Wale

Neben Seehund und Kegelrobbe ist der Schweinswal der Dritte im Bunde der im Wasser lebenden Säugetiere, die im Wattenmeer heimisch sind. Andere Wale, die hier gelegentlich beobachtet werden, haben sich eher "verschwommen".
Schweinswal

Schweinswal  | © Illustration: Claus Rabba

Ganze anderthalb Meter misst der Schweinswal etwa von der Schnauze bis zur Fluke. Damit zählt er zu den kleinsten Walarten überhaupt. Größer darf er aber auch nicht sein, sonst könnte er in den flachen Küstengewässern vor unserer Küste gar nicht überleben.

Wie viele Schweinswale es in der Nordsee gibt, ist nicht sicher. Schätzungen aus 1994 nennen im Mittel 170.000 Tiere für die zentrale und südliche Nordsee. Ein europäisches Forschungsprojekt versucht derzeit den Bestand aller in der Nordsee und angrenzenden Gewässern vorkommenden Walarten zu ermitteln. Erste Meldungen sprechen von einer Zunahme der Schweinswalsichtungen in der südlichen Nordsee. Skipper, die häufig das Wattenmeer befahren, bestätigten diese Beobachtung.

Frühe Erkenntnisse über den Schweinswal legte bereits Aristoteles im 3. Jh. v. Chr. vor. In der danach folgenden Zeit allerdings wurden die Beschreibungen immer fantastischer’. So schreibt man 1350, der kleine Wal würde fast die Gestalt eines wirklichen Schweines besitzen, Giftstacheln am Rücken tragen und wie ein echtes Schwein mit einem Rüssel am Grunde des Meeres wühlen. Übliche Namen im deutschen Sprachraum sind neben Schweinswal auch Kleiner Tümmler, Braunfisch oder Meerschwein. Was letztendlich ausschlaggebend für die Namensvetternschaft mit dem lieben Borstenvieh war - die äußere Form und Größe, die diesen Walen nachgesagte Schweinszunge, ihre angeblichen Schweinsaugen, ihre dicke Speckschicht oder eine Ähnlichkeit der inneren Organe - wird wohl im Dunkeln bleiben.

Schweinswale schwimmen einzeln oder paarweise, manchmal auch in kleineren Gruppen. Spektakuläre Sprünge, wie man sie von Delfinen kennt, entsprechen nicht ihrem "gemäßigten" Temperament.

In der Nordsee sind offenbar Plattfische ihre Lieblingsspeise, daneben jahreszeitlich auftretende Schwarmfische - Hering, Sprotte, Kabeljau, Makrele, Sandaal u.a. Wie alle Zahnwale benutzen auch Schweinswale eine spezielle Methode zur Orientierung und bei der Jagd - die Schallortung. Sie erzeugen dafür kurze Schallimpulse, so genannte Klicks, und werten die reflektierten Schallwellen aus - die Natur hat das Prinzip des aktiven Sonars schon lange vor dem Menschen entdeckt.

Sommerzeit ist Paarungszeit bei den Schweinswalen. 10-11 Monate später, in den Monaten Mai bis Juli, werden die Jungtiere geboren. Von März bis Mai werden an der niedersächsischen Küste die meisten lebenden Schweinswale gesichtet. Apropos Sichtung - falls Sie vom Boot oder von Land aus einen Schweinswal schwimmen sehen, melden Sie doch bitte Datum, Uhrzeit und Position an die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Dort werden diese Beobachtungen gesammelt und in einer Karte zusammengefasst.