Vögel

Das Wattenmeer ist das zentrale Rast- und Nahrungsgebiet für Millionen von Zugvögeln auf dem ostatlantischen Zugweg. Auch als Brutgebiet spielt es eine wichtige Rolle für zahlreiche, teilweise stark bedrohte Vogelarten.

Mehr als 400 Vogelarten aus verschiedenen Artengruppen sind im Wattenmeer anzutreffen, viele davon regelmäßig, andere vor allem zu bestimmten Jahreszeiten, einige als Zufallsgäste.

Immer präsent sind Möwen, vor allem Silber- und Lachmöwen. Charakterisierend für das Wattenmeer sind aber vor allem Watvögel. Im Verhältnis zur Körpergröße haben sie relativ lange Beine und Schnäbel und sind damit gut für die Nahrungssuche im Watt und anderen Feuchtgebieten ausgerüstet. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Austernfischer, Säbelschnäbler, Brachvögel oder Alpenstrandläufer. Deutlich größer und noch langbeiniger sind die Stelzvögel. Hier sticht im Wattenmeer der Löffler hervor, der seit den 1990er Jahren wieder erfolgreich vor allem auf den Inseln brütet.

Im Winterhalbjahr sind große Schwärme an Gänsen unübersehbar, insbesondere Ringel-, Weißwangen-, Bless- und Graugänse. Auch Entenarten wie Eider- und Pfeifenten verbringen hier den Winter. Hinzu kommen weitere Wasservögel wie Kormoran oder verschiedene Taucherarten. In Dünen und Salzwiesen brüten Greifvögel, Eulen und Singvögel. Nordische Singvogelarten wie Schneeammer, Berghänfling und Ohrenlerche sind im Winter am Spülsaum und in den Salzwiesen bei der Suche nach Sämereien zu beobachten.

Im Winter sind im Wattenmeer gemischte Trupps aus Bläss-, Saat- und Graugänsen zu beobachten.

© Walentowitz

Das Wattenmeer als Drehscheibe des Vogelzuges

In jedem Herbst und jedem Frühjahr rasten etwa 12 Millionen Zugvögel im Wattenmeer vor der deutschen, niederländischen und dänischen Nordseeküste. Die typischen Zugvögel des Wattenmeeres brüten in der Regel weit oben in den Tundren der Arktis, im Norden Europas, Asiens oder gar Amerikas. Auf dem Weg in die Winterquartiere, die oft im westlichen Afrika liegen, legen mehrere dieser Arten eine einzige Rast ein ‒ und zwar im Wattenmeer. Deshalb bezeichnet man das Wattenmeer auch als Drehscheibe des Ostatlantischen Vogelzuges.

Viele Vögel nutzen ihre Rast im Wattenmeer, um hier ihre Energiereserven wieder aufzufüllen. Das Wattenmeer bietet dafür ideale Voraussetzungen. Der Nahrungsreichtum ist hier so groß, dass Millionen von Zugvögeln ihren hohen Energiebedarf decken können.

Ohne einen Zwischenstopp im Wattenmeer sind viele Vogelpopulationen nicht in der Lage, ihren Zugweg zu bewältigen. Allein dieser Umstand macht die buchstäblich weltumspannende Bedeutung des Wattenmeeres deutlich und unterstreicht, wie berechtigt seine Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes ist. Damit verbunden ist die weltweite Verantwortung, die der Nationalpark für Zugvögel des Ostatlantischen Zugweges hat.