahren sind daher Langzeittrends. Die letzten Zählungen zeigten regional unterschiedliche Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. Während die Zahlen in den Niederlanden und in Niedersachsen/Hamburg um 8 % bzw. 10 % höher waren als im Jahr 2020, wurden in den nördlichen Wattenmeer Regionen in Schleswig-Holstein und Dänemark, 18% bzw. 40 % weniger Seehunde gezählt. Hervorzuheben ist, dass Anzahl der gezählten Seehunde in Dänemark seit 2012 kontinuierlich abnimmt, während die Zahlen in den anderen Regionen zu schwanken scheinen.

Anders Galatius, Hauptautor des von der trilateralen Expertengruppe für Meeressäugetiere erstellten Berichts, erklärt: “Wir können sicher sein, dass die jahrelange kontinuierliche Zunahme unserer Seehundpopulation zum Stillstand kommt; in Dänemark ist sogar ein stetiger Rückgang der Zahlen zu verzeichnen. Um das Management besser beraten zu können, ist es nun wichtig, die Mechanismen zu untersuchen, die diesen Veränderungen zugrunde liegen”.

Interessanterweise spiegeln sich die regionalen Veränderungen in den zum Zeitpunkt des Fellwechsels gezählten Seehunde nicht in der Zahl der geborenen Jungtiere wider. Von den 10.903 Seehunden, die im Jahr 2021 geboren wurden, wurden 656 Jungtiere in Dänemark gezählt (ein Anstieg von 53 % gegenüber 2020) und 5.096 Jungtiere in Schleswig-Holstein (ein Anstieg von 13 % gegenüber 2020). Auf Helgoland wurde das erste Jungtierwährend eines koordinierten Zähltermins registriert, seit Helgoland 2018 in das trilaterale Monitoring aufgenommen wurde. In Niedersachsen/Hamburg gab es einen leichten Anstieg von 6 %, während die Jungtierzahlen in den Niederlanden um 1 % zurückgingen. Insgesamt wurden im Jahr 2021 10 % mehr Jungtiere gezählt als im Jahr 2020, und die Jungtierzahlen sind in den letzten fünf Jahren jährlich um 8 % gestiegen. Die Diskrepanz zwischen der hohen Zahl der jährlich geborenen Jungtiere und der offensichtlich fehlenden Rekrutierung dieser Jungtiere in die Population der erwachsenen Tiere hat unter Experten Fragen aufgeworfen. Das Wattenmeer-Seehundabkommen ist ein wichtiges Instrument für die Zusammenarbeit über internationale Grenzen hinweg, um diese Art von Veränderungen besser zu verstehen.

Den gesamten Seehundbericht können Sie hier lesen.

Über das Wattenmeer

Das Wattenmeer ist das größte Gezeitengebiet der Welt, in dem natürliche Prozesse ungestört ablaufen können. Es erstreckt sich über 500 km entlang der Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande. Aufgrund seiner weltweit einzigartigen geologischen und ökologischen Werte ist das Wattenmeer von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet worden. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so dynamische Landschaft mit einer Vielzahl von Lebensräumen, die von Wind und Gezeiten geformt werden. Die globale Biodiversität ist auf das Wattenmeer angewiesen. Im Rahmen der Trilateralen Wattenmeer-Kooperation übernehmen Dänemark, Deutschland und die Niederlande gemeinsam die Verantwortung, dieses unersetzliche Ökosystem zum Wohle gegenwärtiger und zukünftiger Generationen zu erhalten.