Monatsvogel im Dezember

Berghänfling (Dezember)

Carduelis flavirostris

Schreckhafter Geselle

Sieht man zu dieser Jahreszeit „ganz viele“, „ganz Kleine“, die dicht gedrängt im wilden Durcheinander über die Salzwiesen des Nationalparks fliegen, dann hat man mit einiger Sicherheit Berghänflinge vor sich.

Dieser kleine Finkenvogel liebt außerhalb der Brutzeit die Geselligkeit. Er ist dann gerne in größeren Schwärmen unterwegs, oft in dreistelliger Anzahl. Selten kann man ihn ganz ruhig beobachten – ein Vogel in nahezu ständiger Bewegung. Schon beim Zuklappen einer Schafspforte am Deich fliegt der Schwarm mit einem vielstimmigen nasalen „twäid-twäid“ auf – was in der Summe mehr wie ein Rauschen klingt -, um kurz darauf wieder zur Nahrungssuche zurückzukehren.

Nahrhaftes „Treibsel“

Der Berghänfling ernährt sich im Winter im Wattenmeer von den zahlreichen Samen der Salzwiesenpflanzen. Diese Vorliebe teilt er mit Ohrenlerchen und Schneeammern. Im Nationalpark nennen wir diese drei Arten unser „Spülsaumtrio“, da sie sich gerne im Schwarm zusammentun und im Angespülten am Deichfuß, wo besonders viele Samen zu finden sind, ihre Nahrung suchen. In einer Handvoll „Treibsel“, wie man den Spülsaum hier auch nennt, können mehrere Tausend Samen enthalten sein.

Der nur 14 Zentimeter lange und kaum 20 Gramm schwere Fink badet sich gerne – und auch dies gerne in schützender Gemeinschaft. Sein eher unscheinbar wirkendes bräunliches Gefieder braucht regelmäßige Pflege. Wer dabei ganz genau hinschaut, wird seinen gelben Schnabel bemerken und mit etwas Glück bei den Männchen auch einen rosa gefärbten Bereich oberhalb des Schwanzes.

Wichtigstes Überwinterungsgebiet

Der Berghänfling brütet vor allem an der norwegischen Küste oberhalb der Baumgrenze. Im Norden der Britischen Inseln findet er ebenfalls geeignete Lebensräume. Für den Winter ziehen fast die Hälfte der skandinavischen Berghänflinge ins Wattenmeer. Da sich insgesamt ein Rückgang der Überwinterungsbestände abzeichnet, kommt dem Wattenmeer daher eine besondere Bedeutung als Lebensraum für diese Vogelart zu. Hier ist die Forschung über mögliche Gründe für den rückläufigen Trend bei dieser Art essentiell.

Quellen zu den Monatsvögeln
(Auswahl)

„Der Kosmos Vogelführer“ (L. Svensson, K. Mullarney, D. Zetterström , Auflage von 2011)

„Die Vögel Mitteleuropas im Porträt“ (H.-J. Fünfstück, I. Weiß, 2018)

„Zugvögel im Wattenmeer“ (P. Südbeck, F. Bairlein, R. Lottmann, 2018)

www.zugvogeltage.de

Schutzstation Wattenmeer

Berghänflinge am Wegesrand im Gras.
Berhänflinge lieben außerhalb der Brutzeit die Geselligkeit.

© Christian Neumann

Bergh#nflinge über einer Wiese und Wasser.
„Ganz viele und Kleine“ über der Salzwiese: das sind Berghänflinge.

© Christian Neumann

Fliegende Berghänflinge gegen den Himmel.
Berghänflinge sind nur 14 Zentimeter lang und kaum 20 Gramm schwer.

© Christian Neumann

Berghänflinge über und auf einer Wiese
Die Schreckhaften Berghänflinge fliegen bei jeder kleinen Störung auf.

© V. Dierschke

Themenjahr 2022 "Vogelzug im Wattenmeer"