Monatsvogel im August

Brandgans

Tadorna tadorna

Höhlenbrüter mit zwei Namen

Bei der Brandgans löst schon der Name erste Verwirrungen aus, denn gelegentlich ist sie auch unter der Bezeichnung Brandente zu finden. Was denn nun?

Die Brandgans gehört zur Familie der Entenvögel und darin zur Unterfamilie der Halbgänse. Halbgänse ähneln in ihrer Gestalt Gänsen, zum Beispiel haben sie einen langen Hals. Sie besitzen jedoch auch Merkmale, wie sie für Enten charakteristisch sind, beispielsweise dass Männchen und Weibchen eine Saison- statt eine Dauerehe führen. Bei Enten können die Geschlechter in der Regel an der Gefiederfärbung und weiteren Merkmalen unterschieden werden, während man Gänsegeschlechter fast nur am Verhalten erkennen kann. Bei der Brandgans haben beide Geschlechter einen schwarzen-grünen Kopf, ein breites rostbraunes Brustband sowie ein dunkles Band am Rücken. Die männliche Brandgans hat einen deutlichen Schnabelhöcker und ist meist etwas größer und kräftiger. Die Weibchen sind um die Augen und am Schnabelansatz häufig weiß.

Brandgänse brüten an nahezu allen Küsten Europas. Im Nationalpark kann man sie das ganze Jahr über vor allem in schlickigen Zonen antreffen, denn dort ist ihre Lieblingsnahrung zu finden: Wattschnecken. Aber auch Muscheln, Ringelwürmer, Krebstiere und Insekten verschmähen Brandgänse nicht.

Bis zu 15 Eier pro Bruthöhle

Brandgänse brüten in Höhlen, was eine Besonderheit für Wasservögel ist. Sie nutzen dafür häufig alte Kaninchenhöhlen, sogar Fuchsbauten oder höhlenartige Strukturen in Salzwiesen. Auf den Halligen und Inseln wurden früher auch künstliche Bruthöhlen angelegt, in die die Brandgänse ihre Eier legten, häufig bis zu 15 Stück. Die Menschen taten dies allerdings nicht ganz uneigennützig, denn die Eier der Brandgans wurden gern gegessen. Die Brandgans legte die entnommenen Eier in der Regel nach.

Das Nest wird vor allem mit Dunen und mit Pflanzenmaterial ausgepolstert. Das Weibchen brütet, während das Männchen in Nestnähe Wache hält. Nach etwa 30 Tagen schlüpfen die Küken, die Nestflüchter sind. Sofort folgen sie ihrer Mutter ans Wasser. Häufig bilden mehrere Brandenten – ähnlich wie Eiderenten – eine Art „Kindergarten“, in dem sie sich mit ihren Küken zu größeren Gruppen zusammenschließen. So können immer einige Altvögel wachen, während andere Futter suchen. Flügge werden Brandenten-Küken rund acht Wochen nach dem Schlüpfen.

Flugunfähig während der Mauser

Über die Hälfte der Brandgänse aus allen Teilen Europas versammelt sich ab Anfang Juli im südlichen Dithmarscher Wattenmeer und im Bereich der Elbemündung. Zwischen 150.000 und 200.000 Brandgänse sind dann in diesem Bereich gleichzeitig anzutreffen.

Sie wechseln hier ihre Flügel- und Schwanzfedern (Mauser) und sind damit für etwa zwei Wochen flugunfähig, die meisten in den ersten Augusttagen. Für diese Zeit suchen sie Orte auf, an denen sie vor Störungen durch den Menschen sowie vor Feinden wie dem Fuchs geschützt sind. Gleichzeitig muss Nahrung gut verfügbar sein für die energiezehrende Neubildung der Flugfedern.

Quellen zu den Monatsvögeln (Auswahl)

„Der Kosmos Vogelführer“ (L. Svensson, K. Mullarney, D. Zetterström , Auflage von 2011)

„Der große Vogelatlas: Alle europäischen Arten“ (D. Couzens, 2006)

Bird Migration Atlas

www.zugvogeltage.de

Schutzstation Wattenmeer

Brandgans auf Trischen
Brandgans auf Trischen - Brandgänse gehören zur Familie der Entenvögel und darin zur Unterfamilie der Halbgänse.

© Stock / LKN.SH

Brandgänse auf Nahrungssuche im Watt
Brandgänse auf Nahrungssuche im Watt

© Imke Zwoch

Brandgänse auf hoher See

© NLPV

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